Troy Davis

Zum Tode Verurteilter bietet Lügendetektortest an

Der US-Staat Georgia hat eine Aufhebung des Todesurteils gegen einen verurteilten Mörder trotz Zweifel abgewiesen. Troy Davis soll 1989 einen Polizisten erschossen haben. Nur wenige Stunden vor seiner Hinrichtung bat er nun einen Lügendetektortest an.

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In den USA soll in der Nacht zum Donnerstag die Todesstrafe gegen Troy Davis vollstreckt werden

Video: Reuters
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Wenige Stunden vor seiner geplanten Hinrichtung im US-Staat Georgia hat der als Polizistenmörder verurteilte Troy Davis einen Lügendetektortest angeboten. Seine Anwälte erklärten, ihr Mandant sei zu einem solchen Test bereit, wenn der Begnadigungsausschuss das Ergebnis berücksichtigen werde. Der Ausschuss hatte am Montag eine Begnadigung des Verurteilten abgelehnt. Das Todesurteil sollte um 19.00 Uhr (Ortszeit; Donnerstag, 01.00 Uhr MESZ) vollstreckt werden.

Davis war 1991 wegen der Ermordung des weißen Polizisten Mark McPhail zum Tode verurteilt worden. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Der Fall gilt als einer der umstrittensten Justizfälle der USA. Dessen Anwälte erklärten jedoch, ihr Mandant sei Opfer einer Verwechslung geworden. Wegen der Zweifel an seiner Schuld sprach sich neben dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, Papst Benedikt XVI. und dem südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu auch die Europäische Union gegen eine Vollstreckung aus.

Auch der Europarat und das Europaparlament haben an die USA appelliert, den 42-Jährigen am Leben zu lassen. Es gebe „ernste Zweifel“ an der Schuld des Verurteilten, gab der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, zu bedenken. Im Namen des Europarats appellierte der Norweger an die zuständigen US-Behörden, „einen Weg zu finden, um Troy Davis das Leben zu retten“.

Für die Todesstrafe gebe es keine Rechtfertigung, betonte der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek. Sie bleibe immer eine „grausame und unmenschliche“ Strafe. „Wir Europäer glauben, dass kein Grund ausreichen kann, Troy Davis zum Tode zu verurteilen.“ Der Europarat hat den Kampf gegen die Todesstrafe zu einer seiner Prioritäten erklärt. Bis auf Russland haben alle 47 Europaratsländer die Todesstrafe abgeschafft. Moskau hält aber seit seiner Aufnahme in die Länderorganisation 1996 ein Moratorium für Hinrichtungen ein.

Die Hinrichtung des 42-Jährigen per Giftspritze ist für Mittwoch (01.00 Uhr Donnerstag MESZ) im Gefängnis der Stadt Jackson im US-Bundesstaat Georgia vorgesehen. Am Dienstag hatte ein Gnadenausschuss von Georgia eine Begnadigung abgelehnt.