Mordprozess

Ex-Ehefrauen geben Mircos Mörder gutes Zeugnis

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco aus Grefrath ist mit der Befragung der ehemalige Ehefrauen des Tatverdächtigen fortgesetzt worden. Alle drei trauten ihm den Mord an dem zehnjährigen Jungen nicht zu.

Ein Jahr nach der Ermordung des zehnjährigen Mirco aus Grefrath bleibt das Motiv seines mutmaßlichen Mörders ein Rätsel. Alle drei Ex-Frauen des Angeklagten schilderten den 45-Jährigen am Freitag im Zeugenstand als friedfertigen, treusorgenden Familienvater. Er sei fast immer besonnen gewesen und nie gewalttätig geworden, sagten die Frauen am Krefelder Landgericht aus. Sein Sexualleben sei völlig normal gewesen. Keine der Frauen hat ein Anzeichen für pädophile Neigungen bemerkt. Sie habe sich sogar überlegt, ob ihr Ex-Mann mit seinem Geständnis jemanden schützen wolle, sagte eine der Frauen.

Alle drei Frauen hatten auf ihr Recht verzichtet, nicht auszusagen. Sie habe mit ihrem Mann nach dem Verschwinden Mircos über den Fall gesprochen, sagte seine 33-jährige letzte Ehefrau, die erst seit wenigen Wochen von ihm geschieden ist. Olaf H. habe sich entsetzt gezeigt über das Verschwinden des Jungen.

Einen Tag nach der Entführung Mircos habe sie mit ihrem Mann ein großes Volksfest des Westdeutschen Rundfunks besucht. Sei habe dabei keinerlei Änderung in seinem Wesen und Verhalten feststellen können. Auch der Wagen sei eher unordentlich und nicht penibel gereinigt gewesen. Wann ihr Mann nachts nach Hause gekommen sei, wisse sie nicht.

Zum Berufsleben ihres damaligen Mannes sagte sie: „Er hat seinen Job gerne gemacht, aber es war schon teilweise recht stressig“. Viel gesprochen über den Job habe ihr Mann zu Hause jedoch nicht. Die Polizei hatte nach den ersten Ermittlungen erklärt, Olaf H. habe Mirco getötet, weil er Stress bei der Arbeit gehabt und dafür ein Ventil gesucht habe.

Mit seinem Chef in München habe er Probleme gehabt, erklärte die Zeugin weiter, die Meinungen hätten oft auseinandergelegen. Er habe sich deswegen auf einen geplanten Jobwechsel innerhalb der Firma gefreut. Für die Erörterung des Sexuallebens des Angeklagten schloss das Gericht auf Bitten der Zeugin die Öffentlichkeit aus.

Mit der Befragung von Zeugen aus dem privaten und beruflichem Umfeld will sich das Gericht ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten machen. Olaf H. war dreimal verheiratet. Er hatte die Tat gestanden, sich bei seinen verschiedenen Versionen aber in Widersprüche verwickelt.

Der Junge war am 3. September 2010 abends auf dem Nachhauseweg von einer Skaterbahn in seinem Wohnort verschwunden. Um das Kind zu finden, hatte die Polizei eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik gestartet: 1000 Polizisten durchkämmten die Felder rund um Grefrath am Niederrhein.

Die zeitweise 65 Mann starke Sonderkommissison der Kripo ließ Autos blitzen und Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr aufsteigen. Der Müll von Parkplätzen wurde durchsucht, Handzettel wurden verteilt und Plakate aufgehängt. Dieser Fall sei das Emotionalste gewesen, das er erlebt habe, sagte der damalige Soko-Leiter Ingo Thiel am Dienstag im WDR-Rundfunk.

Rasch hatten die Ermittler einen VW Passat als mögliches Täterauto ausgemacht. Ein Fahrzeug dieses Typs war der Dienstwagen von Olaf H., damals Mitarbeiter der Telekom. Bis zu seiner Festnahme wohnte der verheiratete Mann und Vater dreier Kinder unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort. „Er hat ein Selbstbild, das durch diese bürgerliche Welt geprägt ist“, sagte sein Anwalt.

Mit der Vernehmung von 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, die Persönlichkeit des Angeklagten erhellen zu können. Der Vorsitzende Richter hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Auch Mircos Mutter sagte bereits als Zeugin aus.