Terror in Ankara

Türkische Polizei nimmt Frau an Anschlagsort fest

Bei einer Explosion in der türkischen Hauptstadt Ankara sind drei Menschen getötet worden. Die Behörden gehen von einem gezielten Anschlag aus. Die türkische Polizei nahm eine Frau am Tatort fest.

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Tote nach Anschlag in Ankara

Video: Reuters
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Bei der Explosion einer Autobombe in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am Dienstag drei Menschen getötet und mindestens 34 verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Terroranschlag. Das türkische Innenministerium sagte, Zeitpunkt und Ort der Detonation legten nahe, dass so viele Menschen wie möglich verletzt werden sollten. Mehrere Autos wurden bei der Explosion nahe einer Schule in Brand gesetzt. Eine Frau wurde festgenommen.

Die Explosion habe sich an einem Ort mit hohem Verkehrsaufkommen ereignet, was die Autodichte, aber auch die Zahl der Passanten angehe, sagte Innenminister Idris Naim Sahin. „Es sieht so aus, als ob beabsichtigt worden sei, so viele Menschen wie möglich in Mitleidenschaft zu ziehen.“

Sahin erklärte, drei Leichen seien in einem Gebäude in der Nähe des Anschlagsorts entdeckt worden. Mindestens fünf der Verletzten schwebten in Lebensgefahr. Er hatte zunächst von 15 Verletzten gesprochen. Die Staatsanwaltschaft ging indes von mindestens 34 Verletzten aus.

Frau am Tatort festgenommen

Das Auto wurde vor einer Woche gekauft, aber nicht bei den Behörden registriert. Die Polizei nahm eine Frau am Tatort fest, die „Lang lebe unser Kampf!“ rief, als sie von den Beamten abgeführt wurde, wie auf einem Video der Nachrichtenagentur Dogan zu sehen war.

Vize-Ministerpräsident Bülent Arinc sagte, der Polizei lägen Informationen vor, wonach die Detonation im Innenstadtbezirk Kizilay durch eine im Auto versteckte Bombe verursacht worden sei. Zu der Tat bekannte sich niemand.

Gouverneur Alaaddin Yüksel und ein örtlicher Bürgermeister, Bülent Tanik, erklärten hingegen, einem Augenzeugen zufolge sei ein brennender Benzinkanister aus einem nahegelegenen Gebäude auf das Fahrzeug geworfen worden. „Die Kanister könnten die Explosion eines Gastanks auf dem Dach eines der Fahrzeuge ausgelöst haben“, sagte Tanik.

Mehrere Autos bei Explosionen in Brand gesetzt

Eine Verwaltungsbeamtin bei der Stadtteilbehörde sagte, sie sei nach einer ersten Explosion ins Freie gelaufen. Danach habe sie drei weitere Detonationen gehört, vermutlich von Autos, auf die das Feuer übergriffen habe. Ein anderer Augenzeuge sagte über die erste Detonation, er habe so etwas noch nie zuvor gehört. „Dann gab es eine weitere Explosion und Autoteile fielen von einem Baum.“

Eines der Fahrzeuge brannte völlig aus, vier weitere wurden beschädigt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Der Sender NTV berichtete, die Verletzten seien zunächst auf dem Schulhof versorgt und dann in Krankenhäuser eingeliefert worden. Besorgte Eltern eilten zu der Schule, um ihre Kinder abzuholen. Die Behörden evakuierten das Gebäude.

Gül: „Terror gegen die Zivilbevölkerung“

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül reagierte bestürzt auf die Explosion in Ankara. Gül, der sich auf einem mehrtägigen Staatsbesuch in Deutschland aufhält, sprach am Dienstag in Osnabrück von „Terror gegen die Zivilbevölkerung“. Er sprach den Opfern sein Mitgefühl aus.

In der Vergangenheit hatten kurdische Rebellen immer wieder Anschläge in türkischen Städten verübt. Auch islamistische und linksextremistische Terroristen bekannten sich bereits zu Bombenanschlägen in der Türkei. Zu der Tat am Dienstag bekannte sich zunächst niemand.