Abhörskandal

Rupert Murdoch trifft Familie der ermordeten Milly

Reporter der eingestellten Murdoch-Zeitung "News of the World" hackten 2002 die Mailbox des Mordopfers Milly Dowler (13). Der Konzernchef traf nun deren Angehörige.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Medien-Milliardär Rupert Murdoch hat sich in einem Hotel in der Londoner Innenstadt mit den Angehörigen der ermordeten Milly Dowler getroffen. Wie die britische Agentur PA berichtete, wollte sich Murdoch persönlich für das entschuldigen, was Mitarbeiter seiner Zeitung „News of the World“ der Familie angetan haben.

Millys Eltern hatten ein Treffen mit den Verantwortlichen der „News of the World“ verlangt, seit ans Licht gekommen war, dass Journalisten der Zeitung die Mailbox ihrer entführten Tochter angezapft hatten .

Die Journalisten hatten sogar Nachrichten gelöscht, um Platz für neue zu machen, während das Mädchen vermisst wurde. Dadurch hatte die Familie sich falsche Hoffnungen gemacht, dass ihre entführte Tochter noch am Leben sei .

Die Schülerin Milly Dowler war 2002 im Alter von 13 Jahren entführt und später tot aufgefunden worden. Die Angehörigen des getöteten Mädchens hatten sich in dieser Woche bereits mit Premierminister David Cameron und anderen Spitzenpolitikern getroffen.

"Entschuldigung an die Nation"

Der Medienunternehmer versucht derweil in Großbritannien mit einer „Entschuldigung an die Nation“ das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Murdochs Sohn James, der das Europa-Geschäft führt, kündigte an, Anzeigen in allen Wochenendausgaben der landesweit erscheinenden Zeitungen zu schalten.

„Das Unternehmen hat Fehler gemacht“, teilte er in einer Notiz an seine Mitarbeiter mit. „Wir werden uns bei der Nation entschuldigen, für das, was passiert ist.“ Die Anzeigenkunden sollen in gesonderten Briefen über das Krisenmanagement informiert worden.

Die Murdoch-Zeitungen haben seit Beginn der Krise vor knapp zwei Wochen laut Medien-Analyse massiv an Anzeigenaufkommen und Auflage verloren. Rupert Murdoch musste unter politischem Druck auch die Komplettübernahme der britischen Fernsehkette BSkyB abblasen. Die „News of the World“ hatte er bereits zuvor eingestellt. Die arg gebeutelte Aktie seiner News Corp. fiel am Freitag weiter.

Mit Rebekah Brooks verlor Murdoch zudem eine enge Vertraute. Die Vorstandsvorsitzende von Murdochs britischer Zeitungsholding News International trat unter großem öffentlichen Druck zurück .

Politiker aller Parteien, darunter Premierminister David Cameron, bezeichneten den Rücktritt als richtigen Schritt. Für die mitregierenden Liberaldemokraten und die Labour-Opposition kam er „zu spät“. Ihren Posten übernimmt der bisherige Sky-Italia-Chef Tom Mockridge. Brooks sagte, sie empfinde „ein tiefes Gefühl der Verantwortung für die Menschen, die wir verletzt haben“.