Erdbeben in der Türkei

70 Nachbeben und bis zu 1000 Tote

Bei dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei könnten nach ersten Schätzungen bis zu 1000 Menschen umgekommen sein. In zahlreichen Orten stürzten Häuser, Telefonnetz und Stromversorgung sind ausgefallen. Helfer graben mit bloßen Händen nach Verschütteten.

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Bei dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei am Sonntag könnten nach Einschätzung von Experten bis zu 1000 Menschen ums Leben gekommen sein

Video: Reuters
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Bis zu 1000 Menschen könnten nach vorläufigen Schätzungen bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei ums Leben gekommen sein. Das Beben mit der Stärke von 7,2 traf am Sonntag die Bezirke um die Stadt Van in der gleichnamigen Provinz unweit der iranischen Grenze. Den türkischen Angaben zufolge lag das Epizentrum in dem Dorf Tabanli nördlich von Van. Das Beben habe sich in einer Tiefe von fünf Kilometern ereignet. In der mehr als 1200 Kilometer östlich von Ankara liegenden Stadt Van leben rund 380.000 Menschen.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan ist in die Region aufgebrochen – die im Laufe des Tages von mehr als 70 Nachbeben getroffen, darunter mindestens eins mit einer Stärke von 5,1. Aus aller Welt kamen Hilfsangebote, unter anderem aus Deutschland, von der Nato, den USA und Israel. Die Türkei nahm sie zunächst nicht an.

Panik in den Straßen

Das Beben löste Panik aus: Erste Fernsehbilder zeigten Bewohner, die im Chaos ihre Häuser verließen sowie mehrere mehrstöckige Gebäude, die durch das Beben beschädigt worden und zusammengestürzt waren. In Van gruben Rettungskräfte und Bewohner zum Teil mit bloßen Händen in den Trümmern nach Verschütteten.

Der Bürgermeister von Van, Bekir Kaya, sagte dem Fernsehsender NTV, das Telefonnetz sei zusammengebrochen, weshalb niemand erreicht werden könne. Auch die Stromversorgung soll ausgefallen sein. Der Flughafen von Van wurde beschädigt, Flüge werden deshalb umgeleitet.

Es würden Rettungsteams und Zelte benötigt, sagte Zulfukar Arapoglu, Bürgermeister der schwer getroffenen Kleinstadt Ercis, dem Nachrichtensender NTV. „Wir warten auf Hilfe, es ist dringend. Viele Gebäude sind eingestürzt, viele Menschen wurden getötet, aber wir kennen die genaue Zahl nicht.“

Nach einem Bericht von CNN Türk wurde ein Krankenhaus in der Stadt Ercis so stark beschädigt, dass die Verletzten zum Teil im Garten behandelt werden mussten. Der Strom komme von Notgeneratoren. „Es dürften mehr als 100 Leichen neben dem Krankenhaus liegen“, sagte eine Krankenschwester dem Sender. „Wir haben sie dort gelassen, weil es dunkel ist und wir nicht auf die Leichen treten wollen.“ Der Nachrichtenagentur Cihan zufolge stürzten allein in Ercis etwa 80 Gebäude ein. Ercis ist eine Kreisstadt in der Provinz Van mit 75.000 Einwohnern. Sie liegt auf einer Verwerfungslinie, die ihren Namen trägt.

Auch in der Provinzhauptstadt Van sind Gebäude eingestürzt, sagte Bürgermeister Kaya. In Van gruben die Helfer nach Anbruch der Dunkelheit unter dem Licht von Scheinwerfern, die ebenfalls von Generatoren gespeist wurden. „Wir haben Rufe und Stöhnen von unter den Trümmern gehört“, sagte ein Bewohner vor einem eingestürzten Gebäude. An einer Stelle wurden drei Jugendliche unter dem Schutt vermutet. Die Polizei versuchte Schaulustige von dem Ort fernzuhalten. In der Nähe saß ein sichtlich erschöpfter Helfer und weinte.

Die Menschen sind in Todesangst

Schwere Schäden wurden auch aus der Umgebung von Ercis gemeldet. In Celebibag seien viele Menschen unter Trümmern verschüttet, sagte der Bürgermeister des Ortes, Veysel Keser, NTV. „Menschen sind in Todesangst, wir können ihre Hilferufe hören.“ Es sei eine große Katastrophe: Häuser, Schülerheime, Hotels und Tankstellen seien zerstört. Auch in dem Ort Bitlis brachen Häuser zusammen.Ein achtjähriges Mädchen kam ums Leben, teilten Behördensprecher mit.

Bis zum Abend wurden der Regierungspartei AKP zufolge 70 Tote bestätigt. Die Zahl werde noch steigen, sagte der Vizevorsitzende Huseyin Celik. „Wir schätzen, dass etwa 1000 Gebäude beschädigt wurden“, sagte der Leiter der türkischen Erdbebenwarte Kandilli, Mustafa Erdik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und andere Staats- und Regierungschefs sprachen der Türkei ihre Anteilnahme aus. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, die Regierung in Ankara habe ein Hilfsangebot seines Landes zurückgewiesen. Dazu sagte ein Vertreter des türkischen Außenministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte, bislang sei kein Angebot angenommen worden. Israel habe die gleiche Antwort erhalten wie Dutzende andere Staaten auch. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei hatten sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert.

Die Türkei wird immer wieder von schweren Erdstößen heimgesucht. Bei zwei großen Erdstößen 1999 wurden mehr als 20.000 Menschen im Nordwesten des Landes getötet. In der Provinz Van starben im Jahr 1976 mehr als 5200 Menschen bei einem Beben.