Singapur

Schweizer drohen Stockschläge wegen Graffiti

Oliver F. sitzt in Singapur in Haft, weil er U-Bahn-Züge mit Graffiti besprüht haben soll. Der asiatische Stadtstaat versteht in Sachen Sauberkeit keinen Spaß.

Stockschläge drohen einem Schweizer in Singapur, der im Verdacht steht, U-Bahn-Züge mit Graffiti besprüht zu haben. Oliver F. (32) wurde wegen Vandalismus und Einbruchs in ein Zugdepot angeklagt.

Er muss am 21.Juni wieder vor Gericht erscheinen. Sein Pass wurde beschlagnahmt und die Kaution auf 100.000 Singapur-Dollar (59.000 Euro) festgelegt.

Der asiatische Stadtstaat versteht bei seinem Image als supersauberes Pflaster keinen Spaß und hat drakonische Strafen parat: Vandalismus kann mit drei Jahren Haft, 2000 Singapur-Dollar Strafe und drei bis acht Stockschlägen bestraft werden. Ein 18-jähriger Amerikaner, der Autos beschmierte, bekam 1994 trotz Intervention von US-Präsident Bill Clinton vier Schläge auf den nackten Po.

Oliver F. drang nach den Ermittlungen der Polizei in der Nacht zum 17. Mai in das Changi-Depot ein, in dem über Nacht U-Bahn-Züge parken. Er soll nicht allein gewesen sein.

Ein Brite wurde in den Ermittlungsakten ebenfalls genannt, aber nicht angeklagt. Er hält sich möglicherweise nicht mehr in Singapur auf. Das Depot ist mit Zäunen und Stacheldraht gesichert. Wie die Beamten dem Mann auf die Spur kamen und was für Beweismaterial die Anklage hat, blieb unklar.

In der Graffiti-Sprüher-Szene wurde heiß diskutiert, ob F. und der Brite die berüchtigten Sprüher „McKoy Banos“ sind. Diese Signatur stand auf dem U-Bahnwagen.

„McKoy Banos“ haben schon Züge in aller Welt besprüht und ihre Identität ist nie gelüftet worden. Das Internet-Netzwerk Xing führt einen Schweizer namens Oliver F. in Singapur auf, der sich als Software-Entwickler beschreibt und von der Fachhochschule Nordwestschweiz ICT Management kommt.

Die Sauberkeit ist eines der Merkmale, auf das der asiatische Stadtstaat besonders stolz ist. Kaugummikauen ist zum Beispiel verboten – unter anderem, weil die ausgespuckten Gummis hässliche Flecken auf Gehwegen hinterlassen.

Jetzt begann eine Inselweite Kampagne der Umweltbehörde, die Singapurer lehren soll, ihre Abfälle richtig zu entsorgen. Wer beim Wegwerfen von Zigarettenstummeln, Papier oder anderem erwischt wird, muss 300 Singapur-Dollar Strafe zahlen. Wiederholungstäter kommen vor Gericht.

Im Prinzip bestehe zwar kein Problem mit Graffiti, sagte der Singapurer Soziologieprofessor Tan Ern Ser der Zeitung „Straits Times“, die täglich auf mehreren Seiten über den Fall berichtet. Dennoch müsse es als abartig betrachtet werden, weil es gegen die Regeln den Singapurer Gesellschaft verstoße.

Zum Horror der Behörden war der besprayte U-Bahn-Zug offenbar zwei Tage ungestört im Einsatz. Ein Student filmte das Graffiti erstaunt, dachte, es handele sich um eine clevere Reklame, und stellte sein Video auf YouTube. So kam der Ball ins Rollen.

Behörden und Parlamentarier sind entsetzt. Der Einbruch in das Depot zeige gefährliche Sicherheitsmängel, die auch Terroristen hätten nutzen können. „Das hätte auch zu etwas Schlimmerem als Graffiti führen können“, sagte der Parlamentarier Alvin Yeo der „Straits Times“.