Naturkatastrophe

Über 100 Nachbeben erschüttern Osten der Türkei

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben im Osten der Türkei ist am Montagmorgen auf mehr als 200 gestiegen. Über 1000 Menschen seien verletzt worden. Retter suchten die ganze Nacht fieberhaft nach Überlebenden. Es gebe immer noch zahlreiche Vermisste. Nachbeben erschweren die Suche.

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Ministerpräsident Tayyip Erdogan machte sich bei einem Besuch im Katastrophengebiet persönlich ein Bild von der Lage.

Video: Reuters
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Die ganze Nacht hindurch haben Rettungsmannschaften nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei fieberhaft nach Überlebenden gesucht. Unter den Trümmern werden immer noch Dutzende Opfer vermutet. Die Zahl der Toten nach dem Erdstoß der Stärke 7,2 am Sonntag stieg laut Angaben des türkischen Innenministeriums auf mindestens 217. Binnen zehn Stunden gab es in der Region 100 Nachbeben, darunter eines der Stärke 6,0.

Hunderte Rettungskräfte suchten im Schein von mit Generatoren betriebenen Flutlichtern in der Nacht zum Montag nach Verschütteten. Hilfsorganisationen stellten Zelte, Lazaretts und mobile Küchen für die Opfer bereit. Viele verbrachten die Nacht aus Angst vor Nachbeben im Freien. Mit schwerem Gerät versuchten Arbeiter, die Unglücksorte von Trümmerteilen zu befreien.

Regierung befürchtet mehr Opfer

Die Rettungsarbeiten gingen am Montag weiter, besonders in Gebäuden, wo Rettungskräfte Überlebende vermuteten, sagte der türkische Innenminister Idris Naim Sahin. Allein in der Stadt Ercis seien etwa 80 mehrstöckige Häuser eingestürzt. Unter den Trümmern von etwa 40 Gebäuden gebe es immer noch Verschüttete. Die Zahl der Opfer könnte also noch erheblich ansteigen. Schätzungen wollte der Minister nicht abgeben.

In der 75.000-Einwohner-Stadt Ercis nahe der Grenze zum Iran kamen mindestens 117 Menschen ums Leben. 100 starben in der größeren, etwa 90 Kilometer südlich gelegenen Stadt Van, der Hauptstadt der vom Erdbeben am schwersten betroffenen Provinz. 740 Menschen in der Region wurden bei den Beben verletzt, dessen Ausläufer auch im Iran und Armenien zu spüren waren. Behörden warnten die Bevölkerung, sich von beschädigten Gebäuden wegen Einsturzgefahr angesichts möglicher weiterer Nachbeben fernzuhalten.

Aus einem Gefängnis in Van flohen zudem 200 Häftlinge, nachdem dort eine der Mauern zusammengebrochen war.

Auch Helfer aus Deutschland sind bereits in die Katastrophenregion entsandt worden. Am Montag schickte die Hilfsorganisation humedica ein medizinisches Ersteinsatzteam in die Osttürkei. „Für die Menschen, die jetzt noch unter den Trümmern liegen, schwinden natürlich die Überlebenschancen Stunde für Stunde“, sagte Sprecherin Ruth Bücker am Montag, bevor ein Charterflug mit dem Team und Ausrüstung an Bord am Flughafen Memmingen abhob.

„Die Temperaturen sind nachts am Gefrierpunkt. Es wird befürchtet, dass es diese Woche eventuell schneien wird. Das sind natürlich alles Dinge oder Indikatoren, die die Überlebenschancen extrem verringern“, sagte Bücker. Man werde in der Krisenregion mit den lokalen Behörden und den Hilfsorganisationen vor Ort zusammenarbeiten und die Hilfe anbieten.

Israel und Griechenland bieten Hilfe an

Einwohner von Van und Ercis versammelten sich um Lagerfeuer, während Helfer des Roten Halbmonds am Sonntagabend begannen, Zelte für die vielen Obdachlosen aufzustellen. „Wir werden im kalten Winter niemanden auf sich alleine gestellt lassen“, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend. Etliche Länder boten der Türkei Unterstützung bei den Rettungsarbeiten an. Erdogan zufolge ist das Land derzeit nicht auf Hilfe von außen angewiesen. Aserbaidschan, der Iran und Bulgarien schickten dennoch Unterstützung. Auch Israel und Griechenland boten ihre Hilfe an.

Heftige Nachbeben erschwerten die Suche nach den Verschütteten. Zehn Stunden nach dem Beben am Sonntagnachmittag hatten US-Wissenschaftler bereits über 100 Nachbeben registriert, eines davon mit einer Stärke von 6,0.

In der Türkei kommt es immer wieder zu Erdbeben, da sich dort etliche Verwerfungslinien befinden. Erst im März 2010 kamen bei Beben der Stärke 6,0 im Osten der Türkei 51 Menschen ums Leben, bei einem Beben der Stärke 6,4 starben 177 Menschen in der Stadt Bingol im Südosten des Landes. 1999 wurden bei zwei Beben im Nordwesten der Türkei 18.000 Menschen getötet.