Gegenüberstellung

Strauss-Kahn trifft sein mutmaßliches Opfer

Auch nach der Gegenüberstellung blieben der zurückgetretene IWF-Chef und sein mutmaßliches Opfer bei ihren Versionen. Tristane Banon, die Dominique Strauss-Kahn der Vergewaltigung beschuldigt, hatte zuvor verkündet: "Er soll mir ins Gesicht sagen, dass ich lüge".

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Der zurückgetretene IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat sich am Donnerstag erstmals vor der Pariser Polizei mit einem mutmaßlichen Opfer auseinandersetzen müssen. Der 62-Jährige und die 30 Jahre jüngere Schriftstellerin Tristane Banon blieben dabei nach Angaben von Strauss-Kahns Anwalt bei ihrer jeweiligen Version einer Begegnung aus dem Jahr 2003, bei der „DSK“ laut Banon versucht haben soll, sie zu vergewaltigen.

Nach der Gegenüberstellung, die rund zweieinhalb Stunden dauerte, verschwanden beide Beteiligten ohne Kommentar. Später sagte Strauss-Kahns Anwalt Henri Leclerc, der bei der Begegnung nicht dabei war, beide Seiten seien bei ihrer Schilderung geblieben. Auf die Frage, ob sein Mandant möglicherweise Reue gezeigt habe, antwortete Leclerc: „Es gibt keinen Grund, sich zu entschuldigen.“ Banon gab zunächst keinen Kommentar ab, die Autorin wollte sich aber in den Hauptabendnachrichten im Fernsehen äußern.

Banon beschuldigt „DSK“, 2003 bei einem Interview über sie hergefallen zu sein „wie ein brünftiger Schimpanse“. Der frühere IWF-Chef wies die Schilderung zurück und erstattete Anzeige gegen Banon wegen Verleumdung. Bei einer Vernehmung vor gut zwei Wochen gab der 62-Jährige nach Angaben der Ermittler eine „Annäherung“ zu, allerdings ohne Gewaltanwendung.

Banon hatte die Begegnung mit Strauss-Kahn gefordert. „Ich möchte, dass er mir gegenübersteht und mir ins Gesicht sagt, dass das erfundene Taten sind“, sagte die Autorin vergangene Woche. Am Rande einer Sympathiekundgebung gestand sie am Wochenende, dass sie Angst vor der Gegenüberstellung habe: „Natürlich werde ich in der Nacht davor nicht schlafen.“ Strauss-Kahn hatte der jungen Frau in seinem ersten Fernsehinterview vor zehn Tagen vorgeworfen, eine „eingebildete Version“ der Ereignisse geliefert zu haben.

Die Polizei, die vor der Gegenüberstellung bereits mehr als zwanzig Zeugen befragte, muss nun die Ergebnisse ihrer Vorermittlungen in einem Bericht zusammenfassen. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob ein formelles Ermittlungsverfahren aufgenommen oder ob der Fall zu den Akten gelegt wird. Falls es dazu kommen sollte, kündigte Banon bereits ein Zivilverfahren an.

In den USA stellte die Justiz Ende August ein Strafverfahren gegen den früheren Hoffnungsträger der französischen Sozialisten wegen versuchter Vergewaltigung ein, da es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerin, eines Zimmermädchens, gab. Das Zivilverfahren läuft allerdings noch. Strauss-Kahn hatte wegen der Affäre im Mai als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten müssen.