Ermittlungen

Soko sucht nach Bombendroher von Usedom

Nach dem Fund einer Kleinbombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Tür eines Gutshofes in Lütow auf der Insel Usedom ermittelt jetzt eine Sonderkommission der Polizei. Angeblich herrscht in dem Ferienort seit Jahren ein Kleinkrieg zwischen den Bewohnern.

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Die Bombe war zum Glück nicht scharf, aber keiner weiß bisher genau, wie sie an die Haustür kam: Einen Tag nach der Bombendrohung gegen ein Gutshaus mit Ferienwohnungen auf der Insel Usedom hat die Polizei eine Sonderermittlungsgruppe gebildet. „Bisher ist aber noch unklar, wer das war“, sagte Ortrun Schwarz, Sprecherin der Polizei in Anklam.

Im Ort selbst wird ein Zusammenhang mit anderen Straftaten vermutet: Seit zwei Jahren werden in und um Lütow auf der Halbinsel Gnitz immer wieder mal Häuser beschmiert oder Reifen zerstochen. „Das mit der Übungsbombe war der traurige Höhepunkt“, sagt Amtsleiter Stefan Weigler in Wolgast. Wegen des Fundes fiel am Montagabend auch die Gemeindevertretersitzung im Haus gegenüber aus.

Am frühen Montagnachmittag hatte der Eigentümer des Gutshauses im Ortsteil Neuendorf, der CDU-Gemeindevertreter Claus-Christoph Ziegler, die mit einem Draht am Türdrücker befestigte Kleinbombe entdeckt. Da die Bombe zunächst als scharf angesehen wurde, musste das Gelände weiträumig abgesperrt werden. Etwa 40 Feriengäste des Hauses waren von der Sperrung betroffen.

Erst nach der Bergung und Öffnung des Fundes in der Nacht gaben Munitionsexperten wieder Entwarnung: In der Bombe habe sich lediglich „Übungsmasse und ein Übungszünder“ befunden. „Bis wir uns nicht zweifelsfrei davon überzeugt haben, dass es eine Übungsbombe ist, gilt sie als „scharf", begründete Torsten Hauk vom Schweriner Munitionsbergungsdienst am Dienstag das Vorgehen.

Solche Übungsbomben stammten aus dem Zweiten Weltkrieg und seien der Kleinbombe „SD 1“ täuschend ähnlich. „Übungsbomben haben eine andere Farbe, wenn die verwittert ist, kann man die Varianten nicht mehr äußerlich auseinanderhalten“, sagte Hauk. In diesem Fall sei die Übungsbombe vermutlich aus der Ostsee angespült worden, wo sie ihre Farbe verloren hatte.

Wer die Übungsbombe dann nahm und mit Draht fest an die grüne Haustür gewickelt hat, blieb bisher unklar. „Entweder hat jemand genau gewusst, was er tat – oder es war einfach Dummheit“, sagte die Polizeisprecherin zu den Hintergründen des Vorfalls.

Die Vermutungen des Amtsleiters Weigler gehen in zwei Richtungen: „Es kann sein, dass sich jemand für eine nicht bezahlte Rechnung rächen wollte.“ Der Besitzer Ziegler hatte das marode Gutshaus ab 2002 denkmalgerecht saniert, wobei es Auseinandersetzungen mit Firmen gegeben haben soll. Zweite Richtung: „Die Gemeindevertretung ist in Lager zu je drei Gemeindevertretern tief gespalten.“ Zur einen Hälfte gehört Ziegler, der am Dienstag nicht zu erreichen war, zum anderen Lager die langjährige Bürgermeisterin Hiltraud Wessel (parteilos).

„Vielleicht kommt die Polizei ja jetzt endlich auf die Spur jener Leute, die schon 2009 unser ganzes Haus und die Blumenkästen mit einer bitumenähnlichen Flüssigkeit verunstaltet haben“, schimpft die 71-Jährige Wessel. Ihr Mann sei noch heute enttäuscht von den ergebnislosen Ermittlungen der Polizei bisher. Neben Wessels Haus waren zwei weitere Häuser mit solcher Flüssigkeit besudelt worden, darunter auch das Gutshaus. „Vielleicht hilft ja jetzt der „Kommissar Zufall„“, hofft die Bürgermeisterin.

Zuletzt gab es in der Gemeinde Streit um einen Straßenbau. Ein Lager warf dem anderen Lager vor, sich durch Landtausch kostengünstig Parkplätze zu verschaffen. „Weil man sich nicht rechtzeitig einigen konnte, wurde die Straße eben nach Plan gebaut“, sagt Amtsleiter Weigler. Der Tausch und die Parkplätze kamen nicht zustande, aber die Baumaßnahme sei 4000 Euro teurer geworden.