Prozess in Fulda

Teenager bei Autokauf getötet – Angeklagter schweigt

Er soll bei einem vorgetäuschten Autogeschäft einen 17-Jährigen aus dem Hinterhalt erschossen haben. Vor Gericht wirkt der arbeitslose Mann emotionslos.

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Die Mutter hält dem mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes unter Tränen ein Bild des 17-jährigen Lorenzo entgegen. „Das hast du kaputtgemacht, die ganze Familie hast du kaputtgemacht“, schreit sie den Angeklagten Oliver P. an. Der 39-Jährige sitzt ihr mit regungsloser Miene gegenüber. Der Auftakt im Mordprozess wurde vor dem Landgericht Fulda unter starken Sicherheitsvorkehrungen und großem Interesse der Öffentlichkeit eröffnet.

Direkt nach dem gewaltsamen Tod des Jugendlichen aus München waren rund 300 seiner Verwandten aus der ganzen Bundesrepublik und Europa an den Tatort gereist, um sich von Lorenzo zu verabschieden. Der 17-Jährige hinterlässt eine junge Frau und Tochter.

Staatsanwältin Christina Dern verlas die Anklage: Dem arbeitslosen Angeklagten P. aus Grünberg im Landkreis Gießen wird vorgeworfen, am 11. Februar dieses Jahres das spätere Opfer und dessen 19-jährigen Schwager in einen Hinterhalt gelockt zu haben. Er soll den 17-Jährigen hinterrücks mit sieben Schüssen ermordet haben.


Laut Staatsanwaltschaft hatte P. einen Autoverkauf vorgetäuscht und die beiden Kaufinteressenten vom Bahnhof Fulda in eine abgelegene Gasse gelockt. Dort fielen die tödlichen Schüsse, als sie auf das angeblich zum Verkauf stehende Auto warteten, das aber gar nicht existierte.

Der Schwager des Toten konnte unverletzt flüchten und von einer nahegelegenen Tankstelle die Polizei alarmieren. Er hatte großes Glück: P. schoss laut Anklage auch in dessen Richtung, erwischte allerdings nur die Hose des jungen Mannes. Offensichtlich hatte es der Angeklagte den Angaben zufolge auf die verabredete Kaufsumme von 15.000 Euro in bar abgesehen .

Seine Lebensgefährtin Mareen S. sitzt ebenfalls auf der Anklagebank. Sie soll laut Staatsanwaltschaft von dem Betrugsversuch gewusst und Beihilfe geleistet haben. Allerdings habe sie keine Kenntnis von der Tatsache gehabt, dass ihr Lebensgefährte eine Waffe dabei hatte, sagte Dern. Am Tatort war sie nicht dabei und ist auf freiem Fuß.

Bereits drei Tage nach der Tat konnten die Ermittler den mutmaßlichen Täter fassen. P. sitzt seitdem in der JVA Kassel ein. Der Angeklagte wollte sich zum Prozessauftakt nicht äußern. Die Verhandlung wurde nach dem Verlesen der Anklage vertagt. Der Prozess wird am 25. August fortgesetzt. Bis dahin sollen mehrere Gutachten vorliegen. Das Urteil wird nach elf Verhandlungstagen im Oktober erwartet.

Offensichtlich schockiert verließen die Mutter sowie zahlreiche weitere Angehörige von Lorenzo den Gerichtssaal in Fulda. Sie fordern, dass auch die Mitangeklagte in Untersuchungshaft kommt. Die Familie konnte die Mutter des Opfers nur schwer beruhigen, während der Hauptangeklagte unter großem Polizeiaufgebot wieder in die JVA gefahren wurde.