Durch Blitzschlag

Schnellzug in China entgleist auf Brücke

Nach einem Stromausfall durch einen Blitzschlag sind in Ostchina zwei Hochgeschwindigkeitszüge aufeinandergefahren. Dabei starben 30 Personen, etwa 200 Personen wurden in Krankenhäuser gebracht.

Ursache für das schwere Zugunglück in Ostchina war ein Stromausfall infolge eines Blitzschlages. Dabei prallten zwei Hochgeschwindigkeitszüge aufeinander. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben. Zunächst war nur von 16 Toten die Rede gewesen.

Rund 200 Passagiere wurden in Krankenhäuser gebracht, wie amtliche Medien berichteten. Mindestens sechs Waggons mit rund 600 Passagieren entgleisten durch die Kollision. Zwei stürzten rund 20 bis 30 Meter von einer Brücke.

In einem schweren Gewitter hatte der Blitzeinschlag die Stromversorgung des Hochgeschwindigkeitszuges D3115 lahmgelegt, wie die örtliche Fernsehstation Hangzhou TV berichtete. Er sei nicht mehr zu steuern gewesen. Der Zug sei schließlich ganz langsam gefahren und praktisch zum Stillstand gekommen, als der andere Hochgeschwindigkeitszug mit der Nummer D301 aufgefahren sei.

Ein Waggon stürzte von einer Brücke

Das Unglück passierte nahe der Stadt Shuangyu in der Provinz Zhejiang. Der plötzlich führungslose Zug sei auf dem Weg von der Provinzhauptstadt Hangzhou nach Wenzhou gewesen. Einer seiner Waggons stürzte von der Brücke. Der andere hing senkrecht an der Brücke.

Rettungskräfte bemühten sich, die Opfer aus den schwerbeschädigten Waggons zu bergen. Nach Medienberichten sollen die Waggons jeweils rund 100 Passagiere fassen. Der aufgefahrene Unglückszug war auf dem Weg von Peking nach Fuzhou in Südchina.

Notrufe der Zuginsassen über Handys

Über Handys riefen verunglückte Zuginsassen in Mikroblogs um Hilfe. "Bitte helft mir! ...Hilfe! Hilfe!“, schrieb ein eingeschlossenes Opfer laut Nachrichtenagentur Xinhua. "Ich habe solche Angst.“

Die Rettungsarbeiten wurden erschwert, weil so viele Menschen am Unfallort umherliefen, wie die Staatsagentur berichtete. Passagiere hätten aber auch bei den Bergungsarbeiten geholfen. Wegen der hohen Zahl der Verletzten riefen Krankenhäuser in Wenzhou die Bevölkerung zu Blutspenden auf.

Schwerer Schlag für Hochgeschwindigkeitsnetz

Das Unglück ist ein schwerer Schlag für das Hochgeschwindigkeitsnetz in China. Das ehrgeizige Programm, das viele Milliarden verschlungen hat, war in den vergangenen Wochen schon ins Gerede gekommen. Insbesondere die gerade neu eröffnete Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai machte wiederholt mit technischen Problemen und Verspätungen von sich reden. Es gab ferner Diskussionen über mögliche Sicherheitsprobleme.

Hintergrund der Debatte ist auch der Korruptionsskandal um Eisenbahnminister Liu Zhijun, der im Februar abgesetzt worden war. Bei der Auftragsvergabe für das Hochgeschwindigkeitsnetz sollen der Minister und andere leitende Beamte mitkassiert haben.

Wegen der Anlaufprobleme auf der 1300 Kilometer langen und fünfeinhalb Stunden dauernden Peking-Shanghai-Strecke stiegen viele Passagiere doch wieder auf Flugverbindungen um. Vergangene Woche musste sich ein Sprecher des Eisenbahnministeriums für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Weil die Passagierzahlen zurückgehen, sollen zunächst zwei Züge aus dem Fahrplan für die neue Verbindung von Peking nach Shanghai gestrichen werden.

Jüngste Zugunfälle in China

Meldungen über Zugunfälle in China gibt es immer wieder. Jüngste Fälle: August 2010: In letzter Minute werden Passagiere eines Zuges in Südwestchina gerettet, bevor zwei Waggons in einen reißenden Fluss mit Hochwasser stürzen. Zwei Pfeiler waren von den Fluten beschädigt und sackten ab, als der Zug die lange Shitingjiang-Brücke in Guanghan in der Provinz Sichuan passiert. Mai 2010: Nach einem Erdrutsch infolge schwerer Regenfälle bringt Schlamm auf den Gleisen einen Zug im Osten Chinas zum Entgleisen. Mehrere Waggons überschlagen sich, mindestens 19 Menschen sterben. Das Unglück passiert nahe der Stadt Fuzhou in der Provinz Jiangxi. Juli 2009: Bei einem Zugunglück in Südwestchina kommen mindestens vier Menschen ums Leben. Grund für den Unfall in der Nähe der Stadt Liuzhou ist ein Erdrutsch nach heftigem Regen, der die Lokomotive und die ersten vier Wagen des Zuges entgleisen lässt. Juni 2009: In der zentralchinesischen Provinz Hunan stoßen zwei Personenzüge zusammen, mindestens drei Menschen sterben. Unter den Toten sind auch zwei Bewohner eines Hauses, das von entgleisten Wagen zerstört wird. Der Unfall ereignet sich im Bahnhof der Stadt Chenzhou. Zahlreiche Waggons schieben sich ineinander. # dpa-Notizblock * * * * Die folgenden Informationen sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt