"Weltbild"-Verlag

Katholische Kirche verdient mit Sex und Pornos

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Paradox: Der Weltbild-Verlag ist ein katholisches Unternehmen und verkauft trotzdem Porno-Lektüre. Zu den erotischen Büchern gehören unter anderem so vielsagende Titel wie "Anwaltshure", "Schlampen-Internat" oder "Vögelbar". Jetzt soll der Vertrieb dieser Bücher möglicherweise unterbunden werden.

Was viele nicht wissen: Die Verlagsgruppe „Weltbild“ ist ein katholisches Unternehmen und verkauft trotzdem Porno-Bücher. 2500 Titel sind allein online erhältlich. Jetzt hängt der Haussegen des größten deutschen Buchhändlers schief.

Das Fachmagazin „buchreport“ hatte vor kurzem berichtet, dass sich die Verlagsgruppe, die mehrheitlich den katholischen Bistümern Deutschlands gehört, am Geschäft mit Erotik beteilige. Auf der Seite „weltbild.de“ würden unter dem Suchbegriff Erotik mehr als 2.500 Treffer aufgezählt, mehrheitlich Bücher. Darunter befinden sich auch Titel wie „Zur Hure erzogen“, „Der Preis der Begierde“ und „Schlampeninternat“ oder „Vögelbar“. Eine Sprecherin des Verlags hatte erklärt, die entsprechenden Artikel würden „nicht aktiv im Shop beworben, sondern nur passiv vorgehalten“.

Die katholische Kirche will nun das Paradoxum offensichtlich unterbinden und den Vertrieb pornografischer Inhalte durch den katholischen „Weltbild“-Verlag beenden. Der Aufsichtsrat beauftragte am Donnerstag die Geschäftsführung des Verlagshauses, „ihrer Verantwortung in diesem Bereich konsequent zu entsprechen“, wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mitteilte.

„Die Verlagsgruppe Weltbild ist das größte Buchhandelsunternehmen Deutschlands und steht deshalb in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung“, erklärten am Donnerstag der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Klaus Donaubauer, und der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, der auch dem Aufsichtsrat angehört. Die kirchlichen Gesellschafter seien darauf bedacht, die Wertbindung des Sortiments immer wieder zu überprüfen.

Zuvor hatte auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx erklärt, es gebe „Filtersysteme, die verhindern können, dass solche Literatur vertrieben wird“. Die Kirche wolle in ihren Verlagen „weder Pornografie noch Gewaltverherrlichung“, betonte Marx. „Wenn wir davon hören, gehen wir der Sache nach, und dann wird das unterbunden.“

Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der katholischen Soldatenseelsorge Berlin. Den größten Gesellschafteranteil unter den Bistümern hält das Erzbistum München-Freising mit 13 Prozent. Der Verkauf erotischer Medien durch den Versandhändler war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand heftiger Kritik.

( KNA/nbo )