Getöteter Junge

Spurenlage widerlegt Geständnis von Mircos Mörder

Der Prozess um den Mord an dem zehnjährigen Mirco ist am Freitag am Landgericht Krefeld fortgesetzt worden. Im Beisein der Eltern des getöteten Jungen wurde klar, dass auch das jüngste Geständnis des mutmaßlichen Mörders Olaf H. mit der Spurenlage nicht übereinstimmt.

Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco scheint auch bei seinem Geständnis vor Gericht gelogen zu haben. Beim Prozessauftakt vor einem Monat war er von der Variante abgerückt, Mirco ein Messer in den Hals gerammt zu haben. Er hatte sowohl angegeben, dem Kind den Mund zugehalten, in den „Schwitzkasten“ genommen, mit einer Schnur erdrosselt und dann ein Messer in den Hals gestoßen zu haben. Zuletzt hatte er angegeben, er hätte kein Messer benutzt.

Nun gab der Vorsitzende Richter Herbert Luczak jedoch bekannt, dass im Halsbereich von Mircos Poloshirt Blut des Jungen festgestellt wurde. Mircos Eltern waren auch am vierten Verhandlungstag in den Gerichtssaal gekommen – und ertrugen trotz der Warnung des Richters die grausigen Details des Obduktionsberichts.

Bei der Obduktion der skelettierten Leiche Mircos konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Nicht einmal das Geschlecht der Leiche war bestimmbar. Die „fortgeschrittene Skelettierung“ und „deutliche Zeichen des Tierfraßes“ an der in einem Waldstück gefundenen Leiche machten es dem Obduktionsbericht zufolge unmöglich, die genaue Todesursache zu ermitteln. Der Bruch einer Rippe könne auch nach dem Tod des Jungen durch Tiere verursacht worden sein, heißt es im Obduktionsbericht.

Das Skelett des Jungen war nicht mehr vollständig, als es fünf Monate nach der Tat in einem Waldstück gefunden wurde. Ein in den Unterlagen zitierter Rechtsmediziner hält die Erdrosselung des Jungen zwar für die wahrscheinlichste Todesart. „Prinzipiell“ seien aber alle genannten Todesursachen möglich.

Mehr Erfolg hatten die Ermittler bei den übrigen Analysen: An Mircos Jogginghose, die der Täter auf einem Parkplatz weggeworfen hatte, fanden die Kriminaltechniker laut Gutachten fast 2500 Partikel, darunter auch die DNA des Angeklagten. Außerdem stellten sie an ihr Urinspuren fest. Das wiederum deckt sich mit der Aussage von Olaf H., Mirco habe sich vor Angst eingenässt.

Fasern stimmten mit der Kleidung des Angeklagten am Tattag überein. So sei das Hemd von Olaf H. vermutlich in direkten Kontakt mit Mircos Kleidung gekommen, fanden die Kriminaltechniker heraus. Auch habe anhand von Faserspuren „ohne jeden Zweifel“ belegt werden können, dass der Junge im Wagen des Angeklagten gesessen hatte. Der Prozess soll am 2. September fortgesetzt werden. Dann sollen Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten vernommen werden.

Der Zehnjährige war am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. Zeugen hatten am Ort der Entführung auf einem dunklen Feldweg zur fraglichen Zeit einen Kombi beobachtet, wie ihn der Angeklagte fuhr. Die Polizei hatte Monate später in dem damaligen Dienstwagen von Olaf H. Faserspuren von Mircos Kleidung gefunden. Ein Urteil soll am 30. September fallen – etwas mehr als ein Jahr nach der Tat.

Der ehemalige Telekom-Mitarbeiter war dreimal verheiratet und ist mehrfacher Vater. Bis zu seiner Festnahme wohnte Olaf H. unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort Grefrath.