Reemtsma-Entführer

Drach bot Richterin 450.000 Dollar für Entlassung

Neue Vorwürfe gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach: Angeblich wollte er sich aus dem Gefängnis freikaufen – und suchte einen Killer für seine Komplizen.

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach hat sich vor dem Hamburger Landgericht zum Lösegeld geäußert. Er habe seinem jüngeren Bruder fünf bis sechs Millionen Schweizer Franken gegeben, die er waschen sollte, sagte Drach.

Auf die Frage, ob noch Geld da sei, erklärte der Angeklagte: "Weiß ich auch nicht." Sein Bruder habe das Geld in Wertpapiere investieren sollen: "Wer das Geld im Endeffekt bekommen hat, weiß ich nicht."

Bei der Anhörung nach zwei Dritteln seiner Haftzeit im August 2007 hat Drach nach Angaben der Vorsitzenden Richterin Ulrike Taeubner 450.000 Dollar geboten, um vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Diese Summe habe Drach als "Wiedergutmachung" zahlen wollen. Drach habe bei der Anhörung angegeben, er habe Zugriff auf dieses Geld. Jetzt erklärte Drach dagegen, das Geld nicht mehr zu haben.

Lösegeld ist verschwunden

Seit der Entführung des Hamburger Sozialforschers Jan Philipp Reemtsma im Jahr 1996 ist der Großteil des Millionen-Lösegeldes nicht wieder aufgetaucht. Die Vermutungen, er habe ein Bankschließfach in Spanien, bezeichnete Drach als "Spinnereien". "Ich habe kein Konto in Spanien, das wäre mittlerweile ja wohl aufgedeckt worden."

Sein Bruder sei sein "Angestellter", den er mit der Geldwäsche beauftragt habe. Er habe dafür 100.000 Dollar im Jahr als Gehalt bekommen.

Der 51 Jahre alte Drach muss sich wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung vor dem Landgericht verantworten. Er soll versucht haben, einen Freund mit zwei Briefen dazu zu bringen, seinen jüngeren Bruder um Millionen zu erpressen.

Außerdem soll er nach dem Auftakt des neuen Prozesses gegen ihn Vollzugsbeamte bedroht haben. "Ich werde nächstes Jahr einen Beamten bestrafen für die Sache mit der Schlafbrille", zitierte die Vorsitzende Richterin Ulrike Taeubner aus einer Gesprächsnotiz. "Ich besorge mir eine Kalaschnikow, und dann wird Hamburg schon sehen."

Drach soll Killer gesucht haben

Ein Mitgefangener behauptet zudem, Drach habe ihn damit beauftragt, einen seiner früheren Komplizen zu töten. Das habe der damalige Mitgefangene, ein verurteilter Mörder, nach seiner Entlassung dem Landeskriminalamt in Hamburg gesagt, erklärte ein LKA-Beamter als Zeuge vor Gericht.

Drach habe dem Mann dafür 200.000 Euro versprochen – und mit einem sorgenfreien Leben in Argentinien gelockt. "Er fand es ein gutes Angebot, hat dann aber davon Abstand genommen", berichtete der Beamte. Das Angebot soll Drach dem Mithäftling in den Jahren 2000 oder 2001 gemacht haben – weil er sauer gewesen sei, dass der frühere Komplize gegen ihn ausgesagt habe. Erst 2009 habe der Mann beim LKA seine Aussage gemacht.

Drach wies die Vorwürfe zurück: "Ich kenn den Typ überhaupt nicht." Das sei eine "Schwachsinns-Idee".