Bei voller Fahrt

Drogendealer erschießt Autofahrer von Rückbank

Im Streit um Marihuana soll ein 31-Jähriger einen Mann ermordet haben, als der am Steuer saß. Monate später ist der Verdächtige in Rheinland-Pfalz gefasst worden.

Im Streit um Drogen soll ein 31-Jähriger einen Autofahrer in Hamburg-Hamm bei voller Fahrt erschossen haben. Fast fünf Monate nach dem tödlichen Schuss haben Fahnder den mutmaßlichen Schützen in Rheinland-Pfalz verhaftet.

Der Verdächtige wurde in der Wohnung einer Familienangehörigen in Montabaur gefasst, wie eine Polizeisprecherin sagte. Seit dem Todesschuss war der Mann untergetaucht. Der 31-Jährige sitzt nun wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Die Polizei hatte Ende Februar zunächst wegen eines vermeintlichen Verkehrsunfalls ermittelt: Das Auto des 28 Jahre alten Fahrers hatte mehrere Wagen am Straßenrand gerammt und war schließlich gegen einen Baum geprallt.

Der Fahrer war tot, der Beifahrer schwer verletzt. Außerdem wurde ein Radfahrer angefahren und leicht verletzt. Erst bei der Obduktion entdeckten Rechtsmediziner, dass der 28-Jährige an einer Schussverletzung im Oberkörper gestorben war. „Dadurch war das Fahrzeug außer Kontrolle geraten“, sagte die Sprecherin.

Tödliche Eskalation wegen Marihuana

Hintergrund der tödlichen Attacke soll ein Streit um zwei Kilo Marihuana gewesen sein, wie Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers sagte. Der Verdächtige soll das Rauschgift im Auto von dem 28-Jährigen bekommen haben, um damit zu dealen. Nach Erkenntnissen der Ermittler weigerte er sich jedoch, den Kaufpreis zu zahlen – und es kam zum Streit. Im fahrenden Auto soll der 31-Jährige dann aus nächster Nähe mit einer Pistole auf den Fahrer gefeuert haben. Mit dem Marihuana floh er anschließend vom Tatort.

Der schwer verletzte Beifahrer hatte bereits in einer ersten Befragung erklärt, es habe einen Streit zwischen dem Fahrer und dem „dritten Mann“ gegeben, der mit ihnen im Wagen saß. Plötzlich habe er einen lauten Knall gehört. Der Verdächtige sei noch während der Fahrt aus dem Auto gesprungen.

Haftbefehl wegen Habgier

Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Und stellte fest: „Die Untersuchung des Schusskanales ergab, dass der Täter rechts hinter dem Fahrer gesessen haben muss.“ Das Projektil sei in der rechten Achselhöhle eingetreten und dann im Oberkörper steckengeblieben, erklärte die Polizeisprecherin.

Nach intensiven Ermittlungen hatten Personenfahnder des Hamburger Landeskriminalamts (LKA) den 31-Jährigen in Montabaur ausfindig gemacht. Dort soll er sich bereits seit einigen Tagen aufgehalten haben, sagte Möllers. Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Rheinland-Pfalz nahmen den Mann in der Nacht zum Mittwoch in der Wohnung einer Angehörigen fest. Um wen es sich dabei handelt, wollte die Polizeisprecherin nicht sagen.

Eine Haftrichterin am Amtsgericht Koblenz verkündete dem 31-Jährigen den Haftbefehl wegen Mordverdachts aus Habgier. „Der Verdächtige hat keine Angaben zum Tatvorwurf gemacht“, berichtete Möllers.