Türkei

Erdbeben-Experte rechnet mit 1000 Toten

Bei dem schweren Erdbeben in der Türkei sind nach vorläufigen Einschätzungen Hunderte von Menschen ums Leben gekommen. Häuser stürzten ein, Panik brach aus, viele Menschen wurden verschüttet. Es gibt keinen Strom, auch das Telefonnetz ist zusammengebrochen.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Bei dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei am Sonntag könnten nach Einschätzung von Experten bis zu 1000 Menschen ums Leben gekommen sein

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei am Sonntag könnten bis zu 1000 Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Einschätzung von Mustafa Gedik, Leiter des Seismologischen Instituts Kandilli, starben bei der Naturkatastrophe in der Provinz Van 500 bis 1000 Menschen. In staatlichen Medien war von vielen Verletzten die Rede. Das Beben ereignete sich gegen Mittag nahe der Stadt Van unweit zur iranischen Grenze.

Die Kandilli-Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens mit 6,6 an, die US-Behörden dagegen mit 7,6. Den türkischen Angaben zufolge lag das Epizentrum in dem Dorf Tabanli nördlich von Van. Das Beben habe sich in einer Tiefe von fünf Kilometern ereignet. Die Erschütterung war Medienberichten zufolge auch in benachbarten Provinzen sowie im Nordwesten des Iran und in Armenien zu spüren.

Panik nach dem Beben

Die türkische Katastrophenschutzbehörde teilte zunächst lediglich mit, es habe Tote und Verletzte gegeben, nannte aber keine konkreten Zahlen. Mindestens 50 Menschen seien ins Krankenhaus von Van gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. In der mehr als 1200 Kilometer östlich von Ankara liegenden Stadt Van leben rund 380.000 Menschen.

Das Beben löste Panik aus: Erste Fernsehbilder zeigten Bewohner, die im Chaos ihre Häuser verließen sowie mindestens zwei mehrstöckige Häuser, die durch das Beben beschädigt wurden. Der stellvertretende Ministerpräsident Besir Atalay teilte mit, in Ercis seien 35 bis 30 Gebäude eingestürzt, darunter ein Schülerheim. In Van seien zehn Häuser eingestürzt. Der Fernsehsender NTV berichtete, auch der Flughafen von Van sei beschädigt worden und Flüge würden deshalb umgeleitet. Viele Menschen wurden Medienberichten zufolge verschüttet.

„Wir warten auf Hilfe, es ist dringend“

Der Bürgermeister von Van, Bekir Kaya, sagte im Fernsehsender NTV, das Telefonnetz sei zusammengebrochen, weshalb niemand erreicht werden könne. Auch die Stromversorgung ist laut Berichten unterbrochen. Laut Anadolu hielten die Nachbeben an. Ein Bürgermeister aus der Unglücksregion berichtete: „Viele Gebäude sind eingestürzt, viele Menschen wurden getötet, aber wir kennen die genaue Zahl nicht.“ Es würden Rettungsteams und Zelte benötigt, sagte Zulfukar Arapoglu, Bürgermeister des schwer getroffenen Bezirks Ercis, dem Nachrichtensender NTV. „Wir warten auf Hilfe, es ist dringend.“ Vor Ort gebe nur ein Krankenhaus.

Der rote Halbmond mobilisierte Helfer und wollte Zelte ins Krisengebiet bringen. „Es ist ein starkes Erdbeben, das schwere Verwüstungen anrichten kann“, sagte der Präsident der Organisation, Lütfi Akan. Auch die Armee sollte für die Rettungsarbeiten herangezogen werden. Es wurde erwartet, dass der Einbruch der Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt den Hilfseinsatz stark behindern würde. Medienberichten zufolge soll auch der Flughafen von Van beschädigt worden sein, die örtlichen Behörden dementierten dies jedoch.

Deutschland bietet Hilfe an

Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan sagte alle seine Termine ab und wollte sich laut NTV noch am Sonntag ins Erdbebengebiet begeben. Er sollte von mehreren Ministern begleitet werden. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bt der Türkei Hilfe an. „Ich möchte der türkischen Regierung, dem türkischen Volk und besonders den Menschen in der betroffenen Region Van unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen“, sagte Westerwelle.

In der Türkei sind Erdbeben keine Seltenheit, da das Land auf mehreren Verwerfungslinien liegt. 1999 kamen bei zwei starken Erdbeben im dicht besiedelten Nordwesten der Türkei rund 20.000 Menschen ums Leben. In der Provinz Kutahya starben 1970 mehr als tausend Menschen durch ein Erdbeben.