Unfall in China

Niemand will überfahrenes Kind bemerkt haben

In China wird ein zweijähriges Kind gleich zweimal überfahren, niemand hilft. Das Video des Unfalls schockiert Millionen Menschen, das Mädchen liegt im Koma. Jetzt rechtfertigen sich die mitleidlosen Passanten.

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Ein zweijähriges Mädchen ist in China von einem Lieferwagen auf einer belebten Marktstraße angefahren worden. Weder der Fahrer des Wagens noch Passanten halfen der kleinen Yueyue, so dass sie von einem weiteren Auto erfasst wurde. Erst eine Müllsammlerin brachte das schwerstverletzte Kleinkind rund zehn Minuten nach dem zweiten Aufprall in Sicherheit und holte Hilfe.

Staatlichen Medienberichten zufolge halten die behandelnden Ärzte eine Genesung von Yueyue für unwahrscheinlich. Das Mädchen wird zurzeit in einem Militärhospital in der Stadt Guangzouh behandelt, es liegt mit Hirnschwellungen im Koma. Die Ärzte bezweifeln, dass die Zweijährige das Bewusstsein wiedererlangt. Yueyue habe keine Augenreflexe mehr und es gebe auch keine Hirntätigkeit, berichtete die chinesische Zeitung Shanghai Daily News (engl.) .

Der Unfall hatte sich vergangenen Donnerstag in der südchinesischen Stadt Foshan ereignet. Bilder einer Überwachungskamera, die sowohl den Unfall als auch das mitleidlose Verhalten der Passanten aufgezeichnet hatte, wurden dem chinesischen Sender TVS zugespielt. Dieser strahlte das schockierende Video als erster aus, das landesweit Entsetzen auslöste . Im Internet wurde der Film aus der Überwachungskamera bei der in China äußerst beliebten Videoplattform Youku hochgeladen und seitdem millionenfach angesehen.

Rund zwanzig Passanten waren an dem blutenden Mädchen vorbei gegangen, ohne es zu beachten. Die Eltern des Kindes betreiben ein Geschäft an der belebten Straße. Sie hatten im Laden gearbeitet und nicht bemerkt, dass Yueyue das Haus allein verlasen hatte und auf die Fahrbahn gelaufen war.

Inzwischen rechtfertigten sich die Passanten, die an dem verletzten Mädchen einfach vorbeigegangen waren, im chinesischen Fernsehen für Verhalten, wie die Shanghai Daily News berichtet.

Frau schämt sich für Tatenlosigkeit

Fast alle behaupteten, sie hätten das Kind nicht bemerkt. Nur eine Frau gab zu, die reglose Yueyue gesehen, ihr aber nicht geholfen zu haben. Die Frau, die mit ihrer fünfjährigen Tochter unterwegs war, sagte, sie schäme sich sehr für ihr Verhalten. Ihre Tochter habe aber äußerst verängstigt auf das viele Blut auf der Straße reagiert, deshalb sei sie weitergegangen. Sie habe nicht gewusst, dass Yueyue überfahren worden sei, sondern geglaubt, das Kind habe sich bei einem Sturz verletzt.

Ein Ladenbesitzer, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist, sagte dem staatlichen Zentral-Fernsehen CCTV, er sei nach dem Unfall von entsetzten Kunden beschimpft worden. Er schwöre, er habe das Kind nicht bemerkt. Die Aufnahmen zeigen den Mann, wie er seinen Laden verlässt, das Mädchen scheinbar bemerkt, aber dennoch weitergeht.

Ein Mopedfahrer, der am Unfallort vorbeifuhr, sagte, er habe zwar ein Weinen gehört, aber geglaubt, es käme aus einem der umliegenden Geschäfte. Außerdem sei es zu dunkel gewesen, um etwas erkennen zu können.

Die Müllsammlerin, die Yueyue schließlich zur Hilfe kam, wurde inzwischen von der Stadtverwaltung mit 25.000 Yuan (umgerechnet rund 2850 Euro) für ihre Tat belohnt. Die 58-jährige Frau sagte, sie beabsichtige, einen Teil des Geldes für die medizinische Versorgung des Kindes zu spenden.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete indessen, die Fahrer der beiden Unfallwagen seien von der Polizei verhaftet worden. Einer der beiden Männer habe sich freiwillig gestellt.