Missbrauch in Österreich

Gottfried W. hatte möglicherweise einen Komplizen

Im Fall des langjährigen Missbrauchs zweier Töchter durch den Vater gibt es möglicherweise einen Mittäter. Ein Bekannter soll die Frauen auch vergewaltigt haben.

Im Missbrauchsfall im österreichischen St. Peter am Hart bei Braunau gibt es neben dem 80-jährigen Gottfried W. möglicherweise noch einen weiteren Täter. Es gebe die Aussage einer der Töchter, dass sie auch ein Bekannter des Vaters vergewaltigt habe, sagte Staatsanwalt Alois Ebner von der Staatsanwaltschaft Ried.

Dies sei allerdings geschehen, als das Opfer zehn Jahren alt war. Da die Töchter mittlerweile 53 und 45 Jahre alt sind, sei die Tat damit verjährt und der Täter habe keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten. Allerdings müssten die Aussagen im laufenden Ermittlungsverfahren und den Vernehmungen der Töchter noch überprüft werden.

Gottfried W. sitzt in Ried im Gefängnis

Gottfried W. sitzt zunächst bis zum 9. September in Untersuchungshaft in einem Gefängnis in Ried. Dann werde es eine erneute Haftprüfung geben, sagte Ebner. Die Töchter befinden sich demnach in einer sozialen Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft hofft auf eine Anklageerhebung gegen W. noch in diesem Jahr.

Gottfried W. soll seine beiden Töchter seit 1970 gefangen gehalten, sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben. Kinder sollen aus den jahrelangen Vergewaltigungen allerdings nicht hervorgegangen sein, wie Ebner erläuterte. Auch seine 2008 verstorbene Ehefrau soll er vergewaltigt und misshandelt haben. Derzeit sitzt W. in Ried im Gefängnis.

Behörden wollen "unverzüglich gehandelt" haben

Der Braunauer Bezirkshauptmann Georg Wojak verteidigte unterdessen die Behörden gegen den Vorwurf der Untätigkeit. „Wir konnten erst reagieren, nachdem wir von diesen tragischen Vorfällen Kenntnis erlangt haben“, sagte er dem österreichischen Sender ORF. Die Bezirkshauptmannschaft habe „unverzüglich im Rahmen ihrer Zuständigkeit und im Rahmen der Möglichkeiten reagiert und agiert“.

So sei bereits einen Tag, nachdem die Anzeige gegen den mutmaßlichen Täter übermittelt worden sei, ein Waffenverbot gegen den 80-Jährigen verhängt worden. Die beiden Waffen, die der Mann besessen habe, seien ihm abgenommen worden.

Der Täter sei in einer Pflegeeinrichtung untergebracht worden. Auch den beiden Frauen sei eine Betreuung angeboten und mittlerweile auch veranlasst worden. „Wir haben alles gemacht, wofür wir zuständig sind“, betonte Wojak.

Das Wichtigste sei nun, die beiden Frauen „bestmöglich“ zu betreuen, damit sie eine „schönere Zukunft“ bekämen. Sie würden derzeit in einer „adäquaten Einrichtung durch kompetente Mitarbeiter betreut“.