Baden-Württemberg

Metzger schleift Schaf bei Tempo 60 hinter Auto her

Für das Töten eines Schafs ist ein gelernter Metzger zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Wie das Tier sich quälte, hielt er auf Video fest.

Auf der Anklagebank mimt er das Unschuldslamm und entschuldigt sich reuevoll für das begangene Unrecht. Zu Beginn des Jahres ist der 20-jährige Metzger aus dem Kreis Pforzheim allerdings eher als Wolf im Schafspelz in der Region unterwegs.

Eine ganze Serie von Straftaten geht auf sein Konto. So quält er unter anderem einen einjährigen Schafbock bestialisch zu Tode. Am Montag erhielt er vom Landgericht Pforzheim dafür die Quittung: Wegen schwerer räuberischer Erpressung sowie des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wird der mehrfach vorbestrafte Angeklagte zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt (Az. Kls 94 Js 2942/11).

„Er war der Rädelsführer und Ideengeber einer kleinen Bande“, begründet die Vorsitzende Richterin Sabine Salomon das Urteil. Zur Bande gehören auch zwei 18 und 20 Jahre alte Kumpels aus Pforzheim, die auch vor Gericht stehen. Mit ihnen hat der Metzger auf dreiste Art einen Sportwagen geklaut.

Bei einer Probefahrt bremste er voll und drückte den Kopf des Autohändlers auf dem Beifahrersitz nach unten. Die Komplizen im Fonds zwangen den Händler dann mit Schreckschusspistolen zum Aussteigen. Das Auto versteckten sie.

Komplizen kommen mit Bewährungsstrafe davon

Zum erhofften Verkauf des Wagens kam es allerdings nicht: Als der 20-Jährige den Sportwagen im März auf einen anderen Stellplatz fahren will, gerät er in eine Routinekontrolle der Verkehrspolizei. Es folgt eine dramatische Verfolgungsjagd, an deren Ende der Dieb das geklaute Auto gegen einen Baum setzt und festgenommen wird. Seine Komplizen kommen im Prozess mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten davon.

Auf dem Handy des jungen Mannes entdecken die Ermittler dann die Videoaufzeichnungen einer extremen Tierquälerei: Mit einem anderen Bekannten bindet der 20-Jährige am Tag vor seiner Verhaftung ein Schaf mit einem Seil ans Heck eines Autos. Auf einem Waldweg beschleunigt der Mittäter das Auto auf 60 Stundenkilometer, während der Angeklagte das Leid des Tieres mit dem gestohlenen Handy aufnimmt.

Spottlieder wie „Schäflein, Schäflein, was hast du getan“ sind zu hören

Auf dem Film sind auch die Witze der Männer zu hören. Sie singen Spottlieder wie „Schäflein, Schäflein, was hast du getan". Als sich das Seil nach mehreren Kilometern Fahrt vom Auto löst, machen die Täter kehrt, überfahren das Tier und werfen es anschließend über die Böschung. Das schwer verletzte Schaf kämpft noch zwei Tage lang gegen den Tod, bis es ein Jäger mit einem Fangschuss von seinen Qualen erlöst.

Die Staatsanwältin bezeichnet diese Tat bei ihrer Forderung nach einer Gesamtjugendstrafe von vier Jahren als „abartig, brutal und völlig gefühllos“. Der Verteidiger tut die Quälerei dagegen als „infantilen Blödsinn“ ab und plädiert wegen der Unreife seines Mandanten auf eine Bewährungsstrafe.