Toter King of Pop

Jacksons Arzt schuldig – Familie feiert "Sieg"

"Sieg!", twitterte LaToya Jackson nach dem Urteil gegen den Leibarzt des toten King of Pop. Murray verließ das Gericht in Handschellen, doch "ein Gefühl der Leere" bleibt.

Am Tag danach poppten keine Champagnerkorken, und die Familie des King of Pop lud nicht zur Siegesparty ein: Dr. Conrad Murray, der ehemalige Leibarzt von Michael Jackson, wurde am Montag der fahrlässigen Tötung seines Patienten schuldig gesprochen und in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt.

Aber die bevorstehende Haftstrafe von bis zu vier Jahren, die am 29. November verkündet wird, verschaffte den Angehörigen nur einen kurzzeitigen Triumph.

„Das vorherrschende Gefühl ist das der Leere“, sagte Brian Oxman, Anwalt der Jackson-Familie, nach dem Juryspruch in Los Angeles. „Fakt ist, dass Conrad Murray schuldig ist. Aber wir sind immer noch ohne Michael Jackson.“

Dabei waren die Angehörigen, die sich im Gerichtssaal eingefunden hatten, keineswegs immer in innigster Herzlichkeit dem Verstorbenen zugetan. Katherine Jackson, die im Gerichtssaal still an der Seite ihrer Tochter Rebbie weinende Mutter, hatte zwar ein enges Verhältnis zu Michael.

Schwierige Familienbande des Jackson-Clans

Aber über Joe Jackson, den bei der Urteilsverkündung ebenfalls anwesenden Vater, enthüllte der Weltstar vor Jahren, mit welcher Härte und körperlichen Gewalt er seine Kinder musikalisch und choreografisch förmlich zu den „Jackson Brothers“ und „Jackson Five“ abgerichtet und auf die Bühnen gezwungen hatte.

Immerhin, auch das räumte Michael Jackson ein, hätte er ohne die rabiate Härte des Vaters seine Ausnahmekarriere nicht gemacht.

„Sieg!“, twitterte LaToya Jackson, eine weitere Schwester des Verstorbenen. „Michael, ich liebe dich und ich werde weiter kämpfen, bis alle vor Gericht stehen.“ Im Moment des Urteilsspruchs hatte sie im Gerichtssaal freudig aufgeschrien und ihre Brüder Jermaine und Randy umarmt.

LaToya, die eine sängerische Solokarriere mit Höhen und Tiefen hinter sich hat, glaubt an eine Verschwörung, die am 25. Juni 2009 zur vorsätzlichen Ermordung ihres Bruders geführt habe. Murray, der dem Weltstar laut Jury eine tödliche Dosis des Narkosemittels Propofol injizierte, sei in diesem Komplott nur ein kleines Rädchen.

LaToya war lange das schwarze Schaf der Familie. Die 46-Jährige warf ihrem Vater inzestuöse Vergehen vor und ihrem Bruder Michael den sexuellen Missbrauch von Kindern. Später söhnte sie sich mit Michael aus, der in zwei Gerichtsverfahren vom Vorwurf des Sexes mit Kindern freigesprochen wurde.

Nicht im Gerichtssaal anwesend waren Prince Michael (14), Paris (13) und Blanket (9). Sie haben kein Popidol verloren, sondern ihren Vater. Zu ihren Müttern haben die drei Kinder ohnehin keinen Kontakt. Debbie Rowe, die Ex-Frau von Michael Jackson, übertrug das Sorgerecht für Prince und Paris 1999 bei der Scheidung ihrem Mann. Blanket stammt von einer unbekannten Leihmutter.

"This-is-it“-Konzerte sollten "normales Leben" ermöglichen

Der exzentrische Ausnahmekünstler kümmerte sich nach Aussage von Freunden rührend um die beiden Söhne und die Tochter. Sie standen auch, obwohl an keinem Verhandlungstag anwesend, im Mittelpunkt einer der bewegendsten Szenen des Prozesses.

Randy Phillips, der Chef des die geplante Comeback-Tournee von Michael Jackson sponsernden Konzerns, berichtete von einem Gespräch mit dem Künstler kurz vor dessen Tod. Unter Tränen habe Jackson ihm erzählt, er wolle durch die 50 „This-is-it“-Konzerte nur genügend Geld verdienen, „um ein normales Leben mit seinen drei Kindern zu führen“.

Dabei starb Michael Jackson, der mit 100 Millionen verkauften Exemplaren des Albums „Thriller“ einen einsamen Bestseller produziert hat, mit 400 Millionen Dollar Schulden. Seine legendäre „Neverland“-Ranch, ein riesiger Kinderspielplatz für den androgynen Peter Pan der Unterhaltungsindustrie, musste er schon vor Jahren aufgeben. Seine Rechte an den Beatles-Titeln verpfändete er als Sicherheit bei Banken.

Ein Leben in Armut droht den Kindern, die jetzt bei den Großeltern Katherine und Joe Jackson aufwachsen, trotzdem nicht. Eine vom Tod des Vaters ausgelöste „MJ“-Renaissance spülte bereits 310 Millionen Dollar in die Familienkasse. Und die neue Jackson-Mania geht weiter. Doch den Vater oder die Mutter oder gar jene Normalität, auf die Michael Jackson hoffte, bekommen Prince Michael, Paris und Blanket dadurch nicht.