Hurrikan an der Ostküste

"Irene" – Ein Sturm, so groß wie Europa

Ein Sturmgebiet, so groß wie Europa: Der Hurrikan "Irene" hat das Festland der USA erreicht. Besorgnis grassiert vor allem wegen einer möglichen Flutwelle.

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Der Wirbelsturm hat den Bundesstaat North Carolina erreicht. Am Sonntag soll er Kurs auf Maryland, New Jersey und New York nehmen. Dort appellierte Bürgermeister Bloomberg an die Bewohner, die Evakuierungsgebiete sofort zu verlassen.

Video: Reuters
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Die Angst vor Hurrikan „Irene“ wächst: Der gewaltige Wirbelsturm ist am Morgen (Ortszeit) auf die Ostküste der USA getroffen. In New York sollte vorsorglich der komplette öffentliche Nahverkehr eingestellt werden, Evakuierungen begannen, viele Flüge wurden gestrichen. In Manhattan wurde Sandsäcke aufgeschichtet.

In North Carolina kündigte starker Regen das Unwetter an. Das Hurrikanzentrum in Miami stufte „Irene“ von Kategorie 2 auf 1 herunter. Entwarnung gab es aber nicht: Das gesamte Sturmgebiet, das nach Angaben des US-Senders CNN etwa so groß wie Europa ist, bleibe extrem gefährlich, warnten die Experten.

Es sei eine Flutwelle zu befürchten, die in Küstengegenden Strände wegschwemmen und Häuser, Geschäfte sowie andere Infrastrukturen beschädigen könne, warnte der Direktor des Hurrikanzentrums, Bill Read. „Außerdem wird es große, zerstörerische und lebensgefährliche Wellen geben.“

Für New York, wo „Irene“ am Sonntag erwartet wird, gaben die Behörden eine Hurrikanwarnung heraus. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete die Evakuierung tieferliegender Gegenden an – nach seinen Worten hat es so etwas nie zuvor in der Geschichte der Millionen-Metropole gegeben. Davon seien rund 250.000 Menschen betroffen. „Man muss nur auf die Wetterkarten schauen, und man versteht, wie groß und einzigartig dieser Sturm ist.“

Die Windgeschwindigkeit im Zentrum des Sturms ging von 160 auf etwa 150 Kilometer pro Stunde zurück. Nach seinem Zerstörungszug durch die Karibik erreichte „Irene“ laut Hurrikanzentrum mit einer Geschwindigkeit von rund 22 Stundenkilometern die Küste von North Carolina.

Insgesamt erklärten mindestens zehn Bundesstaaten an der Ostküste vorsorglich den Notstand, mehr als 100.000 Mitglieder der Nationalgarde hielten sich für Katastropheneinsätze bereit. Nach einem CNN-Bericht könnten 65 Millionen Menschen von dem Sturm betroffen sein. Vielerorts kam es zu Hamsterkäufen, in Supermärkten wurde Mineralwasser knapp.

US-Präsident Barack Obama und seine Familie brachen ihren Sommerurlaub auf der Prominenteninsel Martha's Vineyard (US-Staat Massachusetts) ab. Obama sprach von einem voraussichtlich „historischen Hurrikan“. „Irene“ werde wahrscheinlich „extrem gefährlich und kostspielig“, sagte der Präsident weiter.

Die Behörden warnten vor großflächigen Stromausfällen und Überschwemmungen entlang der Atlantikküste. In beliebten Badeorten wurden die Gäste aufgefordert, sich unverzüglich in Sicherheit zu bringen. Strandpromenaden waren verwaist. Restaurantbesitzer klagten kurz vor Ende der Sommersaison über massive Einnahmeausfälle.

Laut CNN sagten US-Fluggesellschaften für die nächsten Tage tausende Flüge ab. Auch die Lufthansa zog Konsequenzen: Sie sagte für Samstag alle Flüge nach New York ab, für Sonntag alle nach New York, Philadelphia und Boston. „Es kann aber zu weiteren kurzfristigen Streichungen kommen“, sagte Sprecher Boris Ogursky.

In der 15-Millionen-Metropole New York begann bereits die Evakuierung von Klinken und Altersheimen in gefährdeten Straßenzügen. Im Laufe des Samstags sollte in New York der öffentliche Nahverkehr eingestellt werden, weil eine Überflutung der U-Bahn-Schächte und Tunnel befürchtet wird.

Außer den U-Bahnen und Bussen der Stadt sind auch die Nahverkehrszüge nach Long Island und in den Norden der Stadt betroffen. Konzerte und Broadway-Musical wurden abgesagt. In Washington wurde zudem die Einweihung eines Denkmals für den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King verschoben. Die US Open der Tennisprofis sollten wie geplant am Montag in New York beginnen.

Nach Angaben des Wissenschaftlers Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung lässt der Klimawandel solche Wirbelstürme an Stärke gewinnen. „Jetzt müssen wir uns tatsächlich überlegen, ob wir auch in Europa eine Hurrikan-Saison bekommen können in der Zukunft“, sagte der Wissenschaftler im dpa-Interview. Die Nord- und Ostsee seien dafür aber zu kalt. „Vor einigen Jahren ist jedoch ein Hurrikan in Richtung der portugiesischen Küste gezogen – das war bis dahin undenkbar.“

„Ich komme aus Atlanta und habe schon 'Katrina' in Mississippi und 'Andrew' in Miami erlebt. Dass ich es nun in New York mit einem Hurrikan zu tun haben könnte, hätte ich nicht gedacht“, zitierte die Zeitung „USA Today“ die Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Teresa Caver.

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