Drehpause

Pornywood ist in großer Angst

| Lesedauer: 3 Minuten

Ein Star aus US-Sexfilmen hat sich mit HIV infiziert. Dutzende Geschlechtspartner müssen sich testen lassen. Hunderte Kollegen werden zeitweise arbeitslos

Darren James ist positiv. Dies sorgt für Todesangst unter seinen Kollegen im US-Bundesstaat Kalifornien. Denn James arbeitet als Pornodarsteller, die Ärzte der Betriebsklinik seiner Branche im San Fernando Valley (auch Pornywood genannt) haben festgestellt, dass er sich mit HIV infiziert hat.

Mindestens eine Filmpartnerin - eine junge Kanadierin, die erst seit drei Monaten Pornos drehte - soll der in den USA wegen seines Stehvermögens populäre Darsteller vor laufender Kamera ungewollt angesteckt haben. Insgesamt könnte er den todbringenden Virus bei Dreharbeiten auf 14 Frauen übertragen haben.

Die wiederum hatten in den drei Wochen zwischen James' letztem negativen Test und der HIV-Diagnose am vergangenen Donnerstag ungeschützten Sex mit 51 männlichen Kollegen, wie die US-Vereinigung der Produzenten von Erwachsenen-Filmen ermittelte.

Notstand: 60 Tage Enthaltsamkeit

"Angst", sagt Mary Carey. "Das ist es, was im San Fernando Valley umgeht, nackte Angst." Die Sex-Darstellerin denkt nach eigenen Angaben ans Aussteigen, seit sich die Hiobsbotschaft durch die Produktionsstätten unweit von Hollywood verbreitete.

2003 wurden die Umsätze der US-Pornobranche auf umgerechnet 10,8 Milliarden Euro geschätzt. Jetzt gehen Hunderttausende verloren. Seit dieser Woche liegt die Branche weitgehend lahm, lassen sich hunderte ihrer Akteure erneut auf Aids testen.

Noch bis Mitte Juni sollen die Studios, die zusammen jährlich rund 4000 Filme und Videos auf den Markt bringen, Enthaltsamkeit üben. "Erst nach einer 60-Tage-Quarantäne können wir wissen wir, ob sich HIV weiter ausgebreitet hat oder nicht", sagt Sharon Mitchell.

Mehr als 1200 Sexdarsteller

Die Ärztin, die einst selbst ein Sex-Star war, leitet die Adult Industry Medical Healthcare Foundation, die Betriebsklinik der Branche. Alle drei Wochen müssen sich deren mehr als 1200 Akteure auf HIV und andere Erreger untersuchen lassen.

Nur wenn sie sauber sind, dürfen sie vor der Kamera intim werden. Auch der vorletzte Test von Darren James war negativ. Nach Einschätzung der Klinik hatte er sich eine Woche zuvor bei einem Non-Condom-Dreh in Brasilien angesteckt. Dies können die Aids-Tests nicht erfassen. Erst vergangenen Donnerstag, beim jüngsten Test des Pornostars, wurde die Infektion offenbar.

Pornostar fordert Kondompflicht

"Der Fall ist ein Weckruf für uns alle", sagt Darstellerin Carey, die sich vergangenes Jahr in tief ausgeschnittenen Blusen und mit einem Anti-Aids-Programm um das kalifornische Gouverneursamt beworben hatte. "Wir brauchen die Kondompflicht für alle Filme."

Bislang wurden nur in 17 Prozent der US-Pornos Kondome verwendet, sagt die Pornobranchen-Medizinerin Mitchell. Sie begründet: "Filme ohne Überzieher verkaufen sich viel besser." So mancher Produzent befürchte Einbußen, wenn nur noch Gummi-Filme gedreht werden dürften.

Vor rund sechs Jahren gab es in Pornywood bereits einen HIV-Skandal. Ein Darsteller hatte mindestens fünf Sexpartnerinnen infiziert. Damals wurden die strikteren Kontrollen eingeführt – mit Löchern im System, wie jetzt erwiesen ist.

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