Umweltverschmutzung

Shell schweigt zum Ausmaß des Öllecks in der Nordsee

Wie viel Öl aus dem Leck in die Nordsee strömt, ist weiter ungewiss. Das Unternehmen Shell schweigt. Kritisiert wird nicht nur die Informationspolitik.

Das Ausmaß des Öllecks in der Nordsee bleibt unklar. Weder der Betreiber der betroffenen Plattform, Royal Dutch Shell, noch die britischen Behörden machten Angaben zur Größe des Lecks. Wie viel Öl ins Meer strömt, erklärte der Konzern nicht. Es sei aber kein „bedeutendes“ Leck, hieß es.

Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter sei eingesetzt worden, um das Problem zu erkunden. Das Loch war Medienberichten zufolge bereits am Mittwoch an einer Verbindungsstelle zwischen Ölquelle und Plattform entdeckt worden.

Eine Sprecherin für die Maritime and Coastguard Agency erklärte, es lägen ihr keine Informationen über den Stand der Arbeiten vor. Auch bei der Bekanntgabe des Vorfalls am Freitag hatte eine Shell-Sprecherin den Umfang des Lecks an der Plattform Gannet Alpha offen gelassen.

Greenpeace kritisiert Informationspolitik

„Im Moment wissen wir nicht, wie schwerwiegend es ist“, kritisierte der Greenpeace-Ölexperte Ben Ayliffe die Informationspolitik. Sein Kollege Jörg Feddern erklärte, die Betreiber müssten verpflichtet werden, ihre Pläne für derartige Notfälle öffentlich darzulegen. „Nur so ist überprüfbar, ob wirklich alles Erdenkliche unternommen wird, um Katastrophen größeren Ausmaßes zu verhindern.“

Shell war zuletzt vor einer Woche wegen seiner Aktivitäten im Nigerdelta schwer in die Kritik geraten. Ein Bericht des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) geht davon aus, dass die Schäden und Gefahren, die Shell durch schonungslose Erdölförderung dort angerichtet hat, erst in 25 bis 30 Jahren wieder behoben sein werden. Die UNEP-Experten glauben, der Sachschaden gehe in die Milliarden.

Auch Mangrovenwälder sind in Gefahr

Neben den Beeinträchtigungen des Trinkwassers und damit der Gesundheit der Menschen seien vor allem die Mangrovenwälder in Gefahr, hieß es. Es müssten dringend die Lecks in den Leitungen gestopft werden, um weitere Verunreinigungen zu stoppen.

Für die Ölförderung im nigerianischen Ogoniland ist vor allem der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell gemeinsam mit der staatlichen nigerianischen Ölgesellschaft verantwortlich. Shell übernahm die Verantwortung für zumindest zwei Öllecks.