Schleswig-Holstein

Pädophiler Betreuer filmt Missbrauch von Kindern

Monatelang schändete ein 32-Jähriger Kinder, die er beaufsichtigen sollte. Er filmte die Verbrechen und zwang die Opfer zu sexuellen Handlungen untereinander.

Wenige Jahre nach seiner Haftentlassung steht ein verurteilter Kinderschänder aus Kiel erneut wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Die Anklage wirft ihm vor, sechs ihm anvertraute Kinder ein halbes Jahr lang von Juli 2010 bis Januar 2011 sexuell missbraucht zu haben.

Der Mann hatte sich schon einmal an einem Kind vergangen und war im Februar 2007 vom Hamburger Landgericht wegen schweren Missbrauchs zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Eine dreiviertel Stunde lang listete der Staatsanwalt zum Auftakt des neuen Prozesses rund 40 Missbrauchsfälle auf. Der Angeklagte habe sich von den Kindern im Alter von drei bis neun Jahren befriedigen lassen, sie auch untereinander zu sexuellen Handlungen gezwungen und sie dabei gefilmt und fotografiert.

Die alleinerziehenden Mütter der Kinder hätten dem Mann vertraut. Er habe die Kinder in den Kindergarten und zum Fußballverein gebracht und die Hausaufgaben beaufsichtigt. Die Kinder durften auch bei ihm übernachten. Sie nannten ihn „Papa“ oder „Onkel“.

Kinderschänder drohte der Nachbarstochter

In dem Verfahren sind vier Kinder seiner früheren Lebensgefährtin und ein Nachbarkind als Nebenkläger zugelassen. Sie werden anwaltlich vertreten. Betroffen ist als sechstes Opfer ein Kind der Schwester der Lebensgefährtin.

Die Mutter des Nachbarkindes zeigte den 32-Jährigen Ende Januar 2011 an, nachdem ihre Tochter einen Tag zuvor drei Stunden bei ihren Schulkameradinnen und dem Mann verbrachte. Die Neunjährige sei am nächsten Morgen außer sich gewesen und habe schrecklich geweint, schilderte die 38-Jährige am Rande des ersten Prozesstages.

Als sie nachfragte, habe die Tochter ihr unter Tränen gesagt: „Ich will es dir sagen, aber ich darf es nicht.“ Der Mann habe gedroht, der Mutter und ihr sonst etwas anzutun.

Täter zeigte den Kindern Pornografie

Die Nachbarin saß als einzige der betroffenen Mütter dem Angeklagten zum Prozessauftakt gegenüber. Die frühere Lebensgefährtin des Angeklagten und ihre Schwester sollen noch als Zeuginnen gehört werden. Der schlanke Mann mit auffallend hoher Stirn, dunklem Haar und einem dünnen Kinnbart, der seit Ende Januar 2011 in Untersuchungshaft sitzt, blickte die 38-Jährige nicht an. Er wirkte ruhig und unbewegt. Manchmal schien es, als lächele er.

Laut Anklage zeigte der 32-Jährige den Kindern Pornofilme und -bilder. Die sexuellen Übergriffe an ihnen filmte oder fotografierte er und speicherte sie auf eindeutig beschrifteten CDs. Dabei ließ er die Kinder auch in eindeutigen Stellungen posieren, schilderte der Staatsanwalt. Bei der Verlesung der Anklage verließ der Vater des Nachbarkindes fassungslos den Gerichtssaal.

Die Kinder hatten laut Staatsanwalt auf die widerwärtigen Sexualpraktiken des Angeklagten mit deutlichem Widerwillen reagiert. In einem Fall habe der einem Kind zwei Euro gegeben, damit er oral befriedigt wurde.

Der Angeklagte wird voraussichtlich am zweiten Verhandlungstag, dem 10. August 2011, aussagen, kündigte sein Verteidiger an. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters wird ein sexualmedizinischer Gutachter möglicherweise die Einweisung des Mannes in die Psychiatrie empfehlen. Weil der Sachverständige zum ersten Prozesstermin nicht erscheinen konnte, wurde zunächst nur die Anklage verlesen.

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