Salzgitter

Priester gibt zwei weitere Missbrauchsfälle zu

Ein Priester aus Salzgitter hat den jahrelangen Missbrauch mehrerer Jungen gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann schon früher im Visier.

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Der wegen sexuellen Missbrauchs verhaftete katholische Priester aus Salzgitter hat Übergriffe auf zwei weitere Minderjährige zugegeben. Der 46-Jährige habe die Vorwürfe am Wochenende eingeräumt, teilte die Polizei am Montag in Braunschweig mit. Das Kind und ein Jugendlicher stammen aus der Region Salzgitter.

Die Jungen seien etwa zehn Jahre alt gewesen, als sie erstmals von dem Pfarrer missbraucht worden seien. Einer von ihnen wurde nach eigenen Angaben zuletzt im Juni missbraucht. Die beiden Jungen hätten die Angaben des Pfarrers bestätigt.

Das Bistum Hildesheim beurlaubte den Pfarrer bis auf Weiteres von seinen Ämtern.

Über wie viele Jahre der Missbrauch angedauert habe, lasse sich noch nicht genau sagen, es gehe um eine Vielzahl von Fällen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Pfarrer habe vielfältigen Kontakt zu Kindern – beispielsweise über den Kommunionsunterricht – gehabt.

Der Priester war am Wochenende kurz vor dem Aufbruch zu einer Jugendfreizeit in Taizé (Frankreich) verhaftet worden. Die Mutter hatte mit ihrem Sohn Ende Juni Anzeige erstattet.

In der Wohnung des Pfarrers waren am Freitag Computer und Schriftstücke beschlagnahmt worden. Ob auch kinderpornografisches Material darunter war, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Geprüft werden sollte, ob sich aus dem Material Hinweise zu Kontakten zu anderen Kindern ergeben.

Wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft

Der Geistliche sei wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft genommen worden. Ob der 46-Jährige für immer aus dem Priesteramt entfernt wird, müssten kirchenrechtliche Ermittlungen ergeben, sagte Weihbischof Heinz-Günter Bongartz in Hildesheim. „Ich möchte sehr deutlich sagen, dass meine Gedanken zuerst den Opfern gelten.“

Weil der Pfarrer offenbar eine zu große Nähe zu Kindern suchte, hatte sich bereits 2006 eine Familie beschwert. „Wir haben ihm damals in einem Gespräch signalisiert, wo die Grenzen sind, da hat es eine ganz klare Ansage gegeben“, sagte Bongartz. Angeblich sei der Pfarrer zu distanzlos gewesen, um Missbrauch sei es nicht gegangen.

Als sich dieselbe Familie im vergangenen Jahr im Zuge des Missbrauchskandals erneut wegen der Vorfälle von 2006 gemeldet habe, habe das Bistum die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese konnte den Verdacht aber nicht erhärten und stellte die Ermittlungen ein.

„Wir werden Jahre und Jahrzehnte brauchen, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen“, sagte Bongartz zu den Folgen des erneuten Missbrauchsfalls für das Ansehen der Kirche. Im vergangenen Jahr hatte der Missbrauchsskandal bereits einen kräftigen Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum Hildesheim verursacht, die Zahl war 2010 um 28 Prozent auf 5809 in die Höhe geschnellt.

In keinem Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Tod eines jungen Mannes, der sich 2007 in der Wohnung des Pfarrers erschossen hatte. Wie Bongartz sagte, hatte der Pfarrer den Obdachlosen aus seelsorgerischen Gründen aufgenommen.