Alanya

Pool-Wasserpumpe saugt 11-Jährige in den Tod

Im Nichtschwimmerbereich eines Hotelpools an der türkischen Riviera starb eine 11-jährige Schweizerin. Eine ungesicherte Wasserpumpe riss sie in die Tiefe.

Es ist Hochsaison an der türkischen Riviera. Ein wolkenloser Himmel und Temperaturen über 30 Grad locken Touristen aus aller Welt in die Region um Alanya. Was sich allerdings Ende Juli im Poolbecken eines Drei-Sterne-Hotels abspielt, passt so gar nicht zum Urlaubsidyll: Wie die Schweizer Zeitung "Blick" berichtete ist eine elf Jahre alte Schülerin aus der Schweiz in einem Nichtschwimmerbecken ertrunken.

Offenbar geriet Melanie S. aus Münchenstein bei Basel beim Tauchen in den Sog einer Pumpe. Erst als die Pumpe abgestellt wurde, konnten herbeigeeilte Badegäste das regungslose Mädchen aus dem Wasser ziehen. Als nach 30 Minuten der Notarzt am Pool eintrifft, ist Melanie bereits tot.

Nach ersten Erkenntnissen fehlte vor der Pumpe, die Wasser für eine Rutsche ansaugte, das vorgeschriebene Sicherheitsgitter. "Hätte man es mit der Reinigung, der Überwachung und den Reparaturen am Pool ein wenig genauer genommen, würde Melanie jetzt noch leben", zitiert der "Blick" die 42 Jahre alte Mutter Monique S. Offenbar versuchten Hotelangestellte nach dem Unfall, das fehlende Sicherheitsgitter nachträglich zu installieren – um die Ermittler zu täuschen. Augenzeugen alarmierten allerdings die Polizei, der Vertuschungsversuch flog auf.

Das Unglück erinnert an einen ähnlichen Vorfall im bulgarischen Schwarzmeer-Badeort Slatni Pjassazi, bei dem Mitte Juli die 13-jährige Sarah E. aus Sachsen-Anhalt ums Leben kam. Auch dort sorgte eine defekte Pumpe für einen starken Sog, aus dem sich das Mädchen nicht befreien konnte.

Das Becken war nach Behördenangaben noch nicht offiziell zugelassen. In Deutschland liegen vergleichbare Badeunglücke länger zurück: Zuletzt war 2005 ein zehnjähriges Mädchen im Freizeitbad "Gumbala" in Gummersbach ertrunken, nachdem sich ihre Haare in der Saugöffnung eines Whirlpools verfangen hatten.

Grundsätzlich hält Hennig Bock von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die deutschen öffentlichen Bäder für sicher. Badeunfälle gebe es zwar immer wieder, defekte Anlagen seien dafür aber nicht verantwortlich. Auch im Ausland gebe es bis auf wenige Ausnahmen keine Häufung derartiger Unglücke. Matthias Oloew von den Berliner Bäderbetrieben stellt allerdings klar: "Wenn die Pumpe europäischen Normen entsprechen würde, dürfte sie nicht so stark sein, dass irgendetwas angesaugt wird – nicht einmal Haare."

In Deutschland gibt es für den Betrieb öffentlicher Bäder strenge Richtlinien. So dürfen die Löcher der Gitter vor den Absaugrohren nicht größer als drei Millimeter, ab einer Wassertiefe von 60 Zentimetern nicht größer als acht Millimeter sein.

Geregelt ist zudem die Strömungsgeschwindigkeit, die in den Gittern erreicht werden darf: Sie soll den Wert von 0,3 Metern pro Sekunde nicht überschreiten. Die Maximalkraft, die dabei entstehen darf, liegt bei 25 Newton – das entspricht 2,5 Kilogramm. "Das ist eine Kraft, die im Wasser selbst Erwachsene in Gefahr bringen kann", sagt Diplomingenieur Stefan Mersmann, der die "Deutsche Gesellschaft für das Badewesen" berät.

Für deutsche Anlagen sieht Mersmann keinen Anlass zur Sorge: Neue Bäder seien mit Sicherheitssystemen ausgestattet. "Falls durch einen Badegast an einer Ansaugeinrichtung Unterdruck erzeugt wird, schaltet sich die Pumpe sofort automatisch ab, und die Leitung wird belüftet", so Mersmann. Dadurch werde ein maximaler Schutz erreicht. Mittlerweile seien viele ältere Bäder umgerüstet worden.

Doch obwohl die Sicherheitsstandards auch im Ausland in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, sei ihre Umsetzung noch immer lückenhaft. Für Hotelpools in ausländischen Ferienanlagen gibt Mersmann jedenfalls eine grundsätzliche Empfehlung: "Man sollte darauf achten, dass die Ansaugöffnungen abgedeckt und gesichert sind. Eine ungesicherte Ansaugöffnung im Pool kann lebensgefährlich sein."