Despoten-Geburtstag

MDR-Ballett spendet Gage für Kadyrow-Auftritt

Menschenrechtler machen den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für schwerste Verbrechen verantwortlich. Trotzdem sind sechs Mitglieder des MDR-Fernsehballetts bei den Feierlichkeiten zu Kadyrows 35. Geburtstag aufgetreten. Jetzt soll die Gage gespendet werden.

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Nach dem umstrittenen Auftritt von Mitgliedern des MDR-Fernsehballetts in Tschetschenien soll die Gage zur Wiedergutmachung gespendet werden. Im MDR-Rundfunkrat fand am Montag ein Vorschlag von Noch-Intendant Udo Reiter einmütige Unterstützung, wonach das Honorar an die Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“ fließen soll, teilte der Sender in Leipzig mit.

Reiter hatte vor dem im thüringischen Friedrichroda tagenden Gremium gesagt, der Auftritt sei nicht zu entschuldigen und wirke sich nachteilig auf das Ballett, seine Gesellschafter und den MDR aus. Mehrere Tänzer des Fernsehballetts traten am 5. Oktober in Grosny auf der Geburtstagsfeier des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow auf. Dieser steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen international stark in der Kritik.

Ähnlich wie Reiter äußerte sich auch der Rundfunkratsvorsitzende Johannes Jenichen. „Der Imageschaden, den der MDR durch den Auftritt erlitten hat, ist zwar nicht aus der Welt zu schaffen“. Die Überlassung der Gage sei aber ein deutliches Zeichen, „dass die richtigen Konsequenzen aus der Verfehlung gezogen werden“, erklärte der evangelische Pfarrer. Nach MDR-Angaben war die Veranstaltung, in der auch andere Künstler auftraten, als Einweihung eines Gebäudes angekündigt gewesen.

Die sechs Mitglieder des Balletts seien für ein marktübliches Honorar im vierstelligen Bereich gebucht worden. Der MDR ist über seine Drefa Media Holding mittelbar zu 40 Prozent an dem in Berlin ansässigen Deutschen Fernsehballett beteiligt. Bei der für Dienstag angesetzten Gesellschafterversammlung des Balletts, soll nun auf die Spende des Honorars an „Reporter ohne Grenzen“ hingewirkt werden. Der Rundfunkrat wählte am Sonntag im zweiten Anlauf die Justiziarin des Senders, Karola Wille, zur künftigen Intendantin. Intendant Reiter ist noch bis Monatsende im Amt.