Vergewaltigungsvorwurf

Die Sex-Affäre um DSK wird zum Übersetzungsstreit

Der Anwalt des mutmaßlichen Opfers der Sex-Affäre um D. Strauss-Kahn hat die Übersetzung eines Telefonats für falsch erklärt. Seine Mandantin spricht "fulfuldisch".

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/EPA

Der Fall Dominique Strauss-Kahn entwickelt sich zu einer Herausforderung für Übersetzer, die auf den westafrikanischen Zweig der Niger-Kongo-Sprachgruppe spezialisiert sind. Seine Mandantin habe den Satz "Mach dir keine Sorgen, der Typ hat eine Menge Geld. Ich weiß, was ich tue“ nie gesagt, erklärte Kenneth P. Thompson, der Anwalt von Nafissatou Diallo, die den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds beschuldigt, sie zum Oralsex gezwungen zu haben.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Manhattan das Zimmermädchen mehrere Stunden lang angehört. Mit dem genannten Satz hatte die „New York Times“ Ende Juni das Zimmermädchen unter Berufung auf Ermittlerkreise zitiert.

Diallo soll die Äußerungen in einem abgehörten Telefonat mit einem inhaftierten Freund am Tag nach dem Vorfall gemacht haben. Neben anderen Enthüllungen hatte vor allem dies Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers geweckt und Staatsanwalt Cyrus Vance jr. dazu bewogen, den Hausarrest gegen Strauss-Kahn am 1. Juli aufzuheben.

Telefonat zweier Freundinnen

Das Gespräch zwischen der aus Guinea stammenden Diallo und ihrem aus Sierra Leone kommenden Gesprächspartner Amara Tarawally wurde in „einem besonders obskuren Dialekt“ von Diallos Muttersprache Fulfulde geführt, wie das Magazin „Time“ schreibt. Fulfulde, auch Ful, Fulani, Peul oder Pular genannt, wird vor allem in Westafrika gesprochen, gilt als äußerst variantenreich und grammatikalisch hochkomplex.

Auch deshalb dauerte es mehrere Wochen, bis der Staatsanwaltschaft die Mitschrift der Übersetzung des Dialogs vorlag, der zwischen dem Zimmermädchen und ihrem in einer Strafanstalt in Arizona wegen Marihuanahandels einsitzenden Freund geführt wurde.

Diallos Anwalt Thompson erklärte nun, nachdem er und seine Mandantin den Mitschnitt im Beisein eines Übersetzers im Büro des Staatsanwalts abgehört hatten, die Worte des Zimmermädchens seien falsch wiedergegeben worden.

„Es ist eine Tatsache, dass das, was sie (die Staatsanwaltschaft) Ihnen und mir gesagt haben, nicht akkurat war“, sagte Thompson bei einer Pressekonferenz. „Frau Diallo hat nie gesagt ‚Ich werde von dem Typ Geld bekommen‘ oder irgendetwas über einen Plan, an sein Geld heranzukommen.“

Auch habe sie den inhaftierten Bekannten nicht angerufen, sondern dieser sie. In dem Gespräch einen Tag nach dem Vorfall in der Suite 2806 des „Sofitel“ habe sie gesagt, jemand habe versucht, sie an ihrem Arbeitsplatz zu vergewaltigen.

"Wir haben gekämpft"

Thompson, der des Fulfuldischen ebenso wenig mächtig ist wie der Staatsanwalt oder Strauss-Kahns Verteidiger, gab die Worte seiner Mandantin nun so wieder: „Sie sagte: ,Ich weiß nicht, wer er war. Wir haben gekämpft. Weil er meine Kleider nicht ausziehen konnte, hat er seinen Penis in meinen Mund gesteckt. Er hat mich berührt. Sie haben mich ins Krankenhaus gebracht, und er wurde verhaftet.‘“

Die Darstellung des Ablaufs habe sich mit dem gedeckt, was Diallo am Tag der Tat den Ermittlern berichtet habe, betonte Thompson. Zu keiner Zeit habe sie Strauss-Kahns Status oder Vermögen erwähnt, behauptet der Anwalt, der auf Entschädigungs- und Diskriminierungsfälle spezialisiert ist.

Thompson hat bereits angekündigt, dass Diallo Zivilklage erheben wird. In einem Zivilprozess ist das Beweismaß niedriger als in einem Strafprozess. Laut Thompson sei es vor allem Diallos Freund gewesen, der in einem zweiten Telefonat die Frage nach Strauss-Kahns Vermögen aufgeworfen habe.

Tarawally habe zu Diallo gesagt: „Du wirst eine Menge Geld kriegen.“ Während sich ihr Gesprächspartner über diese Aussicht anscheinend begeisterte, habe Diallo gebremst und geantwortet, das sei nicht ihre Absicht, der Anwalt kümmere sich darum.

Die Staatsanwaltschaft, die Diallos Aussagen Ende Juni sehr kritisch sah und deshalb den Hausarrest gegen Strauss-Kahn aufhob, muss nun entscheiden, ob sie den Fall noch vor Gericht bringt. Möglicherweise steht dann ein Linguistenstreit unter Fulfulde-Experten bevor.

Diallos Medienoffensive – sie äußerte sich in den vergangenen Tagen erstmals öffentlich und bekräftigte in Interviews mit „Newsweek“ und dem Sender ABC ihre Vorwürfe – ist Teil des Versuchs ihrer Anwälte , Druck auf die Staatsanwaltschaft auszuüben, das Verfahren nicht einzustellen.

Strauss-Kahns nächste Anhörung wurde bereits zweimal verschoben, zuletzt auf den 23.August. Kein Kommentar, man ermittle, verlautete am Donnerstag karg aus dem Büro des Staatsanwaltes. Für Strauss-Kahn äußerte sich einer seiner Verteidiger, William W. Taylor III., zu dem Übersetzungsstreit: Er bezeichnete die Ausführungen von Diallos Anwalt schlicht als „außergewöhnlich irreführend“.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen