Unfall in China

Überfahrenes Kind, dem niemand half, ist tot

In China wird ein zweijähriges Kind gleich zweimal überfahren, niemand hilft. Das Video des Unfalls schockierte Millionen Menschen weltweit. Jetzt ist das kleine Mädchen an seinen schweren Verletzungen gestorben.

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Yueyue, das zwei Jahre alte Mädchen, das am Donnerstag vor einer Woche überfahren und anschließend hilflos auf einer Straße in der chinesischen Stadt Foshan liegengelassen wurde, ist an seinen schweren Verletzungen gestorben. Das berichtet die chinesische Zeitung Shanghai Daily unter Berufung auf das Militärhospital der Stadt Guangzouh, in dem das Kind behandelt wurde.

Der Unfall schockierte Menschen weltweit, da weder der Fahrer des ersten Unfallwagens noch Passanten der kleinen Yueyue halfen, so dass sie von einem weiteren Auto erfasst wurde. Erst eine Müllsammlerin brachte das schwerstverletzte Kleinkind rund zehn Minuten nach dem zweiten Aufprall in Sicherheit und holte Hilfe.

Rund zwanzig Passanten waren an dem blutenden Mädchen vorbei gegangen, ohne es zu beachten. Die Eltern des Kindes betreiben ein Geschäft an der belebten Straße. Sie hatten im Laden gearbeitet und nicht bemerkt, dass Yueyue das Haus allein verlasen hatte und auf die Fahrbahn gelaufen war.

Bilder einer Überwachungskamera, die sowohl den Unfall als auch das mitleidlose Verhalten der Passanten aufgezeichnet hatte, wurden dem chinesischen Sender TVS zugespielt. Dieser strahlte das schockierende Video als erster aus, das landesweit Entsetzen auslöste . Im Internet wurde der Film aus der Überwachungskamera bei der in China äußerst beliebten Videoplattform Youku hochgeladen und seitdem millionenfach angesehen.

Das Militärkrankenhaus in Guangzhou teilte derweil mit, die kleine Yueyue sei am Freitag um 0:32 Uhr gestorben. Staatlichen Medienberichten zufolge hatten die behandelnden Ärzte eine Genesung von Yueyue zuvor bereits als unwahrscheinlich eingestuft. Yueyue zeigte keine Augenreflexe mehr, auch konnte keine Hirntätigkeit mehr festgestellt werden, berichtete die chinesische Zeitung Shanghai Daily News.

Der Unfall und die Herzlosigkeit der Passanten entfachten in China eine Diskussion um die Moralität der Landsleute von Yueyue. Fast alle vorbeigehenden Augenzeugen behaupteten, sie hätten das Kind nicht bemerkt. Nur eine Frau gab zu, die reglose Yueyue gesehen, ihr aber nicht geholfen zu haben. Die Frau, die mit ihrer fünfjährigen Tochter unterwegs war, sagte, sie schäme sich sehr für ihr Verhalten. Ihre Tochter habe aber äußerst verängstigt auf das viele Blut auf der Straße reagiert, deshalb sei sie weitergegangen. Sie habe nicht gewusst, dass Yueyue überfahren worden sei, sondern geglaubt, das Kind habe sich bei einem Sturz verletzt.

Ein Ladenbesitzer, der ebenfalls in dem Video zu sehen ist, sagte dem staatlichen Zentral-Fernsehen CCTV, er sei nach dem Unfall von entsetzten Kunden beschimpft worden. Er schwöre, er habe das Kind nicht bemerkt. Die Aufnahmen zeigen den Mann, wie er seinen Laden verlässt, das Mädchen scheinbar bemerkt, aber dennoch weitergeht.

Ein Motorradfahrer, der am Unfallort vorbeifuhr, sagte, er habe zwar ein Weinen gehört, aber geglaubt, es käme aus einem der umliegenden Geschäfte. Außerdem sei es zu dunkel gewesen, um etwas erkennen zu können. Auch er hielt, schaute auf Yueyue hinunter und fuhr anschließend weiter.

Die Müllsammlerin, die Yueyue schließlich zur Hilfe kam, wurde inzwischen von der Stadtverwaltung mit 25.000 Yuan (umgerechnet rund 2850 Euro) für ihre Tat belohnt. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete indessen, die Fahrer der beiden Unfallwagen seien inzwischen von der Polizei verhaftet worden. Einer der beiden Männer habe sich freiwillig gestellt.