Wirbelsturm an der Ostküste

Hurrikan "Irene" beschädigt Atomreaktor

Hurrikan "Irene" wütet an der amerikanischen Ostküste. New York rüstet sich für das Schlimmste: Hunderttausende mussten ihre Wohnungen verlassen, zehn Menschen starben, fast ein Million Menschen sind ohne Strom und ein Atomreaktor in der Nähe der von Washington wurde beschädigt.

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In North Carolina, Virginia und Florida kamen neun Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben. Am Sonntagmorgen erreichte "Irene" New York.

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Ein Atomreaktor in der Nähe der US-Hauptstadt Washington hat sich nach Beschädigungen durch Hurrikan „Irene“ automatisch abgeschaltet. Der Haupttransformator war zuvor von einer Aluminiumverkleidung getroffen worden, wie ein Sprecher der Betreiberfirma Constellation Energy Nuclear Group (CENG) am Sonntag mitteilte. Die Lage in dem AKW sei sicher. Angestellte oder die Umgebung des Kraftwerkes Calvert Cliffs im Staat Maryland seien nicht betroffen.

Die Atomanlage steht an der Chesapeake-Bucht südöstlich der Hauptstadt. CENG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Constellation Energy und des französischen Konzerns Electricite de France . Hurrikan „Irene“ erreichte am Wochenende die Ostküste der USA und bewegt sich weiter nach Norden. Auch die Millionenmetropole New York ist betroffen.

Auge des Hurrikans "Irene" fegt über New Jersey

Das Zentrum des Hurrikans „Irene“ hat am Sonntag die Küste des US-Staats New Jersey erreicht. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami teilte mit, das Auge des Wirbelsturms sei um 05.35 Uhr (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometer pro Stunde über Little Egg Inlet hinweggezogen.

Damit war „Irene“ weiterhin ein Wirbelsturm der niedrigsten Kategorie 1, galt aber dennoch als sehr gefährlich. Der Hurrikan bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde in nord-nordöstliche Richtung. Von New York City war „Irene“ noch 160 Kilometer entfernt.

Die Stadt hatte mehr als 370.000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es war die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte New Yorks. In der US-Metropole leben 8,3 Millionen Menschen, im Großraum New York fast 29 Millionen. Behördenvertreter befürchteten, dass die Fenster von Wolkenkratzern im Sturm bersten könnten.

Zehn Tote

Der gewaltige Hurrikan „Irene“ hat in den USA bereits mindestens zehn Menschen das Leben gekostet. Die meisten von ihnen wurden von Bäumen, Ästen oder herumfliegenden Trümmern erschlagen. Mehr als eine Million Haushalte waren ohne Strom. Der Monster-Wirbelsturm, der nach Angaben des US-Senders CNN insgesamt etwa so groß wie Europa ist, war am Samstag auf die Ostküste getroffen und in Richtung New York gezogen. Sein Zentrum sollte am Sonntagnachmittag deutscher Zeit die Millionen-Metropole treffen.

Allein fünf Menschen starben in North Carolina, drei in Virginia. In Queenstown im Bundesstaat Maryland kam eine Frau in ihrem Haus ums Leben, als ein umstürzender Baum den Schornstein durch das Dach drückte. Auch der Tod eines 55 Jahre alten Surfers in dem aufgewühlten Meer vor Florida wurde „Irene“ zugeschrieben.

Bürgermeister Michael Bloomberg rief die New Yorker am späten Samstagabend (Ortszeit) eindringlich auf, zu Hause zu bleiben. „Der Sturm hat New York erreicht. ... Die Zeit für Evakuierungen ist vorbei. Bleiben Sie, wo Sie sind und versuchen Sie, sich so gut wie möglich zu schützen“, warnte Bloomberg. „Wenn Sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind, kann dieser Sturm tödlich sein.“ „Es ist dunkel und windig, es regnet und keine U-Bahn und kein Bus fährt“, schilderte Bloomberg. „Bleiben Sie drinnen, draußen fliegt zu viel herum.“ Er appellierte an die Einwohner auch auf Spanisch.

400.000 Menschen auf der Insel Long Island betroffen

Auf der Insel Long Island waren 400.000 Menschen von den Evakuierungen betroffen, im Bundesstaat New Jersey mehr als eine Million. In der Stadt New York selbst waren es 340.000 Menschen – es gab aber in den 91 Notunterkünften nur Platz für ein Fünftel davon. Einige sind in Hotels, viele auch bei Freunden untergeschlüpft.

„Irene“ bewegte sich am Sonntag nach Angaben des Hurrikanzentrums (Miami) mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern in nord-nordöstlicher Richtung. Die Winde im Zentrum des Sturms der Kategorie 1 erreichten Werte von rund 120 Stundenkilometern.

„Irene“ ist an der nördlichen US-Ostküste, die nur sehr selten von den tropischen Wirbelstürmen heimgesucht werden, der stärkste Sturm seit mehr als 25 Jahren. Zuletzt hatte „Gloria“ 1985 schwere Verwüstungen angerichtet. „Irene“ gilt auch deshalb als extrem gefährlich, weil der Hurrikan Berechnungen zufolge schwere Überschwemmungen verursachen wird. Außerdem dürften viele aus Holz gebaute Einfamilienhäuser seiner Kraft nicht gewachsen sein.

Zwei Kajak-Fahrer vor Staten Island im Meer

Der gesamte öffentliche Verkehr stand in New York seit Samstag still – erstmals in der Geschichte der Stadt. U-Bahnen und Busse fuhren nicht, die Flughäfen waren geschlossen. Die Behörden hatten viele Straßen und Brücken gesperrt. Auch in der Stadt Boston fuhren die U-Bahnen nicht, viele Brücken waren geschlossen.

„Irene“ war am Samstagmorgen (Ortszeit) in North Carolina zum ersten Mal auf Festland in den USA getroffen. Allein im Bundesstaat Virginia seien mehr als 610.000 Haushalte und Geschäfte ohne Elektrizität, sagte Gouverneur Bob McDonnell dem US-Sender CNN. „Und wir erwarten, dass es noch sehr viel mehr werden.

In North Carolina hatten laut CNN seit Samstag mindestens 516.000 Haushalte und Geschäfte keinen Strom, in Maryland waren es laut Gouverneur Martin O'Malley zunächst 40 000. Weil viele Leitungen über der Erde liegen, ist das US-Stromnetz besonders verwundbar.

Trotz eindringlicher Warnungen gab es einige Unverbesserliche: So musste die New Yorker Polizei zwei Kajak-Fahrer vor Staten Island aus der aufgewühlten See retten. „Das ist eine von diesen rücksichtslosen Aktionen, mit der die Kräfte unserer Polizei verschwendet werden“, schimpfte Bloomberg.

Flüge von Berlin nach New York auch für Sonntag gestrichen

In Berlin sind auch am Sonntag wegen Hurrikan Irene an der US-Ostküste die Direktflüge nach New York gestrichen worden. Für Montag sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel, am Sonntag. Insgesamt seien drei Flüge annulliert worden.

Passagiere sollten sich wegen näherer Informationen direkt an die Airlines wenden. Dabei handelt es sich um Delta, Continental und Air Berlin.