Zwei Tote in Hamburg

"Ein einfacher Streit dreier Iraner, der eskalierte"

Offenbar eskalierte ein Streit nach der Beleidigung einer Frau in der Gaststätte "Chill inLounge" in Hamburg. Zwei Menschen starben im Kugelhagel.

Foto: dpa / dpa/DPA

Eine der blutigsten Schießereien der vergangenen Jahre in Hamburg hat in der Nacht zum Donnerstag in Barmbek zwei Todesopfer gefordert. An der Hamburger Straße schoss der Betreiber der Chill inLounge zwei Iraner nieder. Einer der Männer war sofort tot, der zweite Angeschossene erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der Schütze wurde festgenommen. In seiner Vernehmung verweigerte er die Aussage. Das Motiv der Tat könnte im Rotlichtmilieu zu finden sein.

Zunächst war es zu einem verbalen Streit in der "Chill inLounge" – einer Gaststätte, die auch gern von Größen aus dem Hamburger Rotlichtmilieu als Treffpunkt genutzt wird –, gekommen. Doch kurz nach Mitternacht eskalierte die Situation vor der Tür, plötzlich fielen mehrere Schüsse.

Getroffen brachen Majid P. (30) und Mehdi A. (25) zusammen. Kurz darauf war ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr vor Ort. Notärzte kümmerten sich um den Angeschossenen. Für Mehdi A. gab es keine Hilfe mehr. Majid P. kam nach seiner Versorgung durch einen Notarzt unter Reanimationsbedingungen ins Krankenhaus. Wenig später meldeten die Ärzte: Auch der Mann ist tot.

Noch am Tatort gab sich Yasser B. (31) der Polizei als Schütze zu erkennen. Beamte legten dem eher schmächtig wirkenden Mann Handschellen an, brachten ihn zum Peterwagen. Der Polizei ist der Iraner wegen einiger Straftaten, darunter Körperverletzungen, bekannt. Neben der "Chill inLounge" betreibt er in Eppendorf den "Sun and Beauty Palace", einen Friseursalon. Der Mann ist verheiratet, hat mehrere Kinder. Auch als Türsteher war er nach Polizeierkenntnissen früher aktiv.

Den Bereich um die "Chill inLounge" sperrten die Einsatzkräfte weiträumig ab. Die dort sechsspurige Straße wurde für den Verkehr gesperrt. Im strömenden Regen suchten Beamte nach Patronenhülsen und anderen Spuren. Noch während der Tatortarbeit fanden sich zu nächtlicher Stunde auffallend viele Männer aus dem Rotlichtmilieu ein.

Einer von ihnen: Omid F. (34), ein Verwandter der festgenommenen Schützen. F. ist vorbestraft wegen Zuhälterei. Er hatte 2007 im Eros Laufhaus auf dem Kiez auf Frank W. geschossen. Dem Mann, der Mitglied der berüchtigten Hell's Angels ist, durchschlug eine Kugel die Wade. Ein gutes halbes Jahr nach seiner vorzeitigen Haftentlassung wegen guter Führung wurde wiederum auf Omid F. geschossen.

Schütze Ali B. (damals 20) wurde ermittelt und verhaftet. Der Mann ist nicht nur wegen Menschenhandel bekannt. Er hat nach Erkenntnissen der Polizei auch Kontakte zu den Hell's Angels. Die beiden Opfer sind ebenfalls polizeibekannt. Majid P. ist mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung aufgefallen. Er ist auch aus dem Türstehermilieu zuzuordnen. Der 25 Jahre alte Mehdi A. hat nach Erkenntnissen der Polizei als einziger Rotlichtbezüge. Er soll mehrere Frauen kontrollieren, die in Appartements als Prostituierte arbeiten.

In der Rotlichtszene sprach sich die Tat blitzschnell herum. Dort glaubte man zunächst an einen Rotlichtkrieg, denn nach einer Messerstecherei 2009 in der Diskothek Edelfettwerk (Volkspark) war Zuhälter Bem-Ho T. zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Für die Übernahme seiner „Geschäfte“ interessieren sich einige Herren aus dem Milieu. Das schloss die Polizei zunächst auch nicht aus. Deshalb wurde in die Ermittlungen der Mordkommission auch das Milieudezernat (LKA 65) einbezogen.

Mittlerweile gehen die Ermittler aber von einer weit banaleren Motivlage aus. Es soll um eine simple Beleidigung gegangen sein. Angeblich hatte Yasser B. schlecht über die Freundin von Mehdi A. gesprochen. Der hatte davon gehört und war mit Majid P. als Verstärkung in der "Chill inLounge" aufmarschiert. Dort gab es nicht nur eine verbale Auseinandersetzung, sondern auch Schläge für Yasser B., der dann seinen Verwandten Omid F. gerufen haben soll.

Doch der – er muss sich derzeit fahren lassen –, kam nicht schnell genug nach Barmbek. Dort eskalierte die Situation, als es für Yasser B. weitere Schläge setzte. Der griff zur Waffe und schoss mehrfach auf die beiden Männer. „Man muss davon ausgehen, dass es ein einfacher Streit unter drei Iranern war, der so schrecklich eskalierte“, so ein Beamter.

Die Mordkommission wird Yasser B. dem Haftrichter vorführen. Damit dürfte die Karriere des Gastronomen und Friseurs für Jahre unterbrochen sein.