Hochzeit in Potsdam

Preußen-TV? Bitte nie, nie wieder!

Die Hochzeit des Preußen-Prinzen wurde von RBB, SWR und HR live übertragen. Bezahlt wurde der Spaß durch GEZ-Gebühren. Was soll diese neue Art der Hofberichterstattung?

Die Kaiser, mit denen wir hierzulande in letzter Zeit zu tun hatten, kamen meistens von der Hamburg-Mannheimer, haben uns Versicherungen angedreht und anschließend Sex-Partys in Budapest gefeiert. Aus diesem republikanischen Elend hat uns nun der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) befreit.

Der Sender übertrug am Samstag im Verbund mit dem SWR und dem Hessischen Rundfunk drei Stunden lang die Hochzeit des Chefs des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, mit Sophie Prinzessin von Isenburg.

Warum? Weil Georg Friedrich heute unser aller Kaiser wäre, wenn nicht die Amis, Franzosen und Briten nach dem Ersten Weltkrieg darauf bestanden hätten, mit einer demokratischen Regierung zu verhandeln – und nicht mit dem Mann, der den Weltenbrand an vorderster Front entfacht hatte. Liebe Programmmacher, liebe Preußen-Profiteure aus Westdeutschland, ihr müsst jetzt tapfer sein: Die Monarchie wurde 1918 in Deutschland abgeschafft. Für seinen Ururgroßvater kann der Prinz von Preußen nichts. Aber wieso soll er nun plötzlich wieder was davon haben?

Wenn schon Hochzeiten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden, dann bitte die unserer republikanischen Helden. Allein aus den Eheschließungen von Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Außenminister Joschka Fischer hätte man eine ganze Serie machen können. In Staffel zwei dann die Rosenkriege.

Die Eskapaden der jungen Wilden aus der CDU böten ebenfalls dramatischen Stoff, es muss ja nicht immer Hochzeits-TV sein. Ole von Beust zeigt uns Sylt, ganz privat, Christian von Boetticher führt uns durch die Steigenberger-Hotels dieses Landes, Dieter Althaus zeigt seine Lieblingspisten in den Alpen. Ursula von der Leyen und ihre acht Kinder bekommen Besuch von der Super-Nanny, Frank Walter Steinmeier führt durch die Schwarzwaldklinik. Material gibt es genug. Aber bisher hat es mit Heide Simonis als Dancing Queen nur eine Politikerin ins Fernsehfach geschafft. Und dann auch noch ins private.

Am wahren Leben sind die eben genannten Damen und Herrschaften allemal näher dran als der Kaiser ohne Land aus Potsdam. Wir gratulieren herzlich zur Vermählung. Aber solche Bilder im Dritten Programm wollen wir als Gebührenzahler bitte nie wieder sehen. Es sei denn, wir verwandeln die preußische Schmonzette in eine Big-Brother-Show. Bei den handfesten Erbstreitigkeiten im Hause Hohenzollern wären wir schon gern live dabei. Einfach so, aus purer bürgerlicher Neugier.

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