+++ Live-Ticker Japan +++

Polizei rechnet allein in Myagi mit 15.000 Toten

Japan in Atom-Angst. Während die Arbeiter in Fukushima ihr Leben riskieren, steigt die Zahl der Erdbebenopfer stündlich. Alle Infos im Live-Ticker.

+++ 03:34 Uhr +++

Die Polizei rechnet allein in der Präfektur Miyagi mit mehr als 15.000 Toten durch das verheerende Erdbeben und den Tsunami, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet. Die bestätigte Zahl der Todesopfer wird derzeit mit knapp 7000 angegeben. 10.700 Menschen werden vermisst.

+++ 02:08 Uhr +++

Die Temperaturen in den Reaktorblöcken 5 und 6 sind offenbar fast wieder auf normalem Niveau. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima, Tepco.

+++ 21:40 Uhr +++

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sieht Fortschritte in Japan im Kampf gegen eine Ausweitung der Atomkatastrophe, aber keinesfalls Grund zur Entwarnung. Sein Eindruck sei, dass Japan seine Anstrengungen zur Stabilisierung der Reaktoren und Überwindung der Krise verstärke, sagte der IAEA-Chef Yukiha Amano nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Japan .

+++ 20:38 Uhr +++

Im Krisen-Atomkraftwerk Fukushima Eins soll am Sonntag einer der schwer beschädigten Reaktoren wieder mit Strom versorgt werden.

+++ 18:11 Uhr +++

Angesichts erwarteter Regenfälle mit einer möglichen Belastung durch radioaktive Partikel hat die japanische Atomenergiekommission die Bevölkerung der Krisenregion aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Das teilte das Büro des Ministerpräsidenten mit. Im Nordosten des Landes werden für Sonntag und Montag Niederschläge erwartet. Nach Angaben der Behörde besteht keine Gesundheitsgefahr, selbst wenn Menschen dem Regen ausgesetzt seien. Dennoch wurde die Bevölkerung aufgerufen, nur in Notfällen bei Regen das Haus zu verlassen und Haare und Haut zu bedecken.

+++ 17:29 Uhr +++

Bei den verzweifelten Rettungsarbeiten am schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben sechs Arbeiter zu viel radioaktive Strahlung abbekommen. Bei den Männern wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag mit Verweis auf den Kraftwerksbetreiber Tepco mitteilte. Welche Aufgaben die Arbeiter hatten, teilte Tepco nicht mit.

+++ 16:24 Uhr +++

Der IAEA zufolge haben die japanischen Behörden Löcher in die Reaktorblöcke 5 und 6 geschnitten, um eine Wasserstoff-Explosion zu verhindern. Es ist demnach unklar, ob die Wasserpumpen im Kernkraftwerk funktionieren werden, wenn erstmal der Strom wieder angeschlossen ist.

+++ 13:29 Uhr +++

Im Trinkwasser von Tokio sind Spuren von radioaktivem Jod aufgetaucht. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf die japanische Regierung. Auch in der Provinz Gunma seien „sehr geringe Mengen von radioaktivem Material“ im Trinkwasser gefunden worden, schreibt die Agentur Jiji Press. Die Präfektur grenzt an die Provinz Fukushima, in der Kernreaktoren außer Kontrolle geraten sind. Die radioaktive Strahlung in Trinkwasserproben von Gunma sei weit unter den japanischen Grenzwerten, teilte die Provinzregierung von Gunma mit. Es sei kein Problem, das Wasser zu trinken, schrieb Jiji Press. Die Radioaktivität „könnte“ vom Unfall in der Nachbarprovinz Fukushima stammen, mutmaßte die Agentur. Die Proben von Gunma enthielten demnach 2,5 Becquerel pro Kilogramm Iod 131, 0,22 Bq Caesium-137 und 0,16 Kilogramm-134. Für das belastete Wasser in Tokio gab es zunächst keine Angaben. Zum Vergleich: Die deutschen Grenzwerte für Milch und Säuglingsnahrung liegen deutlich höher – bei 370 Becquerel (Cäsium 134/137) pro Liter.

+++ 12:08 Uhr +++ Nach dem Erdbeben und dem Tsunami am Freitag vergangener Woche geben die japanischen Behörden die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen mit 7348 an. Vermisst werden demnach 10.947 Menschen. Einige der Vermissten könnten außerhalb der betroffenen Regionen gewesen sein, als sich die Katastrophe ereignete. Andererseits könnte eine bislang unbekannte Zahl von Opfern nach dem Tsunami von der Rückwelle aufs Meer hinaus gespült worden sein.

+++ 11:41 Uhr +++ Die Radioaktivität in Japan außerhalb der kritischen Zonen rund um die Atomanlage Fukushima ist nach Erkenntnissen der Organisation des Vertrages über das

umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) minimal. Nach Angaben eines Diplomaten in Wien haben Messungen der CTBTO ergeben, dass die Radioaktivität 100 Millionen bis eine Milliarde Mal unter den als gesundheitsgefährdend geltenden Grenzwerten liegt.

+++ 11:01 Uhr +++ Ein Nachbeben der Stärke 6,1 hat am Samstag die Region Ibaraki südlich des havarierten Atomkraftwerks Fukushima erschüttert. Das teilte die japanische Meteorologiebehörde mit. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben. In der Hauptstadt Tokio waren die Erschütterungen des Bebens zu spüren. Schäden wurden zunächst nicht gemeldet, wie der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK berichtete. Demnach wurden aber Flüge am Hauptstadt-Flughafen Narita vorübergehend ausgesetzt. Die Präfektur Ibaraki liegt rund hundert Kilometer nordöstlich von Tokio.

+++ 9:56 Uhr +++ Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima verbunden worden. Dies berichtet die japanische Atomaufsicht. Es sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

+++ 9:43 Uhr +++ Öffnungen im Dach der Reaktoren 5 und 6 sollen weiteren Explosionen im havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 vorbeugen. Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA in Wien haben Arbeiter Löcher in die Dächer der beiden Gebäude eingebracht, um die Ansammlung von Wasserstoff zu verhindern. Die Explosionen in anderen Reaktoren seien vermutlich durch Wasserstoff ausgelöst worden, heißt es auf der Homepage der IAEA am Samstag.

+++ 9:22 Uhr +++ Die Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan ist nach Ansicht des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx auch eine Prüfung des Glaubens für die Menschen. Das gelte für die unmittelbar Betroffenen in Japan, aber auch für Menschen in Deutschland, die die Bilder und Nachrichten in den Medien verfolgen, sagte der Kardinal der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Helfen könnten das Gebet und die Gewissheit, dass Gott das Leiden nicht egal sei.

+++ 9:02 Uhr +++ Die meisten Deutschen haben die japanische Hauptstadt und ihre Umgebung wohl verlassen. Der überwiegende Teil ist nach Einschätzung der deutschen Botschaft in Japan nach Westjapan oder ins Ausland gereist. Im Großraum Tokio blieben vor allem die, die dort familiär verwurzelt seien oder das Land schon lange und gut kennen. „Ich schätze, dass sich weniger als Tausend deutsche Staatsbürger noch in ganz Ostjapan aufhalten“, sagte ein Botschaftssprecher in Japan am Samstag. Im Ballungsgebiet Tokio-Yokohama hielten sich bis zum Erdbeben etwa 3500 Deutsche auf.

+++ 8:35 Uhr +++ In der Umgebung des beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi ist laut Regierungsangaben eine erhöhte radioaktive Verstrahlung bei Spinat und Milch festgestellt worden. Die Strahlenbelastung bei beiden Lebensmitteln überstieg die amtlichen Grenzwerte, wie Kabinettssekretär Yukio Edano am Samstag erklärte. Die überprüfte Milch stammte aus der Präfektur Fukushima, der Spinat aus dem benachbarten Ibaraki. Es ist der erste Bericht über radioaktiv belastete Lebensmittel seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März, die zu der Atomkrise führte.

+++ 8:16 Uhr +++ Am Reaktor 3 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 ist nach Angaben der japanischen Regierung eine Verbesserung zu beobachten. „Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat“, sagte Regierungssprechers Yukio Edano. Die Kühlaktionen von außen hätten eine Wirkung gehabt. Es sei mehr Wasser in Reaktor 3 festgestellt worden.

+++ 7:40 Uhr +++ Ein weiteres Spezialfahrzeug zur Kühlung ist auf dem Weg zum schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins. Wie der Fernsehsender NHK am Samstag berichtete, könne die Maschine Wasser aus sehr großer Höhe versprühen. Das Fahrzeug sei in Deutschland gebaut worden und pumpe normalerweise flüssigen Beton. Ein ähnliches Modell sei bereits beim Atomunglück in Tschernobyl eingesetzt worden.

+++ 7:35 Uhr +++ Die Reaktoren im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 sollen weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Am Ende würden dann mehr als Tausend Tonnen Wasser versprüht sein, berichtete der Sender NHK am Samstag. Das helfe, die Temperatur und die radioaktive Strahlung zu senken. Es sei aber nur eine vorübergehende Lösung. Techniker arbeiten weiter daran, die Stromversorgung des Kraftwerks wieder herzustellen.

+++ 7:33 Uhr +++ Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) empfiehlt Menschen, die das Gebiet in der Nähe des AKW Fukushima verlassen, die Einnahme von Jod. Dabei beruft sich die IAEA auf die japanische Atomaufsichtsbehörde. Jod-Tabletten können Menschen vor Schilddrüsen-Krebs schützen.

+++ 7:18 Uhr +++ Spinat aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima Eins in Japan ist radioaktiv verstrahlt. In den Pflanzen seien hohe Strahlenwerte festgestellt worden, erklärte ein Regierungsbeamter nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo vom Samstag.

+++ 6:35 Uhr +++ Zumindest von einem der Reaktoren im havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 gibt es gute Nachrichten : In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco meldete. Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es „keine unmittelbaren Bedenken“.

Die IAEA hatte für beide Abklingbecken mit Stand vom Donnerstag eine Temperatur von gut 60 Grad Celsius angegeben. Normal sind Werte unter 25 Grad. Zum Vergleich: Das Becken in Reaktor 4 erreichte bereits am Sonntag 84 Grad, bevor die Messgeräte ausfielen. Wie sehr die Temperatur in Block 5 nun sank, meldete Kyodo nicht. Auch gab es keine Angaben zur Hitzeentwicklung am Nachbarreaktor 6. Der TV-Sender NHK meldete später, dass es an Reaktor 6 gelungen sei, neben dem bestehenden Notstromdiesel eine zweite Energiequelle zu installieren. Das habe Betreiber Tepco berichtet. Zudem sei es bei Block 5 gelungen, eine bestehende Kühlpumpe wieder zum Laufen zu bringen. Beide Blöcke seien also mehr und mehr unter Kontrolle.

+++ 6:07 Uhr +++ Der Anschluss der von einer Kernschmelze bedrohten Reaktorblöcke in Fukushima konfrontiert die Techniker mit großen Problemen : Das neue Stromkabel hat die Anlage zwar erreicht. Die vielen von Erdbeben und Tsunami verwüsteten elektrischen Installationen müssen aber akribisch auf Risiken wie einer von Funkenflug verursachten Explosion geprüft werden, bevor der Strom fließen kann, teilte ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde, Hidehiko Nishiyama, mit.

„Die meisten Motoren, Schaltpulte und Schaltschränke sind vom Tsunami überspült worden und können nicht verwendet werden“, sagte Nishiyama. Sprecher des Kraftwerkbetreibers TEPCO hofften dennoch, vier der sechs Blöcke im Laufe des Samstags mit dem Kabel ans Stromnetz anschließen zu können. TEPCO-Sprecher Teruaki Kobayashi sagte: „Es könnten Funken fliegen, ich kann ein Risiko nicht leugnen.“

Aber selbst, wenn der Anschluss ohne Funken und andere Probleme gelingen sollte, war nicht absehbar, ob die ebenfalls vom Tsunami getroffenen Kühlsysteme wieder anspringen. Die Atomtechniker in der von Erdbeben, Tsunami und Explosionen verwüsteten Anlage stehen unvermindert zwei Herausforderungen gegenüber: die Reaktorkerne und die Abklingbecken zu kühlen, um eine Kernschmelze zu verhindern. Eine Dampfwolke über Reaktorblock 3 signalisierte, dass der Kampf gegen den Super-GAU noch immer nicht entschieden war.

Die japanische Regierung stufte am Freitag den Unfall von Stufe 4 auf Stufe 5 auf der siebenteiligen internationalen Skala hoch. Damit ist Fukushima offiziell ein schwerer Unfall wie im amerikanischen Kraftwerk Three Mile Island (Harrisburg) 1979, wo eine totale Kernschmelze gerade noch verhindert werden konnte.

+++ 4:56 Uhr +++ Um mögliche Wasserstoffexplosionen an den Reaktoren 5 und 6 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima zu verhindern , hat die Betreiberfirma Löcher in die Dächer der Reaktorgebäude bohren lassen . Ingenieure hätten jeweils drei Löcher von drei bis 7,5 Zentimetern in die Dächer gebohrt, teilte ein Sprecher der Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) mit. An den Reaktoren 1, 2 und 3 hatten Wasserstoffexplosionen zum Teil erhebliche Schäden verursacht. In den Reaktoren 5 und 6 funktionierten die Kühlsysteme mit Hilfe eines Dieselgenerators auch nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März. Obwohl sie zum Zeitpunkt des Erdbebens abgestellt waren, wurde aber ein Druckanstieg im Inneren der Reaktoren registriert.

+++ 4:14 Uhr +++ Die Arbeiter am stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 stemmen sich gegen den atomaren GAU. Sie verstärkten ihre Bemühungen, die Kühlung mit Hilfe neu verlegter Stromkabel wiederherzustellen, teilte der Betreiber der vier Unglücksreaktoren nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Es werde erwartet, dass Reaktor 2 im Laufe des Tages an die Stromversorgung angeschlossen werden könne.

Danach brauche es allerdings noch etwas Zeit, um die Geräte zur Kühlung des Reaktors wieder hochzufahren. Denn zunächst müssten die Apparate erst einmal getestet werden, erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco.

Am Samstagmorgen flog Kyodo zufolge ein Armeehubschrauber über das Unglücks-AKW. Das Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, dass aus der Luft mit Wärmebildkameras die Temperatur gemessen werden sollte. Die Besatzung des Hubschraubers werde außerdem schauen, ob das Wasser im Abklingbecken des Blocks 4 ankam – dort liegen alte Brennstäbe und es wird befürchtet, dass sie trockengefallen sind. Das könnte eine weitere nukleare Kettenreaktion auslösen. Die Folge wäre im schlimmsten Fall das massenhafte Auftreten radioaktiver Verstrahlung.

Nach dem Beben und der Wasserwalze des Tsunamis war in allen sechs Reaktoren die Kühlung ausgefallen. An den Blöcken 5 und 6 konnten jedoch Dieselgeneratoren die Arbeit übernehmen. Die Reaktoren 1, 3 und 4 wurden in den folgenden Tagen erheblich beschädigt, es gab Explosionen und Brände. Block 2 ist äußerlich noch halbwegs intakt, aber die Internationale Atomenergiebehörde IAEA geht auch dort von einer möglichen Beschädigung des Reaktorkerns aus.

An Block 2 ruhen nun alle Hoffnungen auf dem Anschluss des neuen Stromkabels. Es soll über Verteilerstation zunächst zum Reaktor 2 und später auch zu den übrigen Blöcken gelegt werden. Unklar ist bisher, ob die erheblichen Zerstörungen an den radioaktiv strahlenden Ruinen die Funktion des neuen Systems nicht unmöglich machen.

+++ 3:13 Uhr +++ Die Arbeiter am havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 bekommen bei ihrem Einsatz immer mehr radioaktive Strahlung ab. Der AKW-Betreiber Tepco erhöhte die Obergrenze erneut auf nun 150 Millisievert pro Noteinsatz , wie der TV-Sender NHK berichtete. Vorher waren 100 Millisievert pro Schicht das Limit gewesen – die Arbeiter überschritten diesen Wert aber regelmäßig. Die neue Vorgabe 150 Millisievert gelte „für einige Arbeiter im Außeneinsatz, weil die aktuellen Probleme beispiellos sind und sofortige Maßnahmen erfordern“, zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers Tepco.

150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verstärken höhere Dosen an radioaktiver Strahlung das Risiko von Krebserkrankungen. Als Folgen eines Strahlenunfalls nennt das BfS für einen Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert (1000 bis 6000 Millisievert) unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome. Bei 5 bis 20 Sievert können etwa Schock und Blutungen auftreten – nur im unteren Bereich ist laut BfS noch ein Überleben möglich.

Bei mehr als 20 Sievert tritt der Tod demnach innerhalb von zwei Tagen ein. Dem Sender NHK zufolge kündigte Tepco an, keinen Arbeiter erneut in den Einsatz zu schicken, falls er zuvor mehr als 100 Millisievert ausgesetzt worden war. Die 50 Arbeiter, die bisher in dem AKW verblieben waren, hatten Verstärkung bekommen: Am Freitag waren dort etwa 120 Männer eingesetzt. Wie viele Arbeiter direkt an den Reaktoren welche Arbeiten verrichten, ist unbekannt. Derzeit läuft an den Blöcken 1 und 2 das Installieren einer Stromleitung.

+++ 1:44 Uhr +++ Auch Stunden nach dem Wasserwerfereinsatz am Reaktor 3 des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima steigt dort noch immer Rauch auf. Der japanische Fernseh-Sender NHK zeigte Luftaufnahmen von Samstagmorgen (Ortszeit), auf denen weißer Qualm oder Wasserdampf zu sehen war. Die helle, viele Meter hohe Fahne waberte kontinuierlich nach oben.

Am Samstagmorgen (0.45 Uhr Ortszeit) hatte das Militär erneut begonnen, mit Feuerwehrwagen Tonnen von Wasser auf den Block 3 zu sprühen. Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der strahlenden Ruine des Blocks 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Brennstabs-Becken bedrohlich niedrig ist.

Die Kühlaktion dauerte 25 Minuten, wie der AKW-Betreiber Tepco mitteilte. Die NHK-Aufnahmen mit dem weißen Rauch könnten darauf hindeuten, dass die Kühlaktion Erfolg hatte und den völlig überhitzten Kern traf. Andererseits hatte es in den Tagen zuvor auch schon weißen Rauch gegeben, bei dem kleinere und größere Brände die Ursache waren.

Zunächst war NHK zufolge unklar, wie die Kühlaktion weiterlaufen soll und wann die Wasserwerfer und Löschfahrzeuge der Tokioter Feuerwehr noch einmal zum Einsatz kommen. Auch Tepco machte keine Angaben dazu. Eine bereits zum Kraftwerk gelegte Stromleitung soll im Laufe des Tages an die havarierten Reaktoren 1 und 2 angeschlossen werden, um die dringend benötigte Kühlung wieder anlaufen zu lassen. Zunächst wusste jedoch niemand, ob die Technik in den Anlagen dafür womöglich schon zu stark beschädigt ist.