Flut in Bangkok

Wütende Thais wollen Schleusen öffnen

In den überschwemmten Vororten im Norden von Bangkok ist es zu heftigen Protesten gekommen. Aufgebrachte Bürger forderten von den Behörden, das Wasser ablaufen zu lassen. Diese wollen aber das Stadtzentrum schützen.

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Keine Besserung in Sicht

Video: Reuters
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Angesichts der Proteste in den überschwemmten Vororten der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben die Behörden am Dienstag versucht, den Zorn der Bürge zu besänftigen. Bangkoks Gouverneur Sukhumbhand Paribatra erklärte, er könne nicht zulasten der Mehrheit den Forderungen einer Minderheit nachkommen. Während das Zentrum der Hauptstadt vor den Fluten geschützt wird, stehen vor allem im Norden Bangkoks ganze Bezirke unter Wasser.

"Ich kann nicht jeder Forderung nachkommen“, sagte Sukhumbhand. Ein Behördensprecher ergänzte, es sei „unmöglich“, allen Betroffenen zu helfen. Die Stadt verfüge lediglich über eine begrenzte Zahl an Militärfahrzeugen und Booten. Es könne „nicht in allen Gassen drei Mal täglich Wasser und Nahrung verteilt“ werden. Die Einwohner sollten sich die Lebensmittel stattdessen abholen. Bislang hätten sich einige geweigert, in die Notunterkünfte zu ziehen.

Mehrere Bezirke im Norden Bangkoks stehen seit Tagen unter Wasser. Den Behörden zufolge hat der Schutz des Stadtzentrums Priorität. Hunderte Einwohner hatten deshalb am Montag dagegen protestiert, dass ihre Häuser für die Geschäfts- und Touristenviertel im Zentrum geopfert werden. Sie forderten, die Schleusentore weiter zu öffnen, um das Wasser schneller abzulassen. Einige von ihnen griffen sogar zur Selbsthilfe und begannen, Ablaufrinnen rund um die Schleuse auszuheben. Zum Schutz der Schleusentore wurden Militärpolizisten entsandt.

Die thailändische Regierung und die Stadtverwaltung von Bangkok sind beim Krisenmanagement zudem nicht einer Meinung. Während Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra am Montag anordnete, eine weitere Schleuse im Nordosten der Stadt zu öffnen, warnte Gouverneur Sukhumbhand vor den Folgen für andere Stadtbezirke und Industriegebiete. Regierung und Stadtverwaltung müssten versuchen, „eine gemeinsame Position“ zu finden, forderte er am Dienstag.

Im Bezirk Bang Phlat im Westen Bangkoks, nur fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, war am Dienstag weiter keine Hilfe in Sicht. „Ich will, dass die Regierung kommt und sich um uns kümmert“, forderte der 58-jährige Pailin Sontana, der zwischen den schwer beschädigten Häusern durch die hüfthohe braune Brühe watete . „Wir haben um Hilfe gebeten, aber niemand kommt.“

Thailand erlebt seit etwa drei Monaten die heftigsten Regenfälle und Überschwemmungen seit Jahrzehnten; besonders betroffen sind der Norden und das Zentrum des Landes. Mehr als 380 Menschen kamen bislang ums Leben, neun Millionen Menschen verloren ihre Bleibe. Tausende Fabriken mussten geschlossen werden.