Terror in Ankara

Weitere Verdächtige nach Anschlag festgenommen

Nach der Explosion einer Autobombe in der türkischen Hauptstadt Ankara am Dienstag hat die Polizei weitere Verdächtige festgenommen. Die Ermittlungsbehörden vermuten die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK hinter der Tat.

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Nach dem tödlichen Bombenanschlag im Regierungsviertel der türkischen Hauptstadt Ankara läuft die Suche nach den Tätern. Die Polizei habe nach der Explosion insgesamt drei Verdächtige festgenommen, berichteten türkische Medien am Mittwoch. Regierungsvertreter ließen erkennen, dass sie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK hinter der Tat vermuteten. Diese allerdings bekannte sich zunächst nicht dazu.

Unterdessen gab es bei zwei mutmaßlich von der PKK verübten Angriffen im Südosten der Türkei insgesamt mindestens fünf Tote. In der Provinz Bitlis feuerten Unbekannte am Mittwoch auf eine Polizeiakademie. Ein Polizeianwärter wurde tödlich getroffen, vier wurden verletzt.

Bei einem Angriff Bewaffneter auf ein Auto in der Provinz Siirt waren am Vortag vier Frauen auf dem Weg zu einem Hochzeitsfest getötet worden. Die Angreifer hätten das Fahrzeug nahe einer Polizeistation mit einer Panzerfaust und aus Sturmgewehren beschossen. Sie hielten es offenbar für eine Zivilstreife. Bei einem folgenden Schusswechsel mit Polizisten sei ein mutmaßlicher PKK-Kämpfer getötet worden.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit Anfang der 1980er Jahre für Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat. Die Angriffe der PKK gelten vor allem dem Militär und der Polizei.

Die Hintergründe des Bombenschlags in Ankara lagen auch einen Tag nach der Tat im Dunkeln. Dabei waren drei Menschen getötet und mehrere Dutzend Personen verletzt worden. In den ersten Stunden nach der Explosion waren Zweifel an der Version eines Anschlags laut geworden, weil es auch Hinweise auf eine Gasexplosion gab. Politiker und Ermittler sprachen dann von einem Terroranschlag.

Die Explosion hatte sich an einem Ort mit hohem Verkehrsaufkommen ereignet. „Es sieht so aus, als ob beabsichtigt worden sei, so viele Menschen wie möglich in Mitleidenschaft zu ziehen“, sagte Innenminister Idris Naim Sahin kurz nach dem Anschlag. Am Tatort wurde kurze Zeit später eine Frau festgenommen, die „Lang lebe unser Kampf!“ rief, als sie von den Beamten abgeführt wurde, wie auf einem Video der Nachrichtenagentur Dogan zu sehen war.

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