70. Geburtstag

Richtig ohrfeigen mit Terence Hill

Niemand kann so schön zuhauen: Am Sonntag wird der Schauspieler Terence Hill 70 Jahre alt. Er hat als Identifikationsfigur viel bewirkt. Junge und alte Jungens sind ihm dankbar für manche Prügelei. Die Filme waren zwar keine Meisterwerke. Man muss Terence Hill aber trotzdem loben.

Die Sache ist einfach und zugleich kompliziert. Es geht so: Der Mann mit Hut steht in der Bar ganz nah vor dem Mann ohne Hut. Der Mann mit Hut eröffnet mit dem Satz: „Du siehst gut aus, heute schon gekotzt?“ Mann ohne Hut: „Deine Witzchen vergehen dir gleich.“ Jetzt heißt es, fix zu reagieren.

Klatsch! Der Mann mit Hut verabreicht eine Ohrfeige mit links. Zugleich raubt er dem Mann ohne Hut die Pistolen, damit die Sache nicht ausartet. Blitzschnell steckt er die Pistolen zurück, ohrfeigt mit rechts. Dann beschleunigt sich das Ganze noch. Linke Ohrfeige. Rechte Ohrfeige. Beidseitige Ohrfeigen. Man verliert beim Zugucken schnell den Überblick. Als Rausschmeißer folgen die Ankündigung „Locke, ich muss dir noch einen Satz warme Ohren verpassen“ und final beidseitige Ohrfeigen. Klatsch, klatsch.

Terence Hills Auftritt im Film „Mein Name ist Nobody“ (1973) hat Generationen von Jungen begeistert. Hier bot sich eine faszinierende Problemlösungstechnik an. Damals waren Ohrfeigen noch nicht ganz aus der Mode, und wer sich nach Schulschluss ein wenig prügelte, galt nicht sofort als gesellschaftliche Randexistenz.

Terence Hill machte mit der flachen Hand erstaunliche Geräusche, als ob er den Bösewichtern mit dünnem Blech ins Gesicht schlüge. Wahrscheinlich wollten viele Jungen in den Siebzigerjahren vor allem das Terence-Hill-Geräusch erzeugen. Wenn Kampfpartner Bud Spencer zuschlug, dann mit der Faust auf den Kopf, worauf die Getroffenen sofort umfielen. Es klang nach schwerer Glocke. In Italien heißt der Bud-Spencer-Haudrauf „Taubenschlag“. Man kann die Zeit im Kino mit Terence und Bud durchaus im milden Licht der Verklärung sehen.

Jetzt aber ein großer, aber wichtiger Sprung in die Gegenwart. Die deutschen Jungen stehen schlecht da; nur Robbenbabys in Not werden derzeit noch mehr bemitleidet. Jungs werden von Mädchen überflügelt und können ihre Bedürfnisse nicht ausleben. Pädagogen und Sozialforscher breiten Theorien aus. Ohrfeigen spielen dabei keine Rolle, nicht bloß, weil man selbige in der anständigen Wirklichkeit nicht verabreichen soll, sondern weil die Regularien der Jugendgewalt anders sind. Es gibt die weitgehend harmlose Rangelei unter Jungen kaum noch, zu viel „Happy Slapping“ und Butterflymesser. Im Licht der Debatten über benachteiligte Heranwachsende bekommen die Prügel-Filme ein anderes Gewicht.

Denn der Schauspieler begünstigte in seinen Rollen jede Menge Fantasien. Zum Beispiel ist Hill in den Filmen ständig ungeheuer schmutzig, er isst seine riesige Portionen Bohnen stets ungewaschen, das mögen Jungs eben gerne. Der Mann war stets smart, nett, unbedingt schlagfertig, er konnte sich gut ducken. Terence Hill steckte Hiebe mit Holzbeinen locker weg, und er teilte fantasievoll aus.

Selbstverständlich propagierte er, dass Fausthiebe okay sind. Traf ja auch immer die Richtigen. Die Titel der Filme waren austauschbar, vieles wurde in Synchronisationen umgedeutet. Die vermeintliche Fortsetzung „Nobody ist der Größte“ (1975) etwa handelt nur in Deutschland von Nobody; eigentlich heißt der Held in „Un Genio, Due Compari, Un Pollo“ (Ein Genie, zwei Kumpel, ein Huhn) Joe Thanks. Wen schert's?

Natürlich waren das keine Meisterwerke. Aber sie standen in einer Tradition: In vielen Kinderklassikern geht es um Bandenkriege und lustige Keilereien, von „Tom Sawyer“, dem „Krieg der Knöpfe“ über „Der kleine Nick“ bis zu „Pippi Langstrumpf“, die den Mädchen ein Vorbild ist, weil sie Jungs und Männer verhaut.

Der positive, prügelnde Komödien-Held fand in Terence Hill einen perfekten Ausdruck. Pubertierende sind – ohne das jetzt gering zu schätzen – für schlichte Genüsse empfänglich. Das fehlt heute eindeutig. Wenn im Fernsehen „Das Krokodil und sein Nilpferd“ läuft oder „Vier Fäuste für ein Halleluja“, ist das Staunen groß. Es war eine liebe Zeit.

Das Verblüffende an der Sache ist, dass bei Terence Hill das Echte und Unechte wunderbar ineinandergreifen. Selbstverständlich ist der englische Name falsch. Mario Girotti wurde 1939 in Venedig geboren, seine Mutter war Deutsche. 1943 zogen sie in ein Dorf bei Dresden, der Fünfjährige konnte sich später an die Zerstörung Dresdens erinnern. Mario sprach nur Deutsch, als sie nach dem Krieg mit einem Leiterwagen nach Italien zogen. Terence Hill hat nach der Wende Dresden wiedergesehen und, tief bewegt, das Grab seines deutschen Großvaters besucht.

Als Jugendlicher schwamm er bei Meisterschaften, in seiner Mannschaft traf er Carlo Pedersoli, der sich später Bud Spencer nannte. Der Werdegang des Schauspielers ist bekannt. Mario Girotti wurde als Zwölfjähriger von Regisseur Dino Risi beim Schwimmen entdeckt und für "Ferien unter Gangstern" verpflichtet (1951). Der Junge mit den blauen Augen bekam kleine Rollen, er spielte sogar ein paar Sekunden lang in Luchino Viscontis Meisterwerk "Der Leopard" mit. Dann kamen Karl May und die Deutschen. In „Winnetou II“ schnappt er dem Apachenhäuptling die schöne Ribanna weg. Das fanden viele Mädchen und Jungen ungerecht.

1967 änderte Girotti für den Italo-Western „Gott vergibt … wir beide nie“ seinen Namen in Terence Hill. die Produzenten wünschten dies, der Name stand auf einer Liste mit 20 Namen. Die Initialen sind die gleich wie die seiner Muttere, Hildegard Thieme. "Gott vergibt..." war auch der erste Film mit Bud Spencer. Fortan hauten sie ganze Horden von unrasierten Männern ins Gesicht. Hill spielte später Lucky Luke und Don Camillo, immer in gleicher Manier. Fäuste, Ohrfeigen. Ohrfeigen, Fäuste. Sex spielte nie eine Rolle. Es war eine liebe Zeit.

Man muss Terence Hill loben. Er hat als Identifikationsfigur viel bewirkt. Junge und alte Jungens sind ihm dankbar. Thüringens Kultusministerium arbeitet gerade an einer Leseliste speziell für Jungs und männliche Jugendliche. Man will sie ermutigen und empfiehlt „Emil und die Detektive“ und „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“. Da wird eher wenig geprügelt.

Es wäre auch nicht schlecht, wenn Jungs in Scharen ungewaschen ins Kino gingen, um sich „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ anzusehen. Am Sonntag wird Hill 70 Jahre alt. Darauf einen „Taubenschlag“.

Terence Hills "Ohrfeigen-Auftritt" im Film "Mein Name ist Nobody“ von 1973: