Frankreich

Bahnchaos nach Messerattacke auf Kontrolleur

Zusammenbruch des Bahnverkehrs in Frankreich: Weil ein Fahrgast einen Zugbegleiter lebensgefährlich verletzte, legten viele Bahnmitarbeiter die Arbeit nieder.

Nach einem Messerangriff auf einen Schaffner haben spontane Streiks den Zugverkehr in Frankreich massiv beeinträchtigt. Nach Angaben der Staatsbahn SNCF fielen zahlreiche Züge aus. Der Zustand des Schaffners, den am Vortag ein möglicherweise geistesgestörter Reisender mit acht Messerstichen verletzt hatte, wurde als „ernst, aber stabil“ beschrieben.

Wie viele der 11.000 französischen Schaffner insgesamt im Ausstand waren, konnte die SNCF nicht beziffern. Nach ihren Angaben fielen vor allem im Osten des Landes im Schnitt drei von vier Regionalzügen und zwei von drei TGV-Hochgeschwindigkeitszügen aus.

Behinderungen gab es auch auf der Strecke Paris-Straßburg. Die TGV-Verbindungen nach Stuttgart und München waren demnach aber nicht betroffen, ebenso wenig wie der Hochgeschwindigkeitzug Thalys, der von Paris über Brüssel nach Köln fährt. Auch der Eurostar zwischen Paris und London verkehrte normal.

In einigen Städten wie Lyon, Toulouse, Dijon und am Pariser Bahnhof Gare de Lyon beschlossen die Schaffner im Laufe des Tages, die Arbeit wieder aufzunehmen. SNCF-Chef Guillaume Pepy appellierte an alle Bediensteten, die Streiks zu beenden. Die Fahrgäste dürften nicht bestraft werden, weil ein „Geistesgestörter eine verrückte Tat begangen hat“.

Sicherheit in Zügen soll verbessert werden

Auch Verkehrsminister Thierry Mariani sagte, die Arbeitsniederlegungen seien keine „angemessene Antwort“. Ein Gewerkschaftssprecher kündigte an, ab kommender Woche solle eine Arbeitsgruppe über eine Verbesserung der Sicherheit in den Zügen beraten.

Der Angriff hatte sich in einem Zug auf der Strecke Lyon-Straßburg ereignet. Als zwei Schaffner einen schlafenden Passagier weckten, um seine Fahrkarte zu kontrollieren, wurde der Mann aggressiv. Er verletzte zunächst sich selbst mit einem Messer am Arm und ging dann auf einen der Schaffner los. Der 54-Jährige erlitt schwere Verletzungen im Bauch und am Kopf. Er musste notoperiert werden, sein Zustand war am Freitag aber stabil.

Der Angreifer, dessen Identität noch nicht feststand, wurde überwältigt und der Polizei übergeben. Er soll nun auf Antrag der Staatsanwaltschaft in der ostfranzösischen Stadt Besançon von einem Psychiater untersucht werden. Der Mann hatte nur eine Kreditkarte bei sich, die einem 27 Jahre alten Elsässer gehört. Bei ihm handelt es sich um einen mehrfach wegen tätlicher Angriffe vorbestraften Täter.