Medienpräsenz

Amanda Knox ist Amerikas neues Sweetheart

Sie wird hofiert wie ein Hollywoodstar: Wo sie essen geht, wen sie trifft, welches Auto sie fährt. Die kürzlich freigesprochene Amanda Knox ist das neue Lieblingsobjekt amerikanischer und britischer Paparazzi. Das dient vor allem ihrer Image-Pflege und treibt die Gage für ein mögliches Interview in die Höhe.

Seit die 24-jährige Amanda Knox am 5. Oktober das Gerichtsgebäude im italienischen Perugia als freie Frau verließ, ist die junge Studentin nicht länger der „Engel mit den Eisaugen“, sondern – zumindest aus Sicht amerikanischer Medien – die Unschuld in Person.

Knox war für die Ermordung der britischen Studentin Meredith Kercher im Jahr 2007 in einem Indizienprozess zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Auffassung der ersten Instanz hatten sie und ihr Ex-Freund Kercher bei Sexspielen getötet. Der Verteidigung war es im Berufungsverfahren gelungen, Lücken und Widersprüche der Ermittlungen aufzudecken, vor allem bei angeblichen DNA-Beweisen. Nach dem Freispruch reiste Knox umgehend zurück in ihre Heimatstadt Seattle.

Wie sich vor dem Freispruch Tag für Tag die Meldungen über den Mordfall Knox überschlugen, vergeht nun kaum ein Tag, an dem Amanda nicht beim Shoppen mit ihrer Schwester, beim Kaffee holen mit ihrem Stiefvater oder schlichtweg beim Aussteigen aus dem Auto beobachtet und fotografiert wird. Gleich einem Hollywood-Star ist sie derzeit das beliebteste Fotoobjekt der amerikanischen Paparazzi.

Nicht verwunderlich, denn das Geschäft mit dem „Engelsgesicht“ ist mehr als lukrativ. Erst kürzlich soll der amerikanische Sender ABC Network Know knapp zehn Millionen Dollar für das erste Interview in Freiheit geboten haben. Ganz Amerika scheint besessen von der Vorstellung, die junge, schöne Studentin sei Opfer eines grausamen Mordkomplotts geworden – und ist umso mehr daran interessiert, Knox auch medial von ihrer Schuld reinzuwaschen.

Da erscheinen in Blogs und Zeitungen Fotos der 24-Jährigen, die zeigen, wie sie mit ihrer Schwester Deanna Arm in Arm über einen Boulevard in Seattle läuft, den Blick gen Boden gerichtet, während ihr die Schwester sanft über das Haar streichelt. Nächster Shot: Amanda Knox, Hand in Hand mit ihrer Schwester, betritt ganz leger in Jeans und Sweatshirt gekleidet einen Burger-Laden und ordert Fast Food. Die Aussagen dieser Bilder sind klar: Sie ist Amerikas neuestes "Sweetheart". Und sie muss beschützt werden. Vor der Justiz, vor Europa und dem Rest dieser grausamen Welt, die möglicherweise nicht an ihre Unschuld glaubt.

Denn die Unschuld ihrer Tochter war für die Familie Knox von Anfang an klar. So klar, dass sich Stiefvater Curt gezwungen sah, einen PR-Berater zu engagieren, der bereits seit 2007 das Image der unschuldigen, von der europäischen Justiz malträtierten Amanda Knox kreiert und pflegt. Auf seiner Internetseite verkündet Gogerty Marriott, die Arbeit seines Teams habe dazu geführt die Familie Knox mit „allen großen US-Mediennetzwerken“ zusammen zubringen, darunter CBS, NBC, CNN, Fox News und eben ABC, die das millionenschwere Interview-Angebot vorlegte. Die Medienpräsenz ist mehr als gewollt.

Sogar Briefe der heute 24-Jährigen finden ihren Weg in die Öffentlichkeit. CBS-News zitierte vergangene Woche aus einem Brief, den Amanda Knox in ihrer vierjährigen Haft in Italien geschrieben haben soll. Demnach soll ein Gefängnisangestellter die junge Frau regelmäßig terrorisiert haben. „Ein Verwaltungsangestellter ließ sie nachts in sein Büro bringen und sagte ihr eine Reihe unangemessener Dinge, die sie in Angst und Schrecken versetzten“, sagte der Reporter der Sendung „48 Hours Mystery“. So soll man ihr nach ihrer Inhaftierung erzählt haben, sie sei HIV positiv. In ihr Tagebuch schrieb sie daraufhin: „Bitte, oh bitte. Lass es nicht wahr sein. Ich will nicht sterben”, wie das Blog Hollywoodlife zu vermelden weiß.

Bei all dieser Medienpräsenz schert es kaum jemanden, dass eine weitere Familie ebenfalls kaum zu glauben vermag, wie dieser ganze Rummel um Amanda Know wahr sein kann. Die Angehörigen von Meredith Kercher sind noch immer fest davon überzeugt, dass Amanda Knox an ihrer Ermordung maßgeblich beteiligt war. Sie wollen Amanda Knox zivilrechtlich verklagen. Es geht um acht Millionen Pfund, die hätten sie nach dem ursprünglichen Urteil von den Schuldigen erhalten.