Flüge abgebrochen, Stewards in Klinik

Rätselhafte Gestank-Vorfälle an Bord der Lufthansa

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Innerhalb weniger Tage gab es drei Fälle von unangenehmen Gerüchen in Airbus-Maschinen – nur eine "Häufung unglücklicher Umstände" oder Grund zur Sorge?

Ein paar Minuten früher als erwartet landete ein Airbus 320 aus Nizza in Frankfurt. Dieses an sich erfreuliche Ereignis hatte allerdings einen unerfreulichen Grund: Die Bordcrew hatte einen „seltsamen Geruch“ in der Kabine wahrgenommen.

Eine sofortige, „bevorzugte Landung“ am Zielort wurde eingeleitet. Ein Passagier berichtete später, dass die Maschine „hart aufgesetzt“ habe und nach einem extrem kurzen Bremsweg zum Stehen gekommen sei. Am Boden warteten die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. 89 Passagiere waren an Bord, sie und die Mitglieder der Besatzung verließen das Flugzeug unbeschadet.

Dies ist bereits der dritte Vorfall dieser Art in nur einer Woche bei der Lufthansa. Erst am vergangenen Freitag hatte eine Lufthansa-Maschine gleichen Typs auf dem Weg nach Madrid in Zürich zwischenlanden müssen – ebenfalls, weil Besatzungsmitglieder einen seltsamen Gestank wahrgenommen hatten.

Drei Flugbegleiter waren danach mit Atemwegsreizungen zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Mitteilung von Lufthansa waren sie nach wenigen Stunden wieder „völlig symptomfrei“ entlassen worden und hätten auch seither keinerlei Probleme mehr zu beklagen, die etwas mit dem Geruch zu tun haben könnten.

Doch nur wenige Tage später gab es einen zweiten, ähnlichen Zwischenfall: In der Nacht zum Dienstag musste eine Maschine der Lufthansa auf dem Flughafen der russischen Stadt Perm am Ural landen, weil zwei Flugbegleiter einen „chemischen Geruch“ bemerkt hatten.

Der Airbus war auf dem Weg von Jekaterinburg nach Frankfurt gewesen. Die Ursachen für die beiden ersten Zwischenfälle hat die Lufthansa inzwischen aufklären können. Der Geruch war in beiden Fällen aus der Bordküche gekommen und war dort von „Plastikteilen“ verursacht worden, die im Ofen der Bordküche verschmort waren, wie Peter Schneckenleitner, Pressesprecher der Lufthansa, sagte.

Es habe keine Rauchentwicklung, sondern nur jenen unangenehmen, chemischen Geruch gegeben.

"Kein Zusammenhang zwischen den Vorfällen"

Diese beiden Vorfälle waren auch dem Luftfahrt-Bundesamt gemeldet worden, das für die Sicherheit des deutschen Flugverkehrs zuständig ist. Der dritte Vorfall ist der Behörde bislang noch nicht gemeldet worden. „Das wird aber aller Voraussicht nach demnächst geschehen“, sagte ein Mitarbeiter der Lufthansa-Pressestelle.

Die Meldung relevanter Vorfälle muss innerhalb von 72 Stunden erfolgen. Das Luftfahrt-Bundesamt stellt sicher, dass die deutschen Fluggesellschaften alle gesetzlichen Bedingungen für den Flugverkehr einhalten. Die Behörde registriert alle meldepflichtigen Zwischenfälle und wertet sie aus.

„Gegebenenfalls müssen die Gesellschaften Korrekturmaßnahmen einleiten“, sagt die Pressesprecherin des Luftfahrt-Bundesamts. Doch bei den aktuellen Vorfällen gebe es noch keine Anweisungen an die Adresse von Lufthansa.

Die Lufthansa arbeitet nun an der Klärung des dritten Falls von Geruchsentwicklung. Pressesprecher Schneckenleitner weist vorerst darauf hin, dass es bei dem jüngsten Vorfall keinerlei Beeinträchtigung von Fluggästen gegeben habe.

Die Häufung der Fälle sei bisher nichts als eine „Häufung unglücklicher Umstände“. Zu einem systematischen Check der Bordküchen besteht seiner Ansicht nach kein Anlass, auch weil im aktuellen Fall noch nicht gesagt werden könne, ob wieder verschmorende Plastikteile im Bordofen die Ursache gewesen sein könnten.

„Es besteht gar kein Zusammenhang zwischen dem Vorfall von Donnerstag und den beiden vorausgegangenen Ereignissen.“

Gerüche in Flugzeugen können sehr gefährlich sein

Immer wieder kommt es in Flugzeugen zu Geruchsbelästigungen, die die verschiedensten Ursachen haben können. Nicht alle diese Gerüche sind harmlos. Sie können vielmehr extrem gesundheitsschädigend sein, zum Beispiel dann, wenn die Frischluft mit verbranntem Öl aus den Triebwerken vermischt wird.

Denn die Luft für die Kabine kommt von den Triebwerken. Sie gelangt unter anderem über die Düsen gezielt an die Plätze der Passagiere. Ist eine Dichtung defekt, kann Triebwerksöl verdampfen und ungefiltert in die Kabine gelangen.

Verbranntes Treibwerksöl enthält krebserregende Stoffe und das Nervengift Tricresylphosphat (TCP). Es ist unsichtbar, aber giftig, wenn es verdampft und eingeatmet wird. Immer wieder klagten Piloten und Mitglieder des Bordservice gegen ihre Fluggesellschaften wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen, die durch diese Dämpfe entstanden sind.

Auch die Lufthansa war in der Vergangenheit bereits von einem Piloten verklagt worden, der seine Gesundheitsprobleme auf TCP-kontaminierte Luft an seinem Arbeitsplatz zurückführt.

In Deutschland sind solche Prozesse bisher erfolglos für die Klagenden ausgegangen, in den USA hingegen hat eine Stewardess einen Vergleich erwirkt, weil sie TCP einmal ausgesetzt war. Anfang Oktober hatte sich das WDR-Magazin „Monitor“ des Themas angenommen.

Lufthansa sieht überhaupt keinen Grund, bei dem jüngsten Vorfall über TCP auch nur zu reden. Für Spekulationen dieser Art besteht nach Auffassung von Pressesprecher Schneckenleitner nicht der geringste Anlass.

Solange die Ursache für den Gestank, der auch das dritte Lufthansa-Flugzeug zur übereilten Landung zwang, nicht geklärt ist, werden die Spekulationen vermutlich dennoch in alle Richtungen gehen.

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