Abgehörte Telefonate

Berlusconi ist "in seiner Freizeit" Regierungschef

Es gibt erneut Enthüllungen aus dem Hause Berlusconi: In einem abgehörten Telefonat prahlt er damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen" geschlafen zu haben - von elf potenziellen Kandidatinnen. Und Politik mache er auch nur freizeitmäßig.

Neue peinliche Enthüllungen aus abgehörten Telefonaten haben Silvio Berlusconi weiter unter Druck gesetzt. Oppositionspolitiker forderten Aufklärung darüber, ob der italienische Ministerpräsident tatsächlich Prostituierte in Regierungsflugzeugen zu seinen Privatpartys eingeflogen habe. Die eigene Partei stärkte dem Regierungschef aber den Rücken. Berlusconi habe nicht den Wunsch, zurückzutreten, sagte dessen Parteifreund und potenzieller Nachfolger Angelino Alfano am Sonntag bei einer Kundgebung in Norditalien. Seine Partei Volk der Freiheit (PDL) unterstütze ihn weiterhin.

Den am Samstag veröffentlichten Mitschriften zufolge prahlte Berlusconi damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen“ geschlafen zu haben, als elf vor seiner Zimmertür Schlange gestanden hätten. Zudem habe er zu einer regelmäßigen Besucherin seiner Partys gesagt: „In meiner Freizeit bin ich Regierungschef.“

Die Mitschriften der Gespräche stammen aus den Ermittlungen gegen den inzwischen festgenommenen Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben soll. Sie wurden am Samstag von mehreren italienischen Zeitungen abgedruckt.

Laut „La Repubblica“ sagte Berlusconi, der in Kürze 75 Jahre alt wird, Anfang 2009 zu Tarantini über die fragliche Nacht: „Ich habe es nur mit acht (von elf Frauen) getrieben, weil ich nicht mehr konnte. (...) Du kannst es nicht mit allen treiben.“ Am nächsten Morgen habe er sich gut gefühlt und sei zufrieden gewesen.

Härtere Passagen laut Zeitung ausgelassen

Die Zeitung „Corriere della Sera“ druckte vier volle Seiten der Abschriften des Telefongesprächs ab. Die härteren und vulgäreren Passagen seien allerdings ausgelassen worden, schrieb das Blatt. Die Zeitung zitiert unter anderem aus einem Telefongespräch zwischen Berlusconi und Tarantini, in dem die beiden angeblich vereinbaren, dass der Geschäftsmann und mehrere der Frauen in Berlusconis Maschine von Rom nach Mailand mitfliegen könnten.

In einem Gespräch habe Berlusconi damit angegeben, dass bei einer seiner Partys zwei wichtige Fernsehmanager zu Gast seien. „Dann bekommen die Mädchen eine Vorstellung davon, dass sie zwei Männer vor sich haben, die über ihr Schicksal entscheiden können“, sagte Berlusconi laut Mitschrift. Er nannte die Manager „zwei kleine alte Männer, die aber viel Macht haben“. Eine Journalistin und eine weitere Fernsehmitarbeiterin bezeichnet er als „zwei kleine Mädchen“.

Fini deutet Rücktrittsforderung an

Leoluca Orlando von der oppositionellen Partei Italia dei Valori (Italien der Werte) forderte Aufklärung darüber, ob Steuergelder für den Transport von Prostituierten verwendet wurden. Seine Partei habe das Büro des Ministerpräsidenten aufgefordert, eine dringliche Untersuchung des Falles durchzuführen, sagte Orlando.

Der Präsident der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini deutete an, dass es Zeit für einen Rücktritt Berlusconis sei. „Niemand versteht, warum der Ministerpräsident einen Großteil seiner Zeit Fragen widmet, die nicht mit dem Kampf gegen die Wirtschaftskrise und mit der Wiederbelebung der Wirtschaft zu tun haben“, sagte der frühere Verbündete Berlusconis am Samstag während einer Kundgebung in der Nähe von Mailand vor Journalisten.

Vorwurf der Erpressung gegen Tarantini

Tarantini und seine Ehefrau Angela Devenuto wurden Anfang des Monats in Rom festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Berlusconi im Zusammenhang mit den Sex-Gerüchten erpresst zu haben.

In Bari wurde bereits zuvor wegen Förderung der Prostitution gegen Tarantini ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Neapel geht davon aus, dass der Geschäftsmann Berlusconi gedrängt hat, für die Anwalts- und Unterbringungskosten seiner Familie aufzukommen. Im Gegenzug habe er zugesagt, den Ministerpräsidenten aus den Ermittlungen in Bari herauszuhalten. Berlusconi erklärte allerdings, er habe nur einer Familie in Not helfen wollen.