Ukraine

21 Tote bei zwei Minenunglücken hintereinander

Ein Land, zwei Tragödien: Erst sterben 17 Bergleute bei einer Explosion. Fast zeitgleich kommt es in einer anderen Mine zu einem Einsturz.

Bei zwei Unglücken in Bergwerken in der Ukraine sind 21 Menschen ums Leben gekommen, 16 weitere wurden vermisst. Durch die Explosion in einer Kohlemine in der östlichen Luhansk-Region in der Nacht zum Freitag starben 17 Menschen, neun weitere wurden vermisst, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. In der Region Donetsk im Osten starben mindestens vier Menschen, als ein Förderturm einstürzte.

Die Explosion in der Mine in Luhansk ereignete sich in rund 900 Metern Tiefe, als sich 28 Kumpel in der Mine aufhielten. Ersten Erkenntnissen der örtlichen Behörden zufolge ist der Unfall auf eine Methangasexplosion zurückzuführen. Drei Arbeiter erlitten Verbrennungen und andere Verletzungen.

Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht. Das Schicksal von neun weiteren Bergleuten sei unklar, erklärte das Katastrophenschutzministerium in Kiew. Der Chef einer örtlichen Gewerkschaft, Dmitri Kalitwenzew, ging davon aus, dass auch die Vermissten bei dem Unglück getötet wurden.

Ein Mitarbeiter der privaten Metinvest-Gruppe, zu der die Minenbetreibergesellschaft gehört, sagte AFP, das Bergwerk sei zwar mit viel Geld saniert worden, dennoch sei es "unglaublich gefährlich". Die Mine zähle zu den gefährlichsten Kohlebergwerken des Landes, da es eine hohe Methangaskonzentration gebe und es bereits in der Vergangenheit zu Unfällen gekommen sei. Die Familien der Todesopfer würden jeweils eine Entschädigung von umgerechnet 87. 000 Euro erhalten.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew sprach seinem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch in einem Telegramm angesichts des Unglücks sein Beileid aus. Janukowitsch wollte noch am Freitag zu der Mine nach Luhansk reisen, wie eine örtliche Behördensprecherin sagte. Der ukrainische Energieminister Juri Boiko reiste ebenfalls zum Unglücksort, um persönlich die Rettungsarbeiten zu betreuen.

In einer anderen Mine in der östlichen Ukraine stürzte derweil ein Fördergerüst ein, wobei drei Menschen getötet wurden. Zehn der insgesamt 13 Kumpel werden noch vermisst, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. Zwei Bergleute konnten gerettet werden. Das 70 Meter hohe Gerüst, das die Bergarbeiter nach oben und unten befördern sollte, war in einer Mine in der Stadt Makijiwka in der Region Donetsk eingestürzt. Hunderte weitere Bergleute konnten sich über Notfalltunnel retten.

Ukrainische Bergwerke zählen zu den gefährlichsten weltweit. Bei vielen von ihnen stammt die Ausrüstung noch aus der Sowjet-Ära, in moderne Sicherheitsvorkehrungen wird kaum investiert. Die Minen sind deshalb regelmäßig Schauplatz von tödlichen Unglücken.

Meist werden sie durch austretendes Methangas aus dem Boden ausgelöst. In dem Kohlebergwerk in Lugansk hatte es bereits im Juni einen Vorfall gegeben, der aber glimpflich ausgegangen war. Berichten zufolge konnten damals alle Kumpel sicher aus der Mine gerettet werden. 2007 kamen bei dem schwersten Grubenunglück der Sowjet-Zeit mehr als hundert Minenarbeiter bei einer Explosion im größten Bergwerk der Ukraine ums Leben.