"Prophet" Warren Jeffs

US-Sektenführer wegen Kindesmissbrauch angeklagt

Sektenführer Warren Jeffs muss sich im texanischen San Angelo wegen des Vorwurfs der Vielehe und des Missbrauchs Minderjähriger vor Gericht verantworten.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Im texanischen San Angelo hat ein neues Strafverfahren gegen Warren Jeffs, Anführer einer berüchtigten Polygamistensekte , begonnen. Dem 55-Jährigen werden sexueller Missbrauch Minderjähriger und Vielehe vorgeworfen. Es droht ihm lebenslange Haft.

Als besonders schwer stellte sich die Nominierung der zwölf Geschworenen für den Prozess heraus. Die Auswahl habe zwei Tage gedauert, Dutzende potentielle Geschworene hätten erklärt, sie seien voreingenommen, hieß es.

Jeffs ist seit 2002 Anführer der „Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, einer Splittergruppe der Mormonen. Nach Auffassung der Sekte kommen nur Männer in den Himmel, die mehrere Ehefrauen haben. Wie die Zeitung „Salt Lake Tribune“ berichtete, hat Jeffs mehr als 80 Frauen "geheiratet", darunter auch minderjährige Mädchen.

Jeffs wurde schon mehrfach verurteilt

Ein Großteil des Belastungsmaterials stammt anscheinend von einer spektakulären Polizeirazzia im April 2008 auf dem Sektenanwesen in Texas. Dabei waren Unterlagen und Tagebücher beschlagnahmt und mehr als 400 Kinder vorübergehend in staatliche Obhut genommen worden.

Jeffs wurde bereits im November 2007 im Bundesstaat Utah wegen Beihilfe zur Vergewaltigung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht hob das Urteil 2010 auf. Wegen neuer Anklagen wurde Jeffs jedoch nach Texas überstellt.

In der Sekte gilt Jeffs als „Prophet“. Er kontrolliert das Leben der Mitglieder und schreibt offenbar auch vor, wer wen heiratet. Selbst vom Gefängnis aus predige Jeffs per Telefon und mache seinen Anhängern Vorschriften, berichtete CNN am Dienstag. Der Sekte gehören nach Schätzungen mehrere tausend Menschen an. Das Verfahren in San Angelo dürfte mehrere Wochen dauern.