Nach Selbstmord

Vorwürfe gegen Polizei in Bögerl-Todesanzeige

Die Bögerl-Kinder erheben schwere Vorwürfe gegen Öffentlichkeit und Polizei. Es sind bittere, anklagende Worte, die Carina und Christoph Bögerl in der Traueranzeige nach dem Tod ihres Vater finden.

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Wer trägt Schuld, wenn ein Mensch den Freitod wählt? Im Fall von Thomas Bögerl gibt es viele Theorien. Im Mai 2010 wurde die Frau des Sparkassen-Vorstands entführt und ermordet. Der Witwer litt unter Depressionen und musste – die Täter wurden nie gefasst – mit Anschuldigungen und Verdächtigungen leben.

Das wollte er nicht mehr. Ein knappes Jahr später erhängte sich der 56-Jährige im Fitnessraum eben jenen, seines Hauses im baden-württembergischen Heidenheim, aus dem die Mutter seiner beiden Kinder entführt worden war.

Carina (28) und Christoph (26) erheben in ihrer Traueranzeige für den geliebten Vater in der "Heidenheimer Zeitung" nun schwere Vorwürfe: Thomas Bögerl habe „den Verlust seiner geliebten Frau, die erfolglosen polizeilichen Ermittlungen, die unsäglichen Verleumdungen und den zuletzt daraus resultierenden Abschied aus seinem Beruf nicht mehr ertragen können." Unterzeichnet hat auch die Mutter des Toten, Hedwig Bögerl, „mit allen Geschwistern und Anverwandten.“

Es ist das erste Mal, dass die Familie in der Öffentlichkeit lautstark Stimme erhebt gegen den nie ausgeräumten Verdacht, dass der Bankier selbst etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun gehabt haben könnte. Eine Verwicklung hatte nie bewiesen werden können. Doch eben auch nicht das Gegenteil. Seine Kinder stellen nun klar: Für sie wurde ihr Vater Opfer dieser Verdächtigungen.

Der Suizid von Thomas Bögerl ist das vorläufige Ende eines tragischen Entführungsfalls, der die Polizei 14 Monate lang in Atem hielt. Am 12. Mai 2010 wurde Maria Bögerl überfallen und verschleppt. Die Entführer verlangten vom Sparkassenvorstand ein Lösegeld in Höhe von 300.000 Euro.

In einem schwarzen Plastiksack brachte Thomas Bögerl das Geld zum vereinbarten Ort, einer Autobahnausfahrt – eine halbe Stunde zu spät. Die Entführer ließen sich danach weder sehen, noch meldeten sie sich wieder. Das Geld wurde am nächsten Tag von der Autobahnmeisterei versehentlich weggeräumt. In einem nahe gelegenen Waldstück entdeckte ein Spaziergänger 22 Tage später die Leiche von Maria Bögerl. Sie war erstochen worden.

Mehr als 8600 Spuren, Hinweise und Zeugenaussagen hat die Polizei seither ausgewertet. Phantombilder wurden erstellt und die Fahndung ins Ausland ausgeweitet. Trotz allem blieben die Ermittlungen ohne Erfolg.

Carina und Christoph Bögerl haben beide Eltern auf tragische Weise verloren. Ihren Vater wollen sie anders als geplant nicht im Familiengrab neben ihrer Mutter auf dem Waldfriedhof in Heidenheim bestatten. Sondern im etwa hundert Kilometer entfernten Herrieden. Das hätten sie mit einem Onkel und einer Tante entschieden, berichtete die "Bild"-Zeitung. Warum, das erklärte die Familie nicht.

Es bleiben viele Fragen offen in diesem Entführungsfall um die Bankiersfrau Maria Bögerl. Wohl auch die der Schuld.