Düsseldorfer Roboterladen

Wie "iRobot Roomba 531" den Haushalt schmeißt

In Düsseldorf öffnet das erste Geschäft Deutschlands, das nur Roboter verkauft. Sie sind der Traum aller Hausputz-Muffel, denn sie wischen, saugen und putzen Fenster.

Foto: judith wagner

Das Interessante an Robotern ist, dass man eine bestimmte Vorstellung von ihnen hat, geprägt von unzähligen Science-Fiction-Filmen, von Büchern natürlich, von der menschlichen Fantasie also, die ja unendlich erfindungsreich ist, wenn es darum geht, Lästiges zu erleichtern.

Geträumt haben die Menschen immer davon, vom Schlaraffenland, wo niemand arbeitet, wo jeder einfach nichts tut und sich die gebratenen Tauben in den Mund fliegen lässt, von Heinzelmännchen, die immer nachts Ordnung in das Chaos bringen, und schließlich von silbern glänzenden Maschinen, die ohne Murren den miesesten Job erledigen, sodass der Mensch sich Wichtigerem widmen kann.

Nun also ist es soweit, es gibt den ersten Laden nur für Roboter in Deutschland. In Düsseldorf.

Nun mag der Standort, den Fabian Kruse für sein Geschäft gewählt hat, zufällig sein, sinnig ist er schon. Befindet sich der Laden doch am japanischen Zentrum der Stadt, und der Japaner – so weiß man – ist technischen Neuerungen gegenüber doch meist aufgeschlossener als der Europäer.

Kruse sagt, das sei schon richtig so, doch dies sei ihm auch erst im Nachhinein klar geworden. Als er die vielen asiatischen Gesichter an seinen Schaufenstern gesehen habe, die erregt auf die kleinen Geräte zeigten, Fotos machten und sich sichtbar freuten über die eifrigen, bescheiden vor sich hin arbeitenden Maschinen im Einheitslook.

Immer wieder ziehen sie ihre Bahn in Kruses Schaufenster, saugen den Teppichboden, wischen über eine Glasplatte, vergessen auch die Kanten nicht, sich der Gefahr aussetzend abzustürzen, doch die Roboter stürzen nicht. Kruse sagt, sie hätten Sensoren.

„Sensoren wie wir Augen, Nasen, Münder hinter den lackierten Verkleidungen?“

„So ähnlich“, sagt Kruse.

Roboter, die den Staub aufsaugen und den Swimmingpool säubern

Es ist noch nicht so viel los im Geschäft, weshalb er eine kleine Führung machen kann. Er hat Roboter, die den Staub aufsaugen, den Boden wischen, den Swimmingpool säubern, er bietet Roboter zum Basteln an – einer von ihnen soll demnächst seine Kollegen an- und ausschalten – und Spielzeug hat er auch.

Es gibt einen lustigen blinkenden Kerl, der wie ein Mülleimer aussieht und die Luft reinigt, und einen scheinbar humorlosen dackelgroßen, der in immer gleichen Bahnen Rasen mäht. An einem Fenster wie ein großer Gecko klebt auch einer von ihnen, macht sauber ohne Murren, in der Ecke wartet ein großer gelber, der ein bisschen an einen Kraken erinnert, auf seinen Einsatz in einem Swimmingpool – „den werfen Sie einfach ins Wasser“, sagt Kruse.

„Und dann?“

„Dann macht er all den Dreck weg.“

Kundschaft betritt das Geschäft, ein Paar, augenscheinlich gut situiert. Kruses Mitarbeiterin führt die Saugroboter vor. Sie sehen aus wie Frisbeescheiben, nur dicker, manche lassen sich so programmieren, dass sie jeden Tag um die gleiche Zeit ihre Arbeit machen, manche können sprechen, Französisch gar, was ziemlich arrogant daherkommt.

„Das kann man umstellen“, sagt Kruse.

Zum Roboter kam der promovierte Biologe durch seine beiden Hunde. Kruse und seine Frau waren es leid, ständig hinter den Tölen herzusaugen, vor allem seine Frau wohl, weshalb er auf die Idee kam, ihr zu Weihnachten so einen Roboter zu schenken.

„Schenkt man seiner Frau wirklich einen Staubsauger zu Weihnachten, Herr Kruse?“

„Ich hab noch ein paar Opernkarten dazugelegt, damit es nicht so blöd aussieht“, sagt er.

Inzwischen arbeiten zehn Leute im Unternehmen

Allerdings konnte er die wirklich guten Roboter in Deutschland nicht bekommen, lediglich in Belgien gab es einen Vertrieb. Kruse bestellte, befand für gut und kaufte schließlich zwei Paletten direkt vom Hersteller, die er über die Firma seines Bruders wieder verkaufte.

Das war vor etwa sechs Jahren, inzwischen arbeiten zehn Leute in seinem Unternehmen. „In Zukunft können solche Maschinen auch im Freien eingesetzt werden, auf der Straße, auf großen Plätzen, auf Flughäfen und in Bahnhöfen“, sagt er. Die technische Entwicklung sei rasant. Er setzt auf Wachstum.

Nun könnte man meinen, dass es mit den Haushaltsrobotern genauso ist wie mit den anderen Dingen, die man am Anfang im Haushalt als nützlich angesehen hat, die aber später in irgendeinem Schrank landeten, weil sie nicht ausgereift genug waren, weil sie nicht hielten, was sie versprachen.

Der Entsafter etwa, der so schlecht zu reinigen war, die Küchenmaschine, die man mit dem Würfeln einer Zwiebel nicht behelligen will, die elektrische Parmesanreibe, deren Akku immer dann leer war, wenn die Nudeln gerade al dente kochten.

Bei Arbeitsantritt fand Robbie drei alte Löffel unter der Kommode

„Sie können einen Roboter mit nach Hause nehmen“, sagt Kruse dann, „wie jeder Kunde.“ Wie auch das gut situierte Düsseldorfer Paar. „Testen Sie ihn eine Woche und dann sehen wir weiter“, fügt er hinzu, stellt ein paar Fragen zur Wohnsituation, zu den Böden, ob man denn Haustiere habe, wenn ja, sei nämlich eine stärkere Bürste erforderlich.

„Keine Haustiere, aber Kinder“, lautet die Antwort.

Kruse packt die extrastarke Bürste ein und wünscht einen guten Tag.

Zunächst machte der iRobot Roomba 531, den wir einfallsloserweise „Robbie“ nannten, unserer zweijährigen Tochter ein wenig Angst. Doch schon nach zwei Tagen wurde er als neues Familienmitglied in den Haushalt integriert. Bei Arbeitsantritt fand Robbie drei alte Breilöffel unter einer Kommode, Lego-Steine und die Jacke einer Puppe.

Außerdem massenhaft Staub. Er saugte auch in der Ecke. Wir schalteten ihn ein, gingen einkaufen, arbeiten oder spazieren, und als wir zurückkamen, war die komplette Etage gesaugt, und Robbie stand auf seiner Ladestation. Er lässt sich viel Zeit, scheinbar ohne System fährt er durch unser Haus und findet dabei Dinge, die wir nicht mehr vermisst hatten.

Hinzu kommt: Robbie ist ein guter Umgang. So räumte die Zweijährige am dritten Tag etwa ihr komplettes Zimmer auf, inklusive Playmobil-Figuren und Bauklötze, entfernte gar eine am Morgen gebaute Straße aus Duplo-Steinen, ohne, dass man sie dazu angeleitet hatte. Warum?

„Damit der Robbie hier richtig arbeiten kann“, war die Antwort.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen