Martin N.

"Maskenmann" wegen Dreifachmordes angeklagt

Viele Jahre tappten die Fahnder im Dunkeln. Im April 2011 gelang es ihnen schließlich, den 40-jährigen Pädagogen Martin N. des Mordes an dem neunjährigen Dennis K. und zweier weiterer Jungen zu überführen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.

Gegen den mutmaßlichen Mörder des neunjährigen Dennis K. und zweier weiterer Jungen ist Anklage erhoben worden. Dem 40-jährigen Mann wird dreifacher Mord und sexueller Missbrauch in 20 Fällen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Stade am Mittwoch mitteilte. Die Anklage sei bereits am vergangenen Freitag erhoben worden. Wie jetzt bekannt wurde, soll der 40-Jährige alle drei Jungen erwürgt haben.

Dem 40-jährigen Martin N. wird vorgeworfen, im September 2001 den damals neunjährigen Dennis aus einem Schullandheim in Wulsbüttel entführt und getötet zu haben. Der als Serientäter „Schwarzer Mann“ identifizierte und Mitte April festgenommene ehemalige Betreuer hat gestanden, den Jungen aus Osterholz-Scharmbeck sowie 1992 den damals 13-jährigen Stefan J. und 1995 den achtjährigen Dennis R. ermordet zu haben. Zudem räumte er etwa 40 Missbrauchsfälle ein, von denen knapp die Hälfte jedoch verjährt sei, hieß es.

Martin N. erwürgte seine Opfer

In allen drei Fällen soll Martin N. seine Opfer erwürgt haben. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der 40-Jährige Dennis K. bereits im Schullandheim getötet. Stefan J. habe er unmittelbar nach dem Missbrauch getötet, sagte Staatsanwalt Kai Thomas Breas. Mit Dennis R. hingegen habe er 1995, nachdem er ihn aus dem Zeltlager entführt hatte, einige Tage zusammen verbracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeschuldigten Heimtücke und niedrige Beweggründe vor. Darüber hinaus geht die Anklagebehörde davon aus, dass er die Kinder tötete, um die Sexualstraftaten zu verdecken. Ihm droht im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Prozessbeginn im Oktober

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stade muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und den Beginn einer etwaigen Hauptverhandlung entscheiden. Laut Breas ist es wahrscheinlich, dass der Prozess gegen Martin N. im Oktober beginnt.

Der 40-Jährige kommt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch für Morde an Kindern in Frankreich und den Niederlanden in Frage. Allerdings lägen keine Erkenntnisse vor, um Martin N. auch dieser Taten zu überführen.

Über die Frage der Schuldfähigkeit beziehungsweise der verminderten Schuldfähigkeit des Mannes hat die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die „Soko Dennis“ hat zudem vor einigen Wochen eine weltweite Interpolanfrage gestartet, deren Ergebnis allerdings noch aussteht. Ob dadurch weitere Straftaten aufgeklärt werden können, sei noch nicht abzusehen, hieß es.