Gericht in Paris

Deutscher im Fall Kalinka zu 15 Jahren Haft verurteilt

Der Fall Kalinka beschäftigt die Justiz seit knapp 30 Jahren – nun ist das Urteil gefallen. Der Ex-Arzt Dieter K. muss jetzt ins Gefängnis.

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Der deutsche Arzt Dieter K. ist in Paris wegen des Todes seiner 14-jährigen Stieftochter Kalinka Bamberski vor fast 30 Jahren zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem soll er insgesamt 400 000 Euro an Hinterbliebene zahlen. Als erschwerende Umstände sah das Gericht die Minderjährigkeit von Kalinka und ihr Abhängigkeitsverhältnis zu Dieter K. an.

Ein Geschworenengericht befand den 76-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig. Seine Anwälte kündigten umgehend Berufung an. „Ein Unschuldiger hat 15 Jahre bekommen, ohne dass er verstanden hat, was ihm vorgeworfen wird“, sagte K.'s Anwalt Yves Levano. Das Gericht gab Dieter K. für die Berufung zehn Tage Zeit.

Zuvor hatte K. zum Ende des Prozesses seine Unschuld erklärt: „Ich schwöre dem Gericht und Frau Gonnin, dass ich Kalinka niemals etwas angetan habe“, sagte er mit bebender Stimme. Danielle Gonnin ist Kalinkas Mutter und die Exfrau des Angeklagten.

Staatsanwalt Pierre Kramer hatte 15 Jahre Haft für den deutschen Arzt gefordert. Er warf dem Angeklagten „bewusste Gewaltanwendung vor, die zum Tode führte“. Die Verteidigung forderte einen Freispruch für den Arzt, der aus dem Kreis Lindau am Bodensee stammt.

Kalinka war im Juli 1982 tot in ihrem Bett im Haus von K. am Bodensee entdeckt worden. Sie hatte mit ihrer Mutter bei ihm gelebt. Das Mädchen war an Erbrochenem erstickt und hatte mehrere Einstiche am Arm.

Kalinkas leiblicher Vater André Bamberski, der seit ihrem Tod für eine Verurteilung K.'s kämpft, ist überzeugt, dass der Angeklagte das Mädchen im Sommer 1982 mit einer Spritze betäubte, dann vergewaltigte und tötete. Nachdem in Deutschland ein Ermittlungsverfahren gegen Dieter K. eingestellt worden war und die Bundesrepublik den Arzt nicht an Frankreich auslieferte, hatte Bamberski den Arzt 2009 nach Frankreich entführt.

Bamberski äußerte sich auch am Samstag enttäuscht, dass der Angeklagte zu einer geringeren Tat als Mord verurteilt werden solle. Sein Anwalt betonte, dass die Strafe weniger wichtig sei als die Feststellung der Schuld des Angeklagten. Der 74-Jährige ist überzeugt, dass der Angeklagte das Mädchen mit der Spritze tötete und vorher vergewaltigte.

In dem dreiwöchigen Prozess waren mehrere Frauen aufgetreten, die von sexueller Gewalt durch den Arzt berichteten. In Deutschland war er 1997 wegen der Vergewaltigung einer 16-Jährigen, die er vorher betäubt hatte, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. „1997 hat nichts mit 1982 zu tun“, sagte K.'s Anwalt Philippe Ohayon dagegen in seinem Schlussplädoyer.