"MS Nordly"

Brennendes Kreuzfahrtschiff droht zu kentern

Das in Brand geratene norwegische Kreuzfahrtschiff "MS Nordly" droht zu kentern. Zwar versuchen Rettungsmannschaften, Wasser aus dem Schiff zu pumpen, doch die Situation ist mit mehr als 20 Grad Schlagseite bereits kritisch. Bei dem Brand kamen am Donnerstag zwei Menschen ums Leben.

Das in Brand geratene norwegische Kreuzfahrtschiff „MS Nordlys“ droht zu kentern. Rettungsmannschaften pumpten am Freitag Wasser aus dem Rumpf des Schiffes. Polizeichef Jon Steven Hasseldal sagte, die Schlagseite des Schiffes betrage derzeit 21,7 Grad. Eine Neigung von 20 Grad gilt schon als kritisch. Sie hielten es aber für sicher genug, ein Team auf das Schiff zu lassen, um im Inneren eine Pumpe zu platzieren, sagte Hasseldal.

Bei dem Brand auf dem Schiff der Hurtigruten-Linie waren am Donnerstag zwei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden. Von den Verletzten hätten zwei schwere Verbrennungen und einer Rauchvergiftung erlitten, teilte die Polizei mit. Bei allen Opfern handele es sich um Mitglieder der Besatzung.

Alle 207 Passagiere und weitere 55 Mannschaftsangehörige seien sicher von Bord gebracht worden, sagte der amtierende Polizeichef des Bezirks Sunnmoere, Yngve Skovly. Behördenangaben zufolge brach das Feuer an Bord der „Nordlys“ gegen 09.00 Uhr kurz vor der Ankunft in Aalesund im Maschinenraum des Schiffs aus. Teile des Hafens wurden wegen der starken Rauchentwicklung von der Polizei abgesperrt. Ersten Ermittlungen zufolge habe eine Explosion den Brand ausgelöst, sagte Polizeichef Skovly.

106 der 262 Menschen an Bord verließen das Schiff noch vor dem Anlegen im Hafen per Rettungsboot, wie die Polizei mitteilte. Die übrigen Passagiere und Teile der Besatzung gingen im Hafen von Bord. Ein anderer Teil der Besatzung half bei der Bekämpfung des Feuers. Aalesund liegt rund 375 Kilometer nordwestlich von Oslo.

Der Chef der Feuerwehr von Aalesund, Geir Thorsen, sagte am Donnerstagnachmittag, das Feier sei nun unter Kontrolle. Das Schiff laufe jedoch langsam voll und habe bereits zehn Grad Schlagseite. „Die größte Herausforderung ist nun die Stabilität des Schiffs“, sagte Thorsen.

Feuer war „heftig und intensiv“

Zwei auf Löscheinsätze in Gewässern spezialisierte Einheiten seien im Einsatz gewesen. Thorsen beschrieb das Feuer als „heftig und intensiv“. Berichte, nach denen das Sprinklersystem an Bord der „Nordlys“ nicht funktioniert habe, bestätigte der Feuerwehrchef nicht. Während des Brandes sei jedoch die Elektrik ausgefallen. „Es gibt keine Hinweise, dass das Feuer sich in andere Räume des Schiffs ausgebreitet hat“, sagte Thorsen.

Die „Nordlys“ war für die Hurtigruten-Linie auf der beliebten Kreuzfahrtroute von Bergen nach Kirkenes unterwegs. Sie führt rund 2.500 Kilometer entlang der norwegischen Küste nach Norden, weit jenseits des Polarkreises. An Bord solcher Schiffe befinden sich in der Regel sowohl Touristen als auch Einheimische.

„Wir sind an Deck geschickt worden und es wurden Rettungswesten verteilt“, zitierte die norwegische Tageszeitung „Aftenposten“ die französische Touristin Danielle Passebois-Paya. Bereits wenige Minuten nach dem Alarm sei sie in ein Rettungsboot gesetzt worden.

„Es war eine gut organisierte Evakuierung“, sagte Passebois-Paya. „Die Besatzung hat gute Arbeit geleistet. Alles war ruhig und ging glatt. Es gab keine Panik.“