35. Geburtstag

Nachspiel für Kadyrow-Auftritt des MDR-Balletts

Menschenrechtler machen den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für schwerste Verbrechen verantwortlich. Trotzdem sind sechs Mitglieder des MDR-Fernsehballetts bei den Feierlichkeiten zu Kadyrows 35. Geburtstag aufgetreten. Jetzt droht ein Nachspiel im Bundestag.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der Mitteldeutsche Rundfunk verlangt Konsequenzen aus dem umstrittenen Auftritt des MDR-Fernsehballetts beim tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow. „Dieser Auftritt hat dem Ballett, seinen Gesellschaftern und dem MDR in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt“, erklärte der Sender am Montag in Leipzig. In einer kurzfristig anzusetzenden Gesellschafterversammlung des Fernsehballetts solle über Konsequenzen beraten werden, verlangte der MDR.

Der Auftritt wird nun wohl auch ein Nachspiel im Bundestag haben. Der Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Menschenrechte, Tom Koenigs (Grüne), kündigte in der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe) an, die Darbietungen zu Ehren des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow in dem Gremium zur Sprache zu bringen. „Die sind von allen guten Geistern verlassen“, sagte Koenigs. „Der Mitteldeutsche Rundfunk ist eine öffentliche Anstalt, die eine gewisse Verantwortung hat.“

Koenigs kündigte an, er wolle „der Sache nachgehen„: zunächst durch Anfragen im Auswärtigen Amt und dann im Ausschuss. Kadyrow sei international für Menschenrechtsverletzungen bekannt. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, forderte ebenfalls Aufklärung. Den Sender-Verantwortlichen fehle offenbar das nötige „Fingerspitzengefühl“, sagte er dem BlattMDR bedauert Auftritt von Ballettmitgliedern in Grosny

MDR bedauert Auftritt von Ballettmitgliedern in Grosny

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat unterdes den Auftritt von Mitgliedern des MDR-Fernsehballetts im tschetschenischen Grosny in einer am Montag verbreiteten Stellungnahme bedauert. Dieser Auftritt habe dem Ballett, seinen Gesellschaftern und dem MDR in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt, erklärte die Sendeanstalt in Leipzig.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass vier Tänzerinnen und zwei Tänzer des Fernsehballetts am 5. Oktober auf der Geburtstagsfeier des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow aufgetreten sind. Kadyrow steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen international stark in der Kritik.

Die sechs Mitglieder des Ensembles seien von einer externen Agentur als Umrahmung für einen 20-minütigen Auftritt eines Zauberkünstlers für ein marktübliches Honorar im vierstelligen Bereich gebucht worden, erklärte der MDR. Die Veranstaltung sei als Einweihung eines Gebäudekomplexes angekündigt worden mit international renommierten Künstlern wie der Schauspielerin Hilary Swank, dem Sänger Seal und dem Schauspieler Jean-Claude van Damme.

Der MDR sei über seine Drefa Media Holding mittelbar zu 40 Prozent an dem in Berlin ansässigen Deutschen Fernsehballett beteiligt. Management und Tänzer seien somit keine Angestellten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das Ballett mit seiner künstlerischen Leitung sei grundsätzlich frei am Markt tätig, darunter auch für Fernsehproduktionen des MDR.

Der Sender hat nach eigenen Angaben die Drefa Media Holding nun aufgefordert, den Vorfall in einer Gesellschafterversammlung zu beraten und daraus Konsequenzen zu ziehen. Dabei will der MDR darauf hinwirken, dass das Management des Fernsehballetts künftig intensiver prüft, um welche Art von Veranstaltungen es sich handelt und wer dahinter steckt, heißt es.

Menschenrechtler werfen dem 35-jährigen Kremlstatthalter Kadyrow unter anderem Folterungen, Morde, Vergewaltigungen und Verschleppung von Kritikern vor. Die Oscar-Preisträgerin Hilary Swank soll ihre Teilnahme nach Medienberichten mittlerweile bereut haben.

Menschenrechtler machen Kadyrow für schwerste Verbrechen wie Auftragsmorde, Vergewaltigungen und Verschleppungen verantwortlich. Dieser schmückt sich immer wieder mit internationalen Stars und hatte im Frühjahr unter anderem den früheren deutschen Fußball-Nationalspieler Lothar Matthäus nach Grosny geholt. Gerüchten zufolge soll der Despot auch die kolumbianische Sängerin Shakira für sein Geburtstagsfest angefragt haben - die lehnte jedoch ab. Kadyrows Sprecher hatte behauptet, dass die für ihre freizügigen Kostüme bekannte Sängerin in dem islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus auftreten werde.

Shakira ließ anschließend über ihren Twitter-Account vermelden , sie werde entgegen anderslautender Medienberichte nicht für den tschetschenischen Präsident auftreten. Mit dieser Entscheidung war bestimmt auch US-Präsident Barack Obama zufrieden. Der engagierte die Sängerin mit dem flotten Hüftschwung erst kürzlich für seine Wahlkampagne als Bildungsberaterin.