Nach 64 Tagen

Piraten geben deutsches Schiff frei gegen Lösegeld

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Länger als zwei Monate haben Piraten das deutsche Schiff "EMS River" festgehalten. Jetzt wurden Millionen bezahlt, damit es freikommt.

Ein seit Ende Dezember von Piraten vor der Küste Somalias festgehaltenes Schiff der Papenburger Reederei Grona Shipping ist frei. Die achtköpfige Besatzung sei am Montag um 4 Uhr Ortszeit in der Lage gewesen, die Kontrolle über die „EMS River“ zu übernehmen, sagte ein Sprecher der Reederei. Militär soll nicht zum Einsatz gekommen sein. Er betonte, die Freilassung sei „das Ergebnis eines Dialogs mit den Entführern.“ Die „EMS River“ werde nun einen Hafen anlaufen, um die Besatzung auszutauschen. Dort soll die Crew medizinisch untersucht werden. Danach werde das Schiff seinen Zielhafen in Griechenland ansteuern.

Stattdessen soll Lösegeld geflossen sein. „Wir haben die „EMS River“ gerade verlassen nach dem Erhalt von drei Millionen Dollar Lösegeld“, sagte ein Pirat der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. „Es ist gerade friedlich davon gefahren“.

Die „EMS River“ war am 27. Dezember rund 280 Kilometer nordöstlich der omanischen Hafenstadt Salala im Arabischen Meer gekapert worden. Sieben der acht Besatzungsmitglieder kommen nach Reederei-Angaben von den Philippinen, einer aus Russland. Das 99 Meter lange Schiff war mit einer Ladung Petrolkoks, einem aus Erdöl gewonnenen Feststoff, auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Griechenland. Die Piraten nutzten nach Angaben der EU-Mission Atalanta ein bereits zu einem früheren Zeitpunkt gekapertes Schiff als „Mutterschiff“ für ihren Angriff.

Die Reederei Grona Shipping wurde im Jahr 2005 im ostfriesischen Leer gegründet und hat ihren Sitz 2010 ins benachbarte Papenburg verlegt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf das Management von kleinen Massengutfrachtern mit einer Tragfähigkeit bis zu 8.000 Tonnen spezialisiert. Die „EMS River“ war erst Ende November von einer Bauwerft in Bangladesch an die Reederei übergeben worden und fährt unter der Flagge des Karibik-Staates Antigua und Barbuda.

Während die Angehörigen der „EMS River“-Crew vermutlich erleichtert sind, sorgen sich Freunde und Familie um die gekidnappte Familie aus Dänemark. Nach der Entführung des Segelboots mit vier Erwachsenen und drei Kindern an Bord vor der ostafrikanischen Küste haben die Piraten nach Angaben eines Gewährsmanns mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Die Dänen würden getötet, sollte ein Versuch zu ihrer Rettung unternommen werden, sagte der somalische Pirat Abdullahi Mohamed. Mohamed erklärte, er habe Verbindungen zu der Bande, von der die Dänen festgehalten würden. Allerdings gelten die Informationen auch als nicht überprüfbar.

Nach Angaben des Außenministeriums in Kopenhagen sind an Bord des Segelboots ein Ehepaar und seine drei Kinder im Alter von zwölf bis 16 Jahren sowie zwei weitere Erwachsene. Das Boot wurde demnach am Donnerstag gekapert. Die Familie hatte nur wenige Tage zuvor in einem Reise-Blog geschrieben, sie habe für den Fall eines Überfalls einen „Piraten-Plan“ entwickelt und halte täglich Kontakt zu einem Anti-Piraterie-Einsatzkommando.

Mit privaten Sammelaktionen wollen Dänen nun das Lösegeld für eine Familie mit drei Kindern aufbringen, die bei ihrer Weltumseglung von somalischen Piraten gekidnappt worden ist. In Kopenhagener Medien kündigten Nachbarn der Familie sowie ein Sprecher des Schiffsreeder-Verbandes entsprechende Initiativen an.

Gleichzeitig äußerten Marineexperten ihr Unverständnis über derartige Freizeit-Unternehmungen in den immer mehr von Piraten heimgesuchten Gewässern vor der afrikanischen Ostküste und im Golf von Aden. Die dänische Familie aus der Kleinstadt Kalundborg soll Behördenwarnungen in den Wind geschlagen haben. Sie ist seit einer Woche in der Gewalt von Seeräubern.

Das dänische Kriegsschiff „’Esbern Snare’ wurde „auf unbestimmte Zeit“ für mögliche Hilfsmaßnahmen vor die Küste Somalias beordert. Es sollte als Teil der Antipiraten-Einheit der Nato eigentlich nach Dänemark zurückkehren.

( reuters/dpa/dapd/kami )