Nach dem Urteil

Wie geht es jetzt mit Inzest-Täter Fritzl weiter?

"Lebenslänglich" lautet das Urteil für den 73-jährigen Josef Fritzl, der unter anderem des Mordes schuldig gesprochen wurde. Doch bedeutet diese Höchststrafe wirklich, dass der Inzest-Täter von Amstetten den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen muss? Rein theoretisch könnte er nach 15 Jahren wieder frei kommen.

Mehr Strafe geht nicht in Österreich: Das Schwurgericht im niederösterreichischen St. Pölten hat einstimmig entschieden, dass der Inzesttäter Josef Fritzl lebenslang ins Gefängnis muss. Außerdem wurde seine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt. Das Urteil ist rechtskräftig. Der 73 Jahre alte Angeklagte nahm den Richterspruch an, auch die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Die acht Geschworenen sprachen ihn in allen Anklagepunkten schuldig. Fritzl war Mord durch Unterlassung, Sklavenhandel, Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und schwere Nötigung vorgeworfen worden.

Geht es nach der 42-jährigen Tochter E., die Fritzl 24 Jahre in einem Kellerverlies eingesperrt hatte, sollte er selbst den Rest seines Lebens in Gefangenschaft verbringen. Erstmals meldete sie sich öffentlich zu Wort. Über ihre Anwältin Eva Plaz ließ sie kurz vor der Urteilsverkündung erklären, sie wünsche, dass ihr Vater nie mehr in Freiheit kommt: „Sie will, dass der Angeklagte bis zum Tod zur Verantwortung gezogen wird“, sagte die Anwältin.

Ist Fritzl therapierbar?

Gerichtssprecher Franz Cutka sagte, Fritzl habe das Urteil „ruhig und gefasst“ aufgenommen. Dass Fritzl jemals wieder auf freien Fuß kommen könnte, hält Cutka höchstens theoretisch für möglich. Dazu würde es zweier Voraussetzungen bedürfen, erklärte er: Zum einen müsste er als geheilt aus der Anstalt entlassen werden. Dann käme er in den normalen Strafvollzug, wo bei Lebenslang eine bedingte Entlassung frühestens nach 15 Jahren denkbar wäre. Darüber müsste ein Gericht entscheiden. „Theoretisch, glaube ich, wäre das möglich“, sagte der Sprecher.

Nach dem Urteil, das endgültig und rechtskräftig ist, bleibt Josef Fritzl noch vorübergehend im Gefängnis in St. Pölten. Dort sitzt er in einer Zwei-Mann-Zelle. Nach dem „sehr strengen“ Urteil würden Maßnahmen zur Suizidprävention ergriffen, sagte der stellvertretende Gefängnisdirektor Erich Huber-Günsthofer, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Nach einer nochmaligen Begutachtung werde entschieden, in welche Anstalt für geistig abnorme Straftäter er eingewiesen werde. Eine psychiatrische Gutachterin hatte Fritzl beim Prozess eine schwere Persönlichkeitsstörung und anhaltende Gefährlichkeit bescheinigt. Aufgrund der schriftlichen Urteilsbegründung entscheidet das Justizministerium in Wien über die Verlegung – wahrscheinlich in das Gefängnis Wien-Mittersteig, in dem auch Maßregelvollzug für psychisch kranke Täter möglich ist.

Dort wird Fritzl dann nach verschiedenen Kriterien befragt und untersucht: Ist er therapiefähig? Ist er für eine Therapie motiviert? Ist er überhaupt fähig zu einer Veränderung? Welche Therapie kommt für eine Veränderung infrage? Besonders wichtig ist die grundsätzliche Klärung, wie gefährlich der Verurteilte weiterhin ist, und ob er durch therapeutische Maßnahmen dazu gebracht werden kann, gesellschaftliche Normen zu akzeptieren.

Aufgrund dieser Untersuchung soll der Vollzugsdirektor dann eine Empfehlung an das Justizministerium abgeben, wo Fritzl seine Haft - und möglicherweise eine gleichzeitige Therapie – beginnen soll. Infrage kommen neben Wien-Mittersteig die Strafanstalten in Graz-Karlau, Garsten oder Stein. Fritzls Anwalt vermutet der Nachrichtenseite Oe24.at zufolge, dass der Verurteilte in die Strafanstalt nach Garsten kommt.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen